EZB-Umfrage: Verbraucher planen 3,6 Prozent mehr Ausgaben bei 1,0 Prozent mehr Einkommen
Die EZB hat am 18. September 2026 die Consumer Expectations Survey für August veröffentlicht. Die Verbraucher im Euroraum erwarten für die kommenden zwölf Monate 3,6 Prozent höhere nominale Ausgaben, aber nur 1,0 Prozent mehr Einkommen. Die Inflationserwartung auf Jahressicht steigt auf 3,0 Prozent.
Was ist passiert
Die Europäische Zentralbank hat am 18. September 2026 die Ergebnisse ihrer Consumer Expectations Survey für den Monat August veröffentlicht. Befragt wurden vom 6. bis 24. August 2026 rund 19.000 Erwachsene in elf Ländern des Euroraums, darunter Deutschland und Österreich. Die Inflationserwartungen sind auf allen abgefragten Horizonten gestiegen: auf Sicht von zwölf Monaten im Median auf 3,0 Prozent nach 2,9 Prozent im Juli, auf drei Jahre auf 2,9 nach 2,7 Prozent, auf fünf Jahre auf 2,5 nach 2,4 Prozent. Die wahrgenommene Inflation der vergangenen zwölf Monate blieb unverändert bei 3,5 Prozent. Für die Händlerseite sind zwei andere Werte aussagekräftiger: Die Befragten erwarten für die kommenden zwölf Monate ein nominales Ausgabenwachstum von 3,6 Prozent, ihr nominales Einkommen sehen sie dagegen nur um 1,0 Prozent steigen — beide Werte unverändert gegenüber Juli. Die wahrgenommenen eigenen Ausgabensteigerungen der letzten zwölf Monate zogen von 5,1 auf 5,2 Prozent an. Beim Wirtschaftswachstum bleibt die Erwartung bei minus 1,2 Prozent, die erwartete Arbeitslosenquote sank von 11,2 auf 11,0 Prozent.
Wen es trifft
Einzelhandel und Gastronomie, die ihre Kalkulation für das Weihnachtsgeschäft gerade festklopfen — und jeden Betrieb, dessen Zahlungskosten pro Transaktion und nicht nur prozentual anfallen.
Einordnung
Zwischen 3,6 Prozent erwarteten Ausgaben und 1,0 Prozent erwartetem Einkommen liegen 2,6 Prozentpunkte, und diese Lücke ist keine Kauflaune. Sie ist die Erwartung, für dasselbe Leben mehr bezahlen zu müssen. Verbraucher, die so rechnen, kaufen nicht weniger oft ein, sondern kleiner und häufiger: Sie schieben Vorratskäufe, verteilen den Wocheneinkauf und lassen Zusatzkäufe weg. Genau dieses Muster steht in den deutschen Kassendaten. Die girocard-Zahlen für das erste Halbjahr 2026, veröffentlicht am 25. August 2026, weisen 4,21 Milliarden Transaktionen aus, ein Plus von 4 Prozent, bei einem Umsatz von 151,9 Milliarden Euro und nur 0,8 Prozent Wachstum. Der Durchschnittsbon fiel von 37,28 auf 36,12 Euro — nominal, in einem Jahr mit 3,5 Prozent wahrgenommener Inflation.
Für Händler ist das die unangenehmste Kombination, die es gibt: mehr Buchungen bei stagnierendem Umsatz. Denn jede einzelne Zahlung kostet dasselbe, egal ob der Bon 36 oder 45 Euro beträgt. Wer ein Transaktionsentgelt in Cent zahlt, trägt das Mengenwachstum voll, ohne dass Umsatz gegenübersteht. Wer ausschließlich prozentual abrechnet, kommt bei kleinen Bons oft günstiger weg — aber nur, wenn keine Mindestbeträge je Buchung im Vertrag stehen. Deshalb ist die richtige Reaktion auf diese EZB-Zahlen keine Preisrunde, sondern ein Blick in die eigene Abrechnung: Welcher Teil der Zahlungskosten wächst mit dem Umsatz, welcher mit der Stückzahl? Diese Frage stellt sich in einem Jahr mit sinkendem Bon anders als in einem mit steigendem.
Was jetzt zu tun ist
- Durchschnittsbon der letzten zwölf Monate gegen den des Vorjahres stellen. Sinkt er nominal, wächst die Zahl der Transaktionen schneller als der Umsatz — und damit alles, was pro Buchung berechnet wird.
- In der Terminalabrechnung die Fixbestandteile je Transaktion isolieren und auf die erwartete Stückzahl des vierten Quartals hochrechnen, nicht auf den Umsatz.
- Kleinbetragsgrenzen prüfen: Mindestbeträge für Kartenzahlung an der Kasse sind bei sinkendem Bon ein Umsatzrisiko, weil sie genau die Einkäufe abweisen, die häufiger werden.