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Wero verlangt vom Händler eine Entscheidung und nennt ihm keinen Preis

In der zweiten Septemberwoche hat die European Payments Initiative einen neuen Gesellschafter, eine Großbank als Vertriebsweg und zehn Millionen deutsche Nutzer gemeldet. Ein Händlerentgelt hat in keiner dieser Mitteilungen gestanden.

In der zweiten Septemberwoche hat die europäische Bezahllösung Wero in drei Tagen mehr Substanz bekommen als in den zwölf Monaten davor: einen Zahlungsdienstleister als Gesellschafter, der ausdrücklich an die Ladenkasse will, eine Großbank, die ihren Firmenkunden in fünf Ländern die Akzeptanz freischaltet, und zehn Millionen registrierte Nutzer allein in Deutschland. In keiner dieser Mitteilungen steht, was ein Händler pro Transaktion zahlt. Das ist kein Detail, das nachgereicht wird. Es ist die einzige Zahl, über die ein Betrieb entscheidet — und solange sie fehlt, ist Wero am deutschen Point of Sale keine Bezahlart, sondern eine Absichtserklärung mit Logo.

Was in dieser Woche tatsächlich gemeldet wurde

Am 8. September 2026 hat die European Payments Initiative den französischen Zahlungsdienstleister HiPay als Principal Member aufgenommen. Der für Händler entscheidende Satz steht weit hinten in der Mitteilung: HiPay will zu den Ersten gehören, die Wero am Point of Sale ausrollen, und zwar über bestehende Kassensysteme, Kartenterminals und Tap to Pay. Genannt wird dafür Frankreich, nicht Deutschland.

Am 9. September hat BNP Paribas den Start von Wero for Merchants bekannt gegeben. Händlerkunden der Bank sollen Wero in Frankreich, Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg akzeptieren können; als erste große Marken werden Air France, Decathlon, Fnac Darty und Orange genannt. Auf der Roadmap stehen Filialzahlung, wiederkehrende Zahlungen, Loyalty-Anbindung und Zahlungen an Selbstständige. Fnac Darty hat den Auftritt am 11. September auf der eigenen Unternehmensseite bestätigt und den Start für Anfang 2027 angekündigt. Am 10. September meldete S-Payment zehn Millionen registrierte Wero-Nutzer in Deutschland und 60 Millionen in Europa.

Vier Meldungen, vier Wachstumssignale. Ein Händlerentgelt: in keiner. Eine Regel zum Käuferschutz bei Streitfällen: in keiner. Ein deutscher Acquirer oder Netzbetreiber, der einen Aufschalttermin für den stationären Handel nennt: in keiner.

Das beste Gegenargument, und warum es nicht reicht

Der stärkste Einwand lautet: So funktioniert Zahlungsverkehr nun einmal. Kein Verfahren veröffentlicht Händlerpreise, die entstehen beim Acquirer und werden individuell verhandelt. Und strukturell ist die Sache doch klar — eine Kontozahlung in Echtzeit kennt weder Interbankenentgelt noch Scheme Fee, sie muss billiger sein als die Karte. Wer jetzt auf eine Preisliste wartet, wartet sich aus dem Markt.

Der erste Teil stimmt, der Schluss nicht. In der Kartenwelt ist wenigstens ein Baustein öffentlich und rechtlich gedeckelt: Die Verordnung (EU) 2015/751 begrenzt das Interbankenentgelt bei Verbraucherkarten auf 0,2 Prozent bei Debit- und 0,3 Prozent bei Kreditkarten. Der Händler kann damit eine Untergrenze rechnen und erkennt, wenn sein Anbieter weit darüber liegt. Bei Wero gibt es keine einzige veröffentlichte Komponente, an der sich ein Angebot messen ließe. Wer ohne Vergleichsmaßstab verhandelt, verhandelt nicht.

Der zweite Irrtum steckt im Wort „strukturell". Was ein Verfahren in der Abwicklung kostet, sagt nichts darüber, was es im Checkout kostet. Die SEPA-Überweisung ist für Banken seit Jahren nahezu kostenlos, und trotzdem ist keine Lastschrift- oder Kontozahlung beim Zahlungsdienstleister umsonst zu haben. Der Preis entsteht dort, wo die Marge verteidigt wird, nicht dort, wo die Technik billig ist.

