Scheme Fees: Britische Aufsicht zwingt Visa und Mastercard zur Offenlegung, die EU prüft noch
Die britische Payment Systems Regulator stellte fest, dass die Kernentgelte der Kartensysteme seit 2017 um mindestens 25 Prozent gestiegen sind und Händler 170 Millionen Pfund jährlich extra kosten. Jetzt verlangt sie prüfbare Aufzeichnungen für jede Preisentscheidung. Die EU-Kommission hat ihr Verfahren seit 2024 offen.
Was ist passiert
Die britische Aufsichtsbehörde Payment Systems Regulator (PSR) hat in ihrer Marktuntersuchung festgestellt, dass Visa und Mastercard ihre Kern-Scheme- und Processing-Gebühren gegenüber Acquirern seit 2017 um mindestens 25 Prozent erhöht haben, was Unternehmen mindestens 170 Millionen Pfund pro Jahr zusätzlich kostet. Die Preisgestaltung sei intransparent, der Wettbewerb wirkungslos. Als Abhilfe verlangt die Behörde nun prüfbare Aufzeichnungen zu jeder neuen Preisentscheidung sowie einen regulatorischen Finanzberichtsrahmen; die Konsultation dazu lief bis ins Frühjahr 2026. Die EU-Kommission hatte im September 2024 Fragebögen an Händler und Zahlungsdienstleister verschickt, um die Wirkung der Scheme Fees zu prüfen. Eine Entscheidung steht aus; bei einem Verstoß drohen Bußgelder von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Wen es trifft
Jeder Händler, der Visa oder Mastercard akzeptiert, also praktisch alle. Die Scheme Fee ist in jeder Kartengebühr enthalten, ob sie ausgewiesen wird oder nicht.
Einordnung
Die Kartengebühr besteht aus drei Teilen. Der Interchange geht an die Bank des Kunden und ist seit 2015 in der EU gedeckelt, 0,2 Prozent bei Debit- und 0,3 Prozent bei Kreditkarten. Die Marge des Acquirers oder Netzbetreibers ist verhandelbar. Und die Scheme Fee geht an Visa und Mastercard, ist weder gedeckelt noch verhandelbar und wird fast nie beziffert. Die britischen Zahlen zeigen, was passiert, wenn ein Preis niemandem gegenüber gerechtfertigt werden muss.
In Deutschland sieht der Händler davon nichts, weil er meistens einen Pauschalsatz bekommt. Die Scheme-Fee-Erhöhungen der letzten Jahre sind in diesen Pauschalen verschwunden, und der Händler weiß nicht, ob sein Anbieter sie weitergereicht oder seine eigene Marge erhöht hat. Das ist der eigentliche Grund, warum ich auf aufgeschlüsselte Abrechnung bestehe.
Was jetzt zu tun ist
- Abrechnung nach Interchange++ verlangen, in der Interchange, Scheme Fee und Marge getrennt stehen. Das Recht auf Entbündelung gilt seit 2015.
- Bei Preiserhöhungen des Anbieters nach dem Grund fragen: Scheme Fee oder Marge?
- Kartenmix kennen: Firmen- und Nicht-EWR-Karten sind außerhalb der Deckelung und deutlich teurer.
Quellen
- Payment Systems Regulator (UK): Market review of card scheme and processing fees, final report
- Finextra: PSR to take action against card schemes after 25% hike in fees
- PaymentExpert: PSR moves to tighten transparency and governance of card scheme fees (23.12.2025)
- WinFuture: Visa und Mastercard, EU untersucht, ob Gebühren dem Handel schaden
- Business of Payments, Newsletter September 2026