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EUDI-Wallet: Nur gut die Hälfte der Deutschen kennt sie, drei Monate vor dem Start

Eine am 8. September 2026 veröffentlichte IDnow-Studie zeigt: 52 Prozent der Deutschen kennen die europäische Identitäts-Wallet, 48 Prozent brechen Vorgänge ab, wenn die Verifizierung zu umständlich wird. 64 Prozent würden die Wallet eher nutzen, wenn sich einzelne Angaben wie das Alter ohne den Rest der Daten bestätigen ließen.

Was ist passiert

Der Identitätsdienstleister IDnow hat am 8. September 2026 eine Verbraucherbefragung zur europäischen Identitäts-Wallet veröffentlicht. Befragt wurden im Juni 2026 durch das Institut Sapio Research 1.000 Erwachsene in Deutschland zwischen 18 und 80 Jahren. Ergebnis: 52 Prozent kennen die EUDI-Wallet überhaupt, obwohl der Start nach Angaben von IDnow für Dezember 2026 vorgesehen ist. 48 Prozent der Befragten brechen einen Vorgang ab, wenn die Identitätsprüfung zu kompliziert oder zu langwierig wird. Bei der Frage, wem sie die Verwaltung ihrer digitalen Identität anvertrauen würden, nennen 26 Prozent deutsche Banken und 12 Prozent große Technologiekonzerne. 64 Prozent würden die Wallet eher nutzen, wenn sich einzelne Angaben — etwa das Alter — bestätigen ließen, ohne den kompletten Datensatz offenzulegen. Auftraggeber der Studie ist ein Anbieter von Identitätsprüfungen, das gehört zur Einordnung dazu.

Wen es trifft

Online-Händler mit Altersgrenzen (Alkohol, Tabak, Waffen, Games, Erotik, Finanzprodukte), Vermieter und Verleiher, Mobilfunk- und Energieanbieter mit Vertragsabschluss im Netz, dazu jeden stationären Händler, der heute noch Ausweise ansieht. Und alle, die Konten oder Verträge digital eröffnen lassen.

Einordnung

Der Wert 48 Prozent ist die einzige Zahl der Studie, die ein Händler unmittelbar in Geld übersetzen kann. Fast jeder zweite Kunde steigt aus, wenn die Identitätsprüfung hakt — das ist keine Datenschutzdebatte, das ist eine Abbruchquote. Wer heute Ausweisupload, Videocall oder Selfie-Prüfung im Bestellprozess hat, kennt diesen Bruch aus dem eigenen Funnel.

Der interessante Teil ist die selektive Offenlegung: nur bestätigen, was gebraucht wird, also volljährig ja oder nein statt Name, Geburtsdatum und Adresse. Das ist für Händler doppelt gut — kürzerer Prozess und weniger personenbezogene Daten, die man speichern, schützen und im Zweifel melden muss. Ich rechne trotzdem nicht damit, dass die Wallet im Dezember plötzlich im Checkout steht. Solche Infrastrukturen kommen über Pflichtprozesse in den Markt, nicht über Begeisterung, und 52 Prozent Bekanntheit heißt: Die Aufklärung muss der Händler leisten, nicht der Kunde. Wer den Umweg früh baut, hat später keinen Umbau.

Was jetzt zu tun ist

  1. Im eigenen Shop oder Vertragsprozess messen, wie viele Nutzer zwischen Start und Abschluss der Identitäts- oder Altersprüfung verloren gehen. Ohne diese Zahl ist jede Wallet-Diskussion Theorie.
  2. Beim Identitäts- oder Payment-Dienstleister nachfragen, ob und wann er EUDI-Wallet-Nachweise annimmt und ob selektive Attributabfrage (nur Alter) unterstützt wird.
  3. Prüfen, welche Daten heute aus reiner Gewohnheit erhoben werden. Was für den Vertrag nicht nötig ist, kostet Conversion und erzeugt Haftung.

Quellen

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