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Ratgeber VertriebVertrieb

Preisverhandlung ohne Rabatt: Wer nachlässt, muss etwas dafür bekommen

Wie man im B2B-Vertrieb über den Preis verhandelt, ohne ihn herzugeben: eine Tauschliste statt Rabattspielraum, die typischen Einkäufer-Züge und passende Antworten, eine Rechnung, warum Laufzeit mehr wert ist als Prozente — und eine Handlungsliste für Verkäufer und Vertriebsleiter.

Die kurze Antwort

Preisverhandlung ohne Rabatt heißt nicht, stur zu bleiben. Es heißt, nie etwas herzugeben, ohne etwas zurückzubekommen. Der Preis bleibt stehen, bewegt wird das Paket: Laufzeit, Umfang, Zahlungsweise, Starttermin, Referenz. Dafür braucht man drei Dinge, bevor das Gespräch beginnt: eine Untergrenze, unter die man nicht geht, eine Tauschliste mit Positionen, die dem Kunden etwas wert sind und einem selbst wenig kosten, und den Satz „Das geht, wenn …“. Wer ohne diese drei Dinge verhandelt, verhandelt nicht, sondern reagiert.

Warum das so viel Geld ausmacht, hat eine eigene Meldung vorgerechnet: Fünf Prozent Rabatt kosten bei 30 Prozent Deckungsbeitragsmarge ein Sechstel der Marge. Hier geht es um das Handwerk — wie man das Gespräch so führt, dass es gar nicht erst zu diesen fünf Prozent kommt.

Vor dem Gespräch: Untergrenze, Zielpreis, Tauschliste

Die meisten Rabatte entstehen nicht aus Schwäche, sondern aus fehlender Vorbereitung. Ich habe Verkäufer erlebt, die im Gespräch rechneten, ob drei Prozent „noch gehen“ — und die Antwort war immer ja, weil niemand vorher definiert hatte, was „gehen“ heißt. Drei Zahlen gehören auf ein Blatt, bevor man den Raum betritt:

  1. Der Angebotspreis — mit Begründung, nicht als Verhandlungsmasse aufgebläht. Ein künstlich hoher Einstieg, der dann „großzügig“ gesenkt wird, fällt Einkäufern auf und kostet Glaubwürdigkeit für jedes spätere Angebot.
  2. Der Zielpreis — was man realistisch erreichen will.
  3. Die Untergrenze — darunter wird das Geschäft abgelehnt. Diese Zahl ist nicht verhandelbar, und sie steht fest, bevor der Kunde etwas gesagt hat.

Dazu kommt die Tauschliste. Das ist die eigentliche Arbeit, und sie lohnt sich, weil man sie einmal pro Produkt schreibt und dann jahrelang verwendet.

Die Tauschliste: was man statt Rabatt anbieten kann

Jede Position auf dieser Liste hat zwei Werte: was sie dem Kunden bringt und was sie einen selbst kostet. Gut sind die Positionen, bei denen der erste Wert hoch und der zweite niedrig ist. Beispiele aus dem Dienstleistungs- und Payment-Vertrieb, nicht vollständig und für jedes Geschäft neu zu bewerten:

Kunde will Man bietet oder fordert im Tausch Warum der Tausch trägt
Niedrigeren Monatspreis Längere Laufzeit Mehr Deckungsbeitrag über die Vertragsdauer, planbarer Umsatz
Rabatt auf die Einrichtung Vorauszahlung oder Jahreszahlung Liquidität und weniger Mahnaufwand
„Noch etwas drauf“ Zweiter Standort, zweites Gerät, zusätzliches Modul Größerer Auftrag statt kleinerer Preis
Sonderkondition Referenz, Fallstudie, Besuchstermin für Interessenten Vertriebswert, der sonst Geld kostet
Preisnachlass „wegen Wettbewerb“ Früherer Start, fester Termin für die Unterschrift Weniger Nachfassaufwand, kürzerer Zyklus
Mehr Service Kostenpflichtiges Servicepaket mit klarer Leistung Macht Zusatzleistung sichtbar statt sie zu verschenken

Wichtig ist die Formulierung. Nicht: „Ich kann Ihnen drei Prozent geben.“ Sondern: „Das geht, wenn wir die Laufzeit auf 36 Monate setzen.“ Die Bedingung steht vorne, das Zugeständnis hinten. Wer die Reihenfolge umdreht, hat das Zugeständnis schon gemacht, bevor die Gegenleistung verhandelt ist.

Die Rechnung: warum Laufzeit mehr wert ist als Prozente

Eine Beispielrechnung mit frei gewählten Zahlen, keine Kundendaten: Ein Vertrag bringt 200 Euro Deckungsbeitrag im Monat. Der Kunde fordert fünf Prozent Nachlass auf den Monatspreis von 500 Euro, also 25 Euro weniger — der Deckungsbeitrag sinkt auf 175 Euro.

