Welches Kartenterminal? Fünf Bauformen und die Frage, die wichtiger ist als der Hersteller
Stationär, mobil, SmartPOS, PIN-Pad, unbedient: Die Hardware ist bei fast allen Netzbetreibern dieselbe. Was die Bauformen unterscheidet, worauf bei Zertifizierung und Plattform zu achten ist und wann Tap to Pay auf dem Smartphone reicht.
Die kurze Antwort
Fast jeder Netzbetreiber in Deutschland und Österreich verkauft dieselbe Hardware unter eigenem Namen: Ein „SmartPOS A77" ist ein PAX A77, ein „Desk 5000" ein Ingenico, ein „Base Next" ein CCV. Die Wahl des Anbieters entscheidet sich deshalb nicht am Gerät, sondern an Konditionen, Service und Kassenanbindung. Die Wahl der Bauform entscheidet sich am Arbeitsplatz.
Die fünf Bauformen
Stationär: Kabelgebunden an Strom und Netzwerk, kein Akku, meist mit Drucker. Für die feste Kasse im Handel und in der Gastronomie am Tresen. Robust, günstig, aber unbeweglich.
Mobil: Akku, LTE oder WLAN, Drucker. Für Bedienung am Tisch, Lieferdienst, Handwerker, Marktstand. Akkulaufzeit und Mobilfunkabdeckung sind die Praxisfragen.
SmartPOS: Android-Terminal mit Touchscreen, Kamera und Apps (PAX A-Serie, Ingenico AXIUM, Verifone Victa und T650, SUNMI P3, Castles Saturn). Kann Kasse, Trinkgeld, Gutschein, Bestellung und Zahlung in einem Gerät abbilden. Ist die Generation, in die alle Hersteller investieren.
PIN-Pad: Kein Drucker, hängt an der Kasse, die Kasse steuert den Vorgang. Für Filialisten und alle mit Kassensoftware, die den Beleg selbst druckt.
Unbedient: Für Automaten, Parkhäuser, Ladesäulen, Waschanlagen. Wetterfest (IP65), vandalismusgeschützt, ohne Bedienpersonal.
Der Generationswechsel
Die klassischen Linux-Terminals (Ingenico TETRA-Reihe Desk/Move/Lane, Verifone Engage) werden von Android-SmartPOS abgelöst. Für Ingenico Desk/3500 und Desk/5000 gibt es bereits End-of-Life-Ankündigungen. Wer heute ein Gerät für vier Jahre mietet, sollte auf die neue Plattform setzen, sonst läuft der Vertrag länger als der Support.
Beim Sicherheitsstandard ist PCI PTS 6.x der Marktstandard, PCI PTS 7.x kommt an; der PAX A77 wirbt als erstes Terminal mit der Version 7. Geräte mit älterer Zertifizierung dürfen weiterbetrieben werden, aber irgendwann nicht mehr neu aufgestellt.
Tap to Pay: wann das Smartphone reicht
Seit dem 25. Juni 2024 nimmt ein iPhone in Deutschland Kartenzahlungen ohne Zusatzgerät an, seit Oktober 2024 auch in Österreich; Payone, Nexi, die Sparkassen-Finanzgruppe und Worldline sind als Anbieter gelistet. Für Android gibt es entsprechende Lösungen.
Der deutsche Sonderfall ist die girocard: Zahlungen über 50 Euro brauchen eine PIN, und die PIN-Eingabe auf einem normalen Smartphone-Display ist sicherheitstechnisch heikel. CCV hat als erster Anbieter mit Pilotzulassung der Deutschen Kreditwirtschaft girocard-Zahlungen über 50 Euro mit PIN auf einem Standard-Smartphone umgesetzt.
Tap to Pay passt für Dienstleister mit wenigen Zahlungen am Tag, Marktstände, Handwerker und als Ersatzgerät. Für eine Kasse mit hundert Buchungen am Tag ist ein dediziertes Terminal schneller und robuster.
Woran man bei der Entscheidung wirklich denken sollte
- Welche Kasse läuft im Betrieb, und ist das Terminal dafür freigegeben (ZVT-, OPI- oder Cloud-Schnittstelle)?
- Android-Plattform und PCI PTS 6.x oder höher.
- Austauschfrist bei Defekt im Vertrag, nicht nur „Support".
- Bei Miete: Laufzeit kürzer oder gleich der erwarteten Nutzungsdauer der Gerätegeneration.
- Der Hersteller ist zweitrangig, solange er nicht gerade restrukturiert.