Mollie wächst 23 Prozent und schließt die Übernahme von GoCardless ab
Der Amsterdamer Zahlungsdienstleister meldet 156 Millionen Euro Nettoumsatz im ersten Halbjahr, plant 350 Millionen Euro für die Expansion in ganz Europa und übernimmt den Lastschrift-Spezialisten GoCardless für 1,1 Milliarden Euro.
Was ist passiert
Mollie hat für das erste Halbjahr 2026 einen Bruttoumsatz von 274,3 Millionen Euro (plus 31 Prozent) und einen Nettoumsatz nach Abzug der Verarbeitungskosten von 156 Millionen Euro (plus 23 Prozent) gemeldet. Parallel läuft ein 350-Millionen-Euro-Programm für die Expansion in weitere europäische Märkte, und die Übernahme des Londoner Lastschrift-Anbieters GoCardless für rund 1,1 Milliarden Euro wird abgeschlossen. Mollie ist in Deutschland vor allem bei kleinen und mittleren Online-Shops verbreitet, mit Plugins für Shopware, WooCommerce, Shopify und Magento.
Wen es trifft
Online-Händler im Mittelstand, besonders solche mit Abo-Modellen, wiederkehrenden Rechnungen oder B2B-Kunden, die per Lastschrift zahlen.
Einordnung
GoCardless ist im Kern eine Lastschrift-Maschine: SEPA, Bacs, wiederkehrende Einzüge, Kontoabgleich. Dass ein Kartenzahlungs-Dienstleister dafür mehr als eine Milliarde bezahlt, sagt etwas über die Richtung. Für Abos, Mitgliedschaften und Rechnungen ist die Karte teuer und unzuverlässig, weil sie abläuft und Betrugsregeln greifen. Die Lastschrift kostet bei Mollie 35 Cent fix statt 1,8 Prozent plus 25 Cent bei der Karte.
Die Kehrseite müssen Händler kennen: Die SEPA-Lastschrift kann der Kunde acht Wochen lang ohne Angabe von Gründen zurückholen. Bei der Karte gibt es ein Verfahren mit Beweisführung, bei der Lastschrift nicht. Wer also auf Mollie plus GoCardless setzt, tauscht Gebühren gegen Rückbuchungsrisiko. Das ist in vielen Fällen ein guter Tausch, aber es ist einer.
Was jetzt zu tun ist
- Zahlartenmix nach Geschäftsmodell prüfen: Einmalkauf bleibt Karte und PayPal, Abo und Rechnung gehören auf Lastschrift.
- Rückbuchungsquote je Zahlart aus dem Anbieterportal ziehen, bevor Lastschrift ausgeweitet wird.
- Bei Verhandlungen mit dem Zahlungsdienstleister die Konkurrenz nennen: Der Markt ist in Bewegung, Konditionen sind verhandelbar.