Variante Laufzeit Deckungsbeitrag pro Monat Deckungsbeitrag gesamt
Ursprungsangebot 24 Monate 200 € 4.800 €
Rabatt ohne Gegenleistung 24 Monate 175 € 4.200 €
Rabatt gegen Laufzeit 36 Monate 175 € 6.300 €

Der Rabatt ohne Gegenleistung kostet 600 Euro. Derselbe Rabatt gegen zwölf Monate mehr Laufzeit bringt 1.500 Euro mehr als das Ursprungsangebot. Der Kunde hat in beiden Fällen seinen Nachlass bekommen. Der Unterschied liegt allein darin, ob man etwas dafür verlangt hat. Die Rechnung setzt natürlich voraus, dass der Kunde die längere Laufzeit auch hält — deshalb gehört dieser Tausch zu Kunden, bei denen man sich des Nutzens sicher ist.

Die typischen Einkäufer-Züge — und was darauf funktioniert

Professionelle Einkäufer verhandeln öfter als die meisten Verkäufer. Ihre Züge sind bekannt, und sie sind nicht unfair; sie testen, ob Spielraum existiert. Man muss sie nur erkennen.

  • „Da müssen Sie noch was machen.“ Keine Zahl, kein Grund — ein Test. Antwort: „Was genau passt für Sie noch nicht?“ Danach schweigen.
  • „Der Wettbewerber liegt 15 Prozent darunter.“ Antwort: „Dann lassen Sie uns die beiden Angebote nebeneinanderlegen — Laufzeit, Leistung, Service.“ Wie dieser Vergleich läuft, steht im Beitrag zum Einwand „zu teuer“.
  • Die Salamitaktik: Erst der Preis, dann die Einrichtung, dann die Zahlungsfrist, dann „nur noch“ die Schulung. Antwort: „Lassen Sie uns alle offenen Punkte auf den Tisch legen, dann schauen wir uns das Paket als Ganzes an.“ Wer einzeln verhandelt, verliert einzeln.
  • „Mein Chef gibt das so nicht frei.“ Antwort: „Was müsste drinstehen, damit er es freigibt?“ Und, wenn möglich: das nächste Gespräch mit dem Chef gemeinsam.
  • Die Last-Minute-Forderung kurz vor der Unterschrift. Antwort: „Wenn wir das noch einmal aufmachen, müssen wir auch über die Laufzeit noch einmal reden.“ Die Forderung verschwindet dann meistens von selbst.

Rabattdisziplin ist eine Führungsaufgabe

Einzelne Verkäufer können diszipliniert verhandeln. Ob ein ganzer Vertrieb es tut, entscheidet das System. Zwei Hebel wirken, und beide liegen bei der Vertriebsleitung.

Erstens die Rabattkompetenz: ein kleiner eigener Spielraum, der nur gegen eine Position aus der Tauschliste eingesetzt werden darf, darüber eine Freigabe. Jeder Nachlass wird im CRM mit seiner Gegenleistung dokumentiert. Im Pipeline-Review fragt man nicht „Warum hast du Rabatt gegeben?“, sondern „Was haben wir dafür bekommen?“.

Zweitens die Vergütung. Solange Provision am Umsatz hängt, kostet ein Rabatt den Verkäufer fast nichts und bringt ihm den Abschluss schneller. Hängt sie am Deckungsbeitrag, rechnet jeder Verkäufer von selbst. Wie solche Modelle aussehen, steht im Beitrag zu Provisionsmodellen, die halten.

Handlungsliste

  1. Für jedes Hauptprodukt Angebotspreis, Zielpreis und Untergrenze festlegen — schriftlich, vor dem Gespräch.
  2. Eine Tauschliste schreiben: sechs bis acht Positionen mit Kundenwert und eigenen Kosten.
  3. Jede Forderung mit „Das geht, wenn …“ beantworten. Die Bedingung zuerst, das Zugeständnis danach.
  4. Auf unbestimmte Forderungen mit einer Frage reagieren, nie mit einer Zahl.
  5. Alle offenen Punkte bündeln, bevor über einen einzelnen verhandelt wird.
  6. Keinen künstlich hohen Einstiegspreis setzen. Ein Preis, der fällt, ist beim nächsten Mal keiner mehr.
  7. Jeden Nachlass mit Gegenleistung im CRM dokumentieren und im Pipeline-Review danach fragen.
  8. Provision an den Deckungsbeitrag koppeln, damit Rabatt auch den kostet, der ihn gibt.
  9. Unter der Untergrenze Nein sagen. Das verlorene Geschäft ist billiger als das gewonnene, das Geld kostet.
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