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Ratgeber PaymentKosten & Gebührenaktualisiert 13.10.2026

Kartenzahlung: Gebühren für Händler — acht Kostenbausteine und was verhandelbar ist

Interchange und Scheme Fee sind fix, verhandelbar ist nur die Marge des Anbieters: die acht Kostenbausteine der Kartenzahlung im Überblick.

Die kurze Antwort

Die Gebühr für Kartenzahlung ist kein Preis, sondern eine Summe. Sie besteht aus einem prozentualen Anteil vom Umsatz, einem festen Betrag je Buchung und mehreren monatlichen und einmaligen Positionen. Wer Angebote nur nach dem Prozentsatz vergleicht, vergleicht den kleinsten Teil der Rechnung. Bezahlen muss die Summe der Händler, verhandeln kann er nur den Anteil seines Anbieters, und zwar mit Unterlagen, die ihm das Gesetz zusichert.

Was kostet Kartenzahlung den Händler?

Kartenzahlung kostet den Händler ein prozentuales Disagio je Kartenart (girocard meist 0,18 bis 0,3 Prozent, Verbraucher-Kreditkarte rund 1 bis 1,5 Prozent), ein festes Transaktionsentgelt von 7 bis 11 Cent je Zahlung und monatliche Fixkosten für Terminal und Service; Flatrate-Anbieter wie SumUp nehmen stattdessen pauschal 1,39 Prozent ohne Monatsgebühr. Für einen Betrieb mit 20.000 Euro Kartenumsatz im Monat ergibt das in der Modellrechnung unten rund 190 Euro im Mischtarif oder 278 Euro in der Flatrate.

Die Spannen sind Größenordnungen aus Anbieterangaben und Branchenübersichten (CCV, Adyen, SumUp; Stand der Abrufe im Quellenblock), keine Konditionen, auf die jemand Anspruch hat. Was die Rechnung trotzdem zeigt: welche Zeile bei Ihnen das meiste Geld kostet.

Modellrechnung, alle Eingaben angenommen: 800 Kartenzahlungen im Monat, Durchschnittsbon 25 Euro, also 20.000 Euro Kartenumsatz, davon 80 Prozent girocard und 20 Prozent Verbraucher-Kreditkarten aus dem EWR.

Position Annahme Mischtarif je Monat Flatrate 1,39 % je Monat
Disagio girocard 16.000 € × 0,25 % 40,00 € in der Flatrate enthalten
Disagio Kreditkarte 4.000 € × 1,2 % 48,00 € in der Flatrate enthalten
Transaktionsentgelt 800 × 9 Cent 72,00 € entfällt
Terminalmiete 20 € 20,00 € entfällt, Gerät einmalig gekauft
Servicepauschale 10 € 10,00 € entfällt
Summe 190,00 € = 0,95 % 278,00 € = 1,39 %

Zwei Dinge fallen auf. Erstens ist im Mischtarif nicht das Disagio der größte Posten, sondern das Transaktionsentgelt: 72 von 190 Euro. Wer seinen Bon halbiert, bei gleichem Umsatz also 1.600 Zahlungen hat, zahlt im Mischtarif 262 Euro und liegt fast gleichauf mit der Flatrate. Zweitens kippt die Rechnung mit dem Kartenmix: Steigt der Kreditkartenanteil auf die Hälfte, kostet der Mischtarif 247 Euro. Einmalige Einrichtungskosten und der Kaufpreis eines Flatrate-Lesegeräts sind in beiden Spalten nicht enthalten; sie gehören über die Vertragslaufzeit verteilt dazu.

Die Rechnung mit Ihren eigenen Zahlen braucht drei Werte aus dem Kassenbericht: Kartenumsatz pro Monat, Zahl der Kartenzahlungen und Anteil der girocard. Mit diesen drei Werten lässt sich jedes Angebot auf eine Monatssumme bringen; wie die einzelnen Bausteine zustande kommen, steht in den folgenden Abschnitten.

