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Ratgeber PaymentKosten & Gebühren

Bargeld oder Karte: was Bargeld den Händler wirklich kostet

Bargeld gilt als das kostenlose Zahlungsmittel, weil ihm keine Gebührenabrechnung beiliegt. Die Bundesbank hat nachgemessen: je Zahlung ist Bargeld tatsächlich am günstigsten, im Verhältnis zum Umsatz kostet es fast dreimal so viel wie die girocard. Mit den Kostenbausteinen beider Seiten, den Bankentgelten fürs Einzahlen und der Rechnung je Bonwert.

Die kurze Antwort

Je Zahlung ist Bargeld das günstigste Zahlungsmittel im deutschen Einzelhandel — 43 Cent gegenüber 60 Cent bei der girocard. Im Verhältnis zum Umsatz kehrt sich das Bild um: Dort kostet Bargeld 2,3 Prozent und die girocard 0,8 Prozent, Kreditkarten 2,4 Prozent (Bundesbank-Studie „Kosten von Zahlungsmitteln im Einzelhandel“, Stand Dezember 2025). Beide Sätze sind richtig. Der Unterschied entsteht nicht an der Kasse, sondern nach Ladenschluss.

Zwei Kennzahlen, zwei Sieger — und warum das kein Widerspruch ist

Die Bundesbank hat für diese Studie rund 13.000 Bezahlvorgänge an 15 Verkaufsstellen gestoppt und 268 Handelsunternehmen befragt. Herausgekommen ist die einzige belastbare Vollkostenrechnung, die es für den deutschen Markt gibt — Gebühren, Geräte, Versicherung und Zeit in einer Tabelle:

Kostenbaustein je Zahlung Bargeld girocard Visa/Mastercard Debit Kreditkarten
Allgemeine Gerätekosten 0,07 € 0,07 € 0,07 € 0,07 €
Zahlungsmittelspezifische Gerätekosten 0,02 € 0,06 € 0,03 € 0,10 €
Transaktionsgebühren (bei Bargeld: Ver- und Entsorgung) 0,08 € 0,18 € 0,28 € 0,48 €
Versicherung und Verlust 0,01 € 0,00 € 0,00 € 0,00 €
Zeitaufwand 0,26 € 0,30 € 0,31 € 0,35 €
Gesamt je Zahlung 0,43 € 0,60 € 0,69 € 1,00 €
Gesamt in Prozent vom Umsatz 2,3 % 0,8 % 2,1 % 2,4 %

Zwei Dinge stehen hier zwischen den Zeilen. Erstens: Der Abstand zwischen Bargeld und girocard beträgt 17 Cent je Zahlung — deutlich weniger, als die übliche Gebührendiskussion vermuten lässt. Zweitens: Bei Bargeld sind 26 der 43 Cent Zeit, bei Karten sind Gebühren der größte Block. Dass Bargeld im Umsatzvergleich trotzdem so schlecht dasteht, liegt am Bon: Der mittlere Betrag einer Barzahlung liegt bei 25,71 Euro, bei der girocard bei 41,67 Euro und bei Kreditkarten bei 44,44 Euro. Fixe Kosten auf einen kleinen Bon gerechnet ergeben einen großen Prozentsatz. Genau das ist der Mechanismus, den ich auch in den acht Kostenbausteinen eines Terminalvertrags beschreibe — er gilt für Bargeld ganz genauso.

Die Bargeldkosten stehen auf keiner Rechnung

An der Kasse ist Bargeld nicht der Bremsklotz, als der es gern dargestellt wird. Die Bundesbank hat gemessen: 18,7 Sekunden für eine Barzahlung, 15,2 Sekunden für eine kontaktlose Kartenzahlung ohne Authentifizierung, 23,3 Sekunden mit PIN oder Unterschrift, 25,7 Sekunden für die Karte zum Einstecken und 14,0 Sekunden für Smartphone oder Smartwatch. Bargeld liegt also im Mittelfeld und schlägt die klassische Kartenzahlung mit PIN.

Der Kostenblock entsteht woanders. Die Kassierzeit macht über alle Zahlungsmittel hinweg nur rund 30 Prozent der Zeitkosten aus — die übrigen 70 Prozent sind vor- und nachgelagerte Verwaltung. Beim Bargeld heißt das: Wechselgeld bestellen und zählen, Kassensturz, Kassenbericht, Differenzen suchen, Safebag packen, zur Bank fahren. Diese Arbeit taucht in keiner Abrechnung auf, weil sie von denselben Leuten nebenbei erledigt wird, die auch verkaufen. Sie ist trotzdem bezahlt.

Was die Bank fürs Bargeld nimmt

Der zweite unsichtbare Posten steht im Preis- und Leistungsverzeichnis der eigenen Bank, Abschnitt Kassengeschäfte. Zwei Beispiele, beide heute im Original nachgelesen:

Leistung Berliner Sparkasse, FirmenKonto (Stand 15.07.2026) Sparkasse Aachen (Fassung August 2026)
Einzahlung am Geldautomaten 2,00 € je Vorgang
Einzahlung an der mitarbeiterbedienten Kasse 4,00 € je Vorgang, fünf Freiposten im Monat
Münzgeld-Safebag 10,00 € je Vorgang 7,50 € je Hartgeldsack plus Buchungsposten, bis rund 50 Münzen kostenfrei
Wechselgeld 0,75 € je Münzrolle (Großabnahme 0,50 €)

Daraus wird schnell eine Summe. Modellrechnung mit frei gewählten Annahmen: Ein Betrieb zahlt an 25 Tagen im Monat am Geldautomaten ein und holt wöchentlich einen Münzgeld-Safebag. Das sind 25 × 2,00 Euro = 50 Euro im Monat und 52 × 10,00 Euro = 520 Euro im Jahr — zusammen rund 1.120 Euro jährlich, bevor eine einzige Minute Zählzeit gerechnet ist. Wer stattdessen am Schalter einzahlt, ist nach den fünf Freiposten bei 20 × 4,00 Euro = 80 Euro im Monat.

Bargeld wird teurer, je weniger davon bezahlt wird

Das ist der Befund, der in keiner Werbung steht — weder in der für Terminals noch in der fürs Bargeld. Gegenüber der Vorgängerstudie von 2019 sind die Kosten je Transaktion bei Bargeld und girocard um rund 80 Prozent gestiegen. Bei der Karte liegt das vor allem daran, dass viele kleine Händler neu dazugekommen sind und schlechtere Konditionen zahlen. Beim Bargeld nennt die Bundesbank einen anderen Grund: Der Transaktionsanteil sinkt, die Fixkosten verteilen sich auf weniger Zahlungen, und die Bargeldinfrastruktur wird dünner.

Die Richtung ist gemessen: 2025 wurden erstmals mehr Käufe unbar als bar bezahlt, der Baranteil lag bei 45 Prozent der Zahlungen und 23 Prozent des Umsatzes (Bundesbank, Zahlungsverhalten in Deutschland 2025, 17.06.2026). Für die Kalkulation heißt das: Die Kassenabrechnung dauert nicht halb so lang, nur weil halb so viel Bargeld drin liegt.

