Was kostet Kartenzahlung wirklich? Die acht Kostenbausteine eines Terminalvertrags
Disagio ist nur der Anfang. Transaktionsentgelt, Terminalmiete, Servicepauschale, Einrichtungsgebühr, Sammelkonto, Scheme-Manager-Fee und die versteckten Positionen: Wie sich die Gebühr für Kartenzahlung zusammensetzt und warum bei kleinen Bons der Prozentsatz fast egal ist.
Die kurze Antwort
Die Gebühr für Kartenzahlung ist kein Preis, sondern eine Summe. Sie besteht aus einem prozentualen Anteil vom Umsatz, einem festen Betrag je Buchung und mehreren monatlichen und einmaligen Positionen. Wer Angebote nur nach dem Prozentsatz vergleicht, vergleicht den kleinsten Teil der Rechnung.
Was im Prozentsatz steckt
Das prozentuale Händlerentgelt, im Markt Disagio genannt, hat bei Kreditkarten drei Empfänger:
| Baustein | Geht an | Gesetzlich gedeckelt? |
|---|---|---|
| Interchange | kartenausgebende Bank | ja, 0,2 % Debit / 0,3 % Kredit bei Verbraucherkarten aus dem EWR |
| Scheme Fee | Visa, Mastercard, girocard-System | nein |
| Marge | Acquirer oder Netzbetreiber | nein, verhandelbar |
Die Deckelung gilt nicht für Firmenkarten, nicht für Karten von außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums und nicht für Drei-Parteien-Systeme wie American Express. Eine amerikanische Firmenkreditkarte kostet am selben Terminal deshalb ein Vielfaches der deutschen girocard.
Die girocard hat seit 2014 kein zentral festgelegtes Entgelt mehr; die Sätze werden mit den kartenausgebenden Banken verhandelt und liegen im Markt meist zwischen 0,18 und 0,3 Prozent. Seit dem 1. Januar 2026 kommt eine Scheme-Manager-Fee von 0,00209 Prozent des girocard-Umsatzes hinzu, ein kleiner Betrag, aber ein Beispiel dafür, wie Positionen entstehen, die kein Angebot nennt.
Die drei Preismodelle
Interchange++: Alle drei Bausteine werden je Transaktion getrennt ausgewiesen. Adyen veröffentlicht das Modell offen: Interchange++ plus 0,60 Prozent plus 0,11 Euro je Transaktion. Bei einem Kartenmix mit viel girocard und EWR-Debitkarten ist das günstig; die Monatsabrechnung ist dafür komplex.
Blended (Pauschalsatz): Ein Prozentsatz für fast alle Karten, zum Beispiel 1,39 Prozent bei SumUp inklusive girocard. Maximal planbar, aber der Anbieter kalkuliert den teuersten Fall ein. Wer überwiegend girocard kassiert, subventioniert die Kreditkartenkunden anderer Händler.
Abo-gestaffelt: Der Prozentsatz sinkt gegen eine Monatsgebühr. Lohnt sich ab einem bestimmten Umsatz, den man vorher ausrechnen muss.
Rechtlich ist Interchange++ der Normalfall: Die Interchange-Verordnung schreibt in Artikel 9 die Entbündelung vor, es sei denn, der Händler bittet schriftlich um Bündelung. Im Markt ist es umgekehrt.
Die fixen Positionen, die niemand bewirbt
| Position | Übliche Größenordnung |
|---|---|
| Transaktionsentgelt je Buchung | 7 bis 11 Cent |
| Terminalmiete | 10 bis 30 Euro monatlich |
| Servicepauschale / Netzbetrieb | 5 bis 15 Euro monatlich |
| Einrichtung / Aktivierung | 25 bis 100 Euro einmalig |
| Sammelkonto-Entgelt | bis 4 Cent je girocard-Transaktion |
| Stabilitäts- oder Preisanpassungszuschlag | einmalig, zum Beispiel 27,50 Euro |
| Rückbuchungsgebühr | 20 Euro je Chargeback bei Stripe |
| Mindestrechnungsbetrag | anbieterabhängig, oft nicht beziffert |
Warum das Transaktionsentgelt bei kleinen Bons alles entscheidet
Neun Cent je Buchung sind:
- bei einem Bon von 5 Euro: 1,8 Prozent
- bei 20 Euro: 0,45 Prozent
- bei 100 Euro: 0,09 Prozent
Für Bäckereien, Kioske, Cafés und Friseure ist das fixe Entgelt deshalb oft teurer als das gesamte Disagio. Umgekehrt ist ein reines Prozentmodell ohne Fixbetrag für Kleinbeträge günstig und für hohe Bons teuer. Die einzig sinnvolle Vergleichsrechnung braucht drei Eingaben: durchschnittlicher Bonwert, Monatsumsatz, Anteil girocard am Kartenmix.
Miete oder Kauf
Ein Mietgerät für 12,90 Euro im Monat kostet über 48 Monate 619,20 Euro, ein Kaufgerät 100 bis 200 Euro. Die Miete kauft Service, Austausch und aktuelle Zertifizierung, nicht Hardware. Das ist ein legitimer Preis, wenn der Vertrag den Austausch mit Frist garantiert. Vertragslaufzeiten reichen von null (SumUp, Zettle, myPOS) über zwölf Monate (CCV) bis zu 36 Monaten und mehr im klassischen Bankvertrieb.
Warum jeder Zehntelpunkt zählt
§ 270a BGB verbietet es, die Kartengebühr im Verbrauchergeschäft als Zuschlag weiterzugeben. Sie geht damit vollständig von der Marge des Händlers ab. Bei einer Gastronomie-Marge im niedrigen einstelligen Bereich entscheidet der Unterschied zwischen 0,4 und 1,4 Prozent Disagio über einen spürbaren Teil des Gewinns. Erlaubt bleibt die Steuerung: Rabatte für bevorzugte Zahlungsmittel und der Hinweis an der Kasse.
Checkliste vor der Unterschrift
- Alle Positionen der Tabelle oben schriftlich, mit Betrag oder „entfällt".
- girocard getrennt von Kreditkarten ausgewiesen.
- Laufzeit, Verlängerung, Kündigungsfrist.
- Austauschfrist für defekte Terminals.
- Preisanpassungsklauseln: Wer darf wann erhöhen?