Was im Prozentsatz steckt

Das prozentuale Händlerentgelt, im Markt Disagio genannt, hat bei Kreditkarten drei Empfänger:

Baustein Geht an Gesetzlich gedeckelt?
Interchange kartenausgebende Bank ja, 0,2 % Debit / 0,3 % Kredit bei Verbraucherkarten aus dem EWR
Scheme Fee Visa, Mastercard, girocard-System nein
Marge Acquirer oder Netzbetreiber nein, verhandelbar

Die Deckelung gilt nicht für Firmenkarten, nicht für Karten von außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums und nicht für Drei-Parteien-Systeme wie American Express. Eine amerikanische Firmenkreditkarte kostet am selben Terminal deshalb ein Vielfaches der deutschen girocard.

Die girocard hat seit 2014 kein zentral festgelegtes Entgelt mehr; die Sätze werden mit den kartenausgebenden Banken verhandelt und liegen im Markt meist zwischen 0,18 und 0,3 Prozent. Seit dem 1. Januar 2026 kommt eine Scheme-Manager-Fee von 0,00209 Prozent des girocard-Umsatzes hinzu, ein kleiner Betrag, aber ein Beispiel dafür, wie Positionen entstehen, die kein Angebot nennt.

Wer bekommt welchen Anteil vom Disagio?

Modellrechnung für eine Verbraucher-Kreditkarte aus dem EWR, Bon 50 Euro, vereinbarter Satz 1,20 Prozent, also 60 Cent Gebühr:

Empfänger Satz Anteil an den 60 Cent verhandelbar?
Bank des Kunden (Interchange) 0,30 %, gesetzlich gedeckelt 15 Cent nein
Visa / Mastercard (Scheme Fee) 0,1 bis 0,2 % des Kartenumsatzes 5 bis 10 Cent nein
Ihr Acquirer oder Netzbetreiber der Rest Ihrer Kondition 35 bis 40 Cent ja

Gedeckelt ist nur die erste Zeile (Artikel 4 der Interchange-Verordnung). Die Spanne für die Scheme Fee stammt vom Beratungsportal KartenKosten.de (Beitrag vom 22.06.2026) und ist eine Größenordnung, keine veröffentlichte Preisliste — PAYONE stellt ausdrücklich fest, dass diese Gebühr „nicht gesetzlich reguliert“ sei und je nach Kartenprodukt und Transaktionstyp „erheblich“ schwanke. Die dritte Zeile beziffert nur, wer sie offenlegt: Adyen berechnet öffentlich Interchange++ plus 0,60 Prozent plus 0,11 Euro je Transaktion (adyen.com, abgerufen am 21.09.2026).

Daraus folgt der häufigste Irrtum im Markt: Wer 1,39 Prozent zahlt, zahlt nicht „mehr als die EU erlaubt“. Gedeckelt ist das Interbankenentgelt, nicht Ihr Händlerentgelt. Und daraus folgt die einzige Verhandlungsposition, die Sie haben — die dritte Zeile. Über die ersten beiden kann kein Anbieter verhandeln, egal was im Gespräch behauptet wird.

Was ist die Interchange?

Die Interchange, auf Deutsch Interbankenentgelt, ist der Betrag, den die Bank des Händlers bei jeder Kartenzahlung an die Bank des Karteninhabers zahlt. In der EU ist sie für Verbraucherkarten aus dem EWR gesetzlich gedeckelt: höchstens 0,2 Prozent bei Debitkarten und 0,3 Prozent bei Kreditkarten (Artikel 3 und 4 der Verordnung (EU) 2015/751).

Sie bekommen die Interchange nie als eigene Rechnung. Ihr Acquirer zahlt sie an die kartenausgebende Bank und holt sie sich über Ihr Händlerentgelt zurück; sie ist also der Boden, unter den kein Anbieter mit seinem Preis gehen kann, ohne draufzuzahlen. Was das in Cent bedeutet:

Karte des Kunden Interchange höchstens bei 20 € Bon bei 50 € Bon bei 200 € Bon
Verbraucher-Debitkarte aus dem EWR (Debit Mastercard, Visa Debit) 0,2 % 4 Cent 10 Cent 40 Cent
Verbraucher-Kreditkarte aus dem EWR 0,3 % 6 Cent 15 Cent 60 Cent
Firmenkarte, Karte von außerhalb des EWR nicht gedeckelt
American Express, andere Drei-Parteien-Systeme keine Interchange im engeren Sinn, Amex rechnet selbst ab

Drei Missverständnisse begegnen mir im Händlergespräch regelmäßig. Erstens: Die Deckelung gilt für das Interbankenentgelt, nicht für Ihr Händlerentgelt; 1,39 Prozent auf eine Kreditkarte sind kein Rechtsverstoß. Zweitens: Bei der girocard gibt es seit 2014 keine zentral festgesetzte Interchange mehr, die Entgelte werden zwischen Netzbetreibern und Banken ausgehandelt. Drittens: In den USA gibt es für Kreditkarten keinen solchen Deckel, deshalb wird dort gerade vor Gericht um ein Zehntel Prozentpunkt gestritten — die Hintergründe stehen in meiner Meldung zum US-Interchange-Vergleich. Welche Karten im Einzelnen aus der Deckelung herausfallen, erkläre ich im Ratgeber zu Firmen- und Nicht-EWR-Karten.

Was kostet die girocard im Vergleich zur Kreditkarte?

Kartenart Interchange reguliert? Marktübliche Händlerentgelte Was den Satz treibt
girocard nein, seit 2014 einzeln verhandelt 0,18 bis 0,3 %, im Flatrate-Tarif 1,39 % Verhandlungsmacht des Netzbetreibers
Verbraucher-Kreditkarte aus dem EWR ja, 0,3 % rund 1 bis 1,5 % Scheme Fee und Anbietermarge
Firmen- und Nicht-EWR-Karten nein deutlich darüber, Aufschlag je Anbieter Kartenprogramm, Cross-Border-Gebühren
American Express nein, Drei-Parteien-System 3,95 % bei Adyen (Stand 21.09.2026) Amex kalkuliert selbst

Die Spalte mit den marktüblichen Entgelten sind Größenordnungen aus Anbieter- und Vergleichsangaben, keine Ihnen zustehenden Konditionen; belegt und damit unstrittig sind nur die Deckelungen in Spalte zwei.

Der praktische Unterschied wird am Durchschnittsbon sichtbar. Der lag 2025 bei girocard-Zahlungen bei 37,25 Euro (girocard-Jahreszahlen, Pressemitteilung vom 11.02.2026). Bei einem Mischtarif von 0,25 Prozent plus 9 Cent kostet diese Zahlung 18,3 Cent, also 0,49 Prozent. Im Flatrate-Tarif mit 1,39 Prozent kostet dieselbe Zahlung 51,8 Cent. Das ist der Grund, warum der Kartenmix vor jeder Vertragsentscheidung gehört: Welche Marke bei Ihnen wirklich durchläuft, steht in meinem Beitrag zu girocard, Debit Mastercard und Visa Debit.

Die drei Preismodelle

Interchange++: Alle drei Bausteine werden je Transaktion getrennt ausgewiesen. Adyen veröffentlicht das Modell offen: Interchange++ plus 0,60 Prozent plus 0,11 Euro je Transaktion. Bei einem Kartenmix mit viel girocard und EWR-Debitkarten ist das günstig; die Monatsabrechnung ist dafür komplex.

Blended (Pauschalsatz): Ein Prozentsatz für fast alle Karten, zum Beispiel 1,39 Prozent bei SumUp inklusive girocard. Maximal planbar, aber der Anbieter kalkuliert den teuersten Fall ein. Wer überwiegend girocard kassiert, subventioniert die Kreditkartenkunden anderer Händler.

Abo-gestaffelt: Der Prozentsatz sinkt gegen eine Monatsgebühr. Lohnt sich ab einem bestimmten Umsatz, den man vorher ausrechnen muss.

Rechtlich ist Interchange++ der Normalfall: Die Interchange-Verordnung schreibt in Artikel 9 die Entbündelung vor, es sei denn, der Händler bittet schriftlich um Bündelung. Im Markt ist es umgekehrt.

Die fixen Positionen, die niemand bewirbt

Position Übliche Größenordnung
Transaktionsentgelt je Buchung 7 bis 11 Cent
Terminalmiete 10 bis 30 Euro monatlich
Servicepauschale / Netzbetrieb 5 bis 15 Euro monatlich
Einrichtung / Aktivierung 25 bis 100 Euro einmalig
Sammelkonto-Entgelt bis 4 Cent je girocard-Transaktion
Stabilitäts- oder Preisanpassungszuschlag einmalig, zum Beispiel 27,50 Euro
Rückbuchungsgebühr 20 Euro je Chargeback bei Stripe
Mindestrechnungsbetrag anbieterabhängig, oft nicht beziffert

Warum das Transaktionsentgelt bei kleinen Bons alles entscheidet

Neun Cent je Buchung sind:

  • bei einem Bon von 5 Euro: 1,8 Prozent
  • bei 20 Euro: 0,45 Prozent
  • bei 100 Euro: 0,09 Prozent

Für Bäckereien, Kioske, Cafés und Friseure ist das fixe Entgelt deshalb oft teurer als das gesamte Disagio. Umgekehrt ist ein reines Prozentmodell ohne Fixbetrag für Kleinbeträge günstig und für hohe Bons teuer. Die einzig sinnvolle Vergleichsrechnung braucht drei Eingaben: durchschnittlicher Bonwert, Monatsumsatz, Anteil girocard am Kartenmix.

Warum fallen Kartengebühren je Branche so verschieden aus?

Nicht weil Anbieter Branchen unterschiedlich behandeln, sondern weil drei Größen je Branche auseinanderliegen: der Bonwert, der Kartenmix und das Rückbuchungsrisiko. Der Bonwert wirkt am stärksten. Modellrechnung, Mischtarif 0,25 Prozent plus 9 Cent gegen Flatrate 1,39 Prozent; die Bonwerte sind angenommene Größenordnungen, allein die 37,25 Euro sind belegt:

Branche angenommener Bon Mischtarif effektiv Flatrate 1,39 %
Bäckerei, Kiosk 4,00 € 10,0 Cent 2,50 % 5,6 Cent
Imbiss, Café 12,00 € 12,0 Cent 1,00 % 16,7 Cent
Einzelhandel (girocard-Schnitt 2025) 37,25 € 18,3 Cent 0,49 % 51,8 Cent
Restaurant 60,00 € 24,0 Cent 0,40 % 83,4 Cent
Möbel, Elektro, Werkstatt 300,00 € 84,0 Cent 0,28 % 4,17 €

Der Kipppunkt zwischen beiden Modellen liegt bei knapp 8 Euro Bonwert: Darunter gewinnt die Flatrate, darüber der Mischtarif — unabhängig davon, wie gut jemand verhandelt hat. Dazu kommt der Kartenmix: Hotel und Gastronomie sehen mehr Kredit- und Auslandskarten als eine Bäckerei, und genau dort greift die fehlende Deckelung bei Firmen- und Nicht-EWR-Karten. In rückbuchungsanfälligen Branchen schlägt der Acquirer zusätzlich Risiko auf. Wer nach Kartengebühren nach Branche sucht, sucht in Wahrheit nach seinem eigenen Bonwert.

Miete oder Kauf

Ein Mietgerät für 12,90 Euro im Monat kostet über 48 Monate 619,20 Euro, ein Kaufgerät 100 bis 200 Euro. Die Miete kauft Service, Austausch und aktuelle Zertifizierung, nicht Hardware. Das ist ein legitimer Preis, wenn der Vertrag den Austausch mit Frist garantiert. Vertragslaufzeiten reichen von null (SumUp, Zettle, myPOS) über zwölf Monate (CCV) bis zu 36 Monaten und mehr im klassischen Bankvertrieb.

Wer zahlt die Gebühren bei Kartenzahlung?

Der Händler, und zwar vollständig. Alle drei Empfänger aus der Tabelle oben werden über ein einziges Entgelt bezahlt, das Ihr Acquirer oder Netzbetreiber mit Ihnen abrechnet: Er reicht die Interchange an die Bank des Kunden und die Scheme Fee an das Kartensystem weiter und behält den Rest. Der Kunde zahlt am Terminal nichts. Was er seiner eigenen Bank für Karte, Konto oder Einsatz im Ausland zahlt, steht in seinem Vertrag und taucht in Ihrer Abrechnung nicht auf.

Weiterreichen dürfen Sie die Kosten nicht. § 270a BGB verbietet Zuschläge für die Zahlung mit Verbraucherkarten der Vier-Parteien-Systeme (girocard, Visa, Mastercard) sowie für SEPA-Überweisung und -Lastschrift (Wortlaut geprüft am 25.09.2026). Die Gebühr geht damit vollständig von Ihrer Marge ab. Bei einer Gastronomie-Marge im niedrigen einstelligen Bereich entscheidet der Unterschied zwischen 0,4 und 1,4 Prozent Disagio über einen spürbaren Teil des Gewinns.

Erlaubt bleibt die Steuerung in die andere Richtung: Nach § 675f Abs. 6 BGB darf Ihr Zahlungsdienstleister Ihnen nicht verbieten, für ein bestimmtes Zahlungsmittel einen Rabatt oder anderen Anreiz anzubieten. „Kartenzahlung ohne Gebühren“ gibt es für Händler deshalb nicht auf Dauer — wo kein Prozentsatz steht, steckt der Preis in Miete, Fixentgelt oder einer Aktion mit Enddatum.

Kartenzahlung ohne Gebühren — geht das?

Nein, nicht für die Karten Ihrer Kunden. Jede Kartenzahlung löst mindestens die Interchange und die Scheme Fee aus; ein Anbieter, der „0 Prozent“ wirbt, verzichtet entweder nur bei bestimmten Karten, nur befristet, oder er holt sich das Geld an anderer Stelle.

Die Varianten, die im Markt unter „ohne Gebühren“ laufen, und was dahintersteht:

Angebot was tatsächlich gebührenfrei ist wo der Preis steckt
„0 %“ bei SumUp nur Zahlungen mit einer SumUp-Karte, also einer Karte, die SumUp selbst ausgibt (Preisseite, abgerufen am 06.10.2026) alle anderen Karten kosten im Basistarif 1,39 %
Aktionstarif ohne Disagio ein Zeitraum oder ein Umsatzkontingent Preis ab Aktionsende, oft mit Laufzeit gekoppelt
Monatspauschale ohne Prozentsatz der Satz je Zahlung Grundgebühr, die bei wenig Umsatz teuer wird
Aufschlag an den Kunden für Sie scheinbar alles im Verbrauchergeschäft bei girocard, Visa, Mastercard und SEPA verboten (§ 270a BGB)

Die erste Zeile ist die interessanteste, weil sie zeigt, wie das Modell funktioniert: Ist der Anbieter zugleich Acquirer und Herausgeber der Karte, bleibt die Interchange im eigenen Haus. Für Ihre Kundschaft spielt das kaum eine Rolle, denn wer zahlt schon mit einer SumUp-Geschäftskarte beim Bäcker. Für Sie zählt der Satz in der zweiten Spalte jeder anderen Zeile.

Was erlaubt bleibt: Sie dürfen Barzahlern einen Rabatt geben oder eine Mindestsumme für Karten aushängen, soweit Ihr Akzeptanzvertrag das nicht ausschließt — einen Rabatt für ein bestimmtes Zahlungsmittel darf er Ihnen nach § 675f Abs. 6 BGB gar nicht verbieten. Ob sich das rechnet, ist eine andere Frage, denn Bargeld kostet ebenfalls: Zählen, Wechselgeld, Einzahlung, Versicherung. Die ehrliche Gegenrechnung steht im Ratgeber Bargeld oder Karte: was Bargeld den Händler wirklich kostet.

Was kosten SumUp, Zettle und myPOS im Vergleich?

Bei rein inländischen Verbraucherkarten liegen die drei Basistarife eng beieinander: 1,29 Prozent bei myPOS, 1,39 Prozent bei SumUp und Zettle, jeweils ohne Monatsgebühr. Der Unterschied steckt in den Abo-Tarifen, in der girocard-Annahme und in allem, was nicht auf der Preisseite steht.

Stand der Preisseiten am 06.10.2026, Vor-Ort-Zahlungen, Preise netto wie vom Anbieter angegeben:

Tarif Monatsgebühr inländische / EWR-Verbraucherkarten Premium-, Auslands-, Amex-Karten girocard
SumUp Standard 0 € 1,39 % 1,39 % ja
SumUp Zahlungen Plus 19 € (oder 199 € im Jahr) 0,79 % 1,39 % ja
Zettle (PayPal Point of Sale) 0 € 1,39 % 1,39 % nicht in der Zahlartenliste
myPOS One 0 € 1,29 % 2,69 % ja
myPOS Plus 19 € 0,89 % 2,49 % ja
myPOS Pro 39 € 0,79 % 2,49 % ja

Quellen: sumup.com/de-de/kosten, zettle.com/de/kosten und die Zettle-Hilfeseite „Unterstützte Zahlungsarten“, mypos.com/de-de/pricing-and-fees, alle abgerufen am 06.10.2026. Die girocard-Spalte bei SumUp stützt sich auf die Recherche vom 01.08.2026 (native girocard-Annahme seit August 2025). Zettle führt girocard in keiner der beiden offiziellen Aufzählungen; Kunden mit einer reinen girocard ohne internationales Co-Badge können dort nicht zahlen.