Und das Risiko ist nicht theoretisch. Das letzte deutsche Kontoverfahren mit genau diesem Versprechen hieß giropay. Es wurde Ende 2024 eingestellt, und jeder Händler, der es im Checkout hatte, musste es wieder herausnehmen. Wero ist die bessere Konstruktion, weil die Banken diesmal europäisch antreten. Aber ein Händler, der zweimal integriert hat, hört sich Ankündigungen anders an als eine Pressestelle.

Was das für Händler und für meine eigene Zunft heißt

Für den Onlinehandel ist die Antwort einfach, und sie lautet nicht „abwarten". Wero ist dort verfügbar, die meisten Zahlungsdienstleister liefern die Zahlart mit, der Test kostet wenig. Wer ihn macht, hat in sechs Monaten das, was gerade niemandem vorliegt: eigene Zahlen zu Konversion und Kosten gegen PayPal und Lastschrift. Genau diese Zahlen sind später das einzige belastbare Argument in der Preisverhandlung über den stationären Einsatz. Wer bis dahin wartet, verhandelt über ein Gefühl.

Stationär gilt das Gegenteil. Es gibt derzeit keinen sachlichen Grund, Hardware mit der Begründung Wero zu tauschen. Was es gibt, ist ein Vertragsproblem: Wer heute 48 oder 60 Monate unterschreibt, entscheidet damit über 2027 und 2028 mit. Deshalb gehören zwei Sätze schriftlich in jede Verlängerung — ob der Netzbetreiber Wero aufschalten wird, und ob das eigene Gerät dafür ein Software-Update bekommt oder ausgetauscht werden muss. Wer darauf mündlich antwortet, hat nicht geantwortet.

Dazu kommt ein Punkt, den die Ankündigungen konsequent auslassen: Eine Kontozahlung in Echtzeit ist endgültig. Das ist für den Händler zunächst gut, Geld ist da und keine Rückbelastung droht. Es heißt aber auch, dass es keine eingespielte Streitfallbearbeitung der Kartensysteme gibt, die man nutzen könnte. Der Käuferschutz wird nach EPI-Angaben stufenweise bis 2028 eingeführt. Bis dahin liegt der Reklamationsprozess vollständig im eigenen Haus, und er kostet Personal.

Ich verkaufe selbst Terminals und Netzbetrieb und verdiene daran, dass Betriebe neue Verfahren annehmen. Gerade deshalb sage ich es in Richtung meiner eigenen Branche: „Wero-ready" ist im Herbst 2026 kein Verkaufsargument. Solange kein deutscher Acquirer einen Termin und kein Anbieter ein Entgelt nennt, ist es ein Versprechen ohne Deckung — und wir haben im Terminalvertrieb schon ein Versprechen zu viel im Umlauf.

Was ich fordere

Von EPI und den Trägerbanken erwarte ich vor dem nächsten POS-Termin ein veröffentlichtes Entgeltmodell. Nicht jeden Einzelpreis, den verhandelt der Acquirer. Aber die Struktur: Was ist fix, was ist volumenabhängig, was kostet eine Rückabwicklung. Die Kartensysteme leben seit Jahrzehnten damit, dass ihre regulierten Bausteine öffentlich sind. Ein Verfahren, das sich als europäische Alternative anbietet, kann nicht weniger Transparenz bieten als das, was es ablösen will.

Von Acquirern und Netzbetreibern, meiner eigenen Zunft, erwarte ich, dass die Aufschaltzusage in den Vertrag wandert und nicht in den Prospekt. Von den Handelsverbänden erwarte ich, dass sie Konditionstransparenz zur Bedingung ihrer Unterstützung machen, statt Wero pauschal als europäische Rettung zu begrüßen. Und vom Gesetzgeber: Wenn die Eckpunkte zur Kartenzahlungspflicht mindestens ein europäisches Verfahren verlangen, dann darf dieses Verfahren nicht das einzige sein, dessen Preis der Händler nicht nachlesen kann. Eine Pflicht ohne Preisangabe ist eine Einladung an jeden, der sie ausnutzen will.

Zehn Millionen Nutzer sind eine echte Zahl, und Wero ist der ernsthafteste europäische Versuch seit zwanzig Jahren. Aber Reichweite ist kein Angebot. Solange der Händler die Bezahlart nicht durchrechnen kann, entscheidet er nicht über ein Zahlungsmittel, sondern über einen Vertrauensvorschuss — und den sollte er sich bezahlen lassen, nicht selbst bezahlen.

Quellen

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