Rechenbeispiel Café, alle Karten inländische Verbraucherkarten, ohne Gerätekosten. Der Bonwert spielt hier keine Rolle, weil keiner der sechs Tarife ein festes Entgelt je Zahlung berechnet:

Kartenumsatz pro Monat SumUp Standard SumUp Plus Zettle myPOS One myPOS Plus myPOS Pro
1.500 € 20,85 € 30,85 € 20,85 € 19,35 € 32,35 € 50,85 €
4.000 € 55,60 € 50,60 € 55,60 € 51,60 € 54,60 € 70,60 €
10.000 € 139,00 € 98,00 € 139,00 € 129,00 € 108,00 € 118,00 €

Die Kipppunkte lassen sich direkt ausrechnen: SumUp Plus schlägt den eigenen Basistarif ab 3.167 Euro Kartenumsatz im Monat, myPOS Plus den Tarif One ab 4.750 Euro, myPOS Pro den Tarif Plus erst ab 20.000 Euro. SumUp nennt ab 10.000 Euro Monatsumsatz individuelle Konditionen, Zettle bietet individuelle Tarife nach gesonderter Vereinbarung an; das ist der Punkt, ab dem ein Angebot mit getrennt ausgewiesenen Sätzen (Interchange++, siehe oben) ernsthaft in Frage kommt.

Drei Dinge gehören in den Vergleich, die keine Tabelle zeigt:

  • Kartenmix: Bei myPOS kosten Premium-, Firmen- und Auslandskarten 2,49 bis 2,69 Prozent, bei SumUp und Zettle 1,39 Prozent. Ein Hotel mit vielen ausländischen Gästen rechnet deshalb anders als ein Kiosk.
  • Geldfluss: Bei Zettle landet das Geld zuerst auf dem PayPal-Geschäftskonto, bei myPOS auf dem myPOS-Konto. Ob und was die Weiterleitung aufs eigene Bankkonto kostet, steht im jeweiligen Gebührenverzeichnis, nicht auf der Preisseite.
  • Rückbuchungen: SumUp und Zettle veröffentlichen ihre Chargeback-Gebühr nicht auf der Preisseite (Stand der Recherche 01.08.2026). Fragen Sie vor dem Vertragsschluss danach.

Die günstigste Alternative zu SumUp oder Zettle gibt es deshalb nicht pauschal: Bei kleinem Umsatz und inländischen Karten ist es nach diesen Preislisten myPOS One, ab rund 3.800 Euro Monatsumsatz SumUp Plus, ab fünfstelligen Monatsumsätzen ein klassischer Vertrag mit getrennten Sätzen für girocard und Kreditkarte.

Kann man Kartengebühren verhandeln?

Ja, aber nur den Teil, der bei Ihrem Anbieter bleibt. Interchange und Scheme Fee sind für jeden Acquirer gleich hoch; Disagio verhandeln heißt in der Praxis, die Marge und die Fixpositionen verhandeln.

Position verhandelbar? womit Sie argumentieren
Interchange nein, gedeckelt oder vom System gesetzt —
Scheme Fee nein —
Marge im Prozentsatz ja Monatsumsatz, Kartenmix, Vergleichsangebot
Transaktionsentgelt ja Zahl der Buchungen, niedriger Bonwert
Terminalmiete, Servicepauschale ja Kaufgerät als Alternative
Einrichtung ja, oft vollständig Laufzeit
Laufzeit, Preisanpassungsklausel ja Tauschware gegen bessere Sätze

Zwei Artikel der Interchange-Verordnung geben Ihnen das Material dafür (Wortlaut geprüft am 28.09.2026 im Volltext bei freirecht.de, EUR-Lex war per Bot-Sperre nicht abrufbar):

  • Artikel 9: Der Acquirer muss Händlerentgelte je Kartenart und -marke aufgeschlüsselt anbieten und abrechnen, und der Vertrag muss Händlerentgelt, Interbankenentgelt und Entgelt des Kartenzahlverfahrens getrennt nennen — es sei denn, Sie haben schriftlich um Bündelung gebeten. Steht in Ihrem Vertrag nur ein Satz für alles, lohnt der Blick, ob Sie diese Bitte irgendwo mitunterschrieben haben.
  • Artikel 12: Nach jeder Kartenzahlung muss Ihr Zahlungsdienstleister Ihnen Betrag und Entgelte übermitteln, Händlerentgelt und Interbankenentgelt gesondert. Zusammengefasst werden darf das nur mit Ihrer ausdrücklichen Zustimmung; der Vertrag kann eine mindestens monatliche Bereitstellung vorsehen.

Aus diesen Daten ziehen Sie die drei Zahlen, die jede Verhandlung braucht: Kartenumsatz im Monat, Zahl der Buchungen und Anteil girocard. Mit ihnen holen Sie ein Vergleichsangebot ein, das dieselben Positionen ausweist, und legen es dem bisherigen Anbieter vor.

Was dabei herauskommen kann, zeigt eine Modellrechnung mit frei gewählten Zahlen, keine Zusage eines Anbieters: 20.000 Euro Kartenumsatz im Monat, Bon 25 Euro, also 800 Zahlungen, davon 8.000 Euro auf Kreditkarten.

Hebel Änderung Ersparnis pro Monat pro Jahr
Marge Kreditkarten minus 0,2 Prozentpunkte auf 8.000 € 16,00 € 192,00 €
Transaktionsentgelt 7 statt 9 Cent, 800 Buchungen 16,00 € 192,00 €
Terminalmiete 12,90 statt 19,90 € 7,00 € 84,00 €
zusammen 39,00 € 468,00 €

Die zwei Cent am Transaktionsentgelt bringen bei diesem Bonwert so viel wie zwei Zehntelpunkte Marge. Wer nur über den Prozentsatz verhandelt, lässt die Hälfte liegen — bei kleineren Bons mehr.

Checkliste vor der Unterschrift

  1. Alle Positionen der Tabelle oben schriftlich, mit Betrag oder „entfällt“.
  2. girocard getrennt von Kreditkarten ausgewiesen.
  3. Laufzeit, Verlängerung, Kündigungsfrist.
  4. Austauschfrist für defekte Terminals.
  5. Preisanpassungsklauseln: Wer darf wann erhöhen?
  6. Bei bestehendem Vertrag: Aufschlüsselung nach Artikel 9 prüfen, Einzelangaben nach Artikel 12 als Monatsdatei anfordern, dann mit Vergleichsangebot nachverhandeln.

Häufige Fragen

Was kostet Kartenzahlung für Händler?

Typisch sind ein prozentuales Disagio je Kartenart (girocard oft 0,2 bis 0,3 Prozent, Kreditkarten um 1 bis 1,5 Prozent oder mehr), ein fixes Transaktionsentgelt von 7 bis 11 Cent, Terminalmiete von 10 bis 30 Euro monatlich, eine Servicepauschale von 5 bis 15 Euro sowie einmalige Einrichtungskosten. Flatrate-Anbieter berechnen stattdessen etwa 1,39 Prozent auf alles ohne Fixkosten.

Wie viel Prozent der Kartengebühr geht an wen?

Bei einer Verbraucher-Kreditkarte aus dem EWR sind 0,3 Prozent Interchange für die kartenausgebende Bank gesetzlich gedeckelt (Verordnung (EU) 2015/751, Artikel 4); die Scheme Fee an Visa oder Mastercard liegt nach Branchenangaben bei 0,1 bis 0,2 Prozent des Kartenumsatzes. Alles, was Ihr vereinbarter Satz darüber hinausgeht, ist die Marge des Acquirers oder Netzbetreibers — der einzige verhandelbare Teil.

Quellen

Redaktion: KI-gestützt recherchiert und vorformuliert; Auswahl, Einordnung und Zitat prüft und verantwortet Pedram Dadgar. Korrekturen werden mit Datum vermerkt. Mehr zur Arbeitsweise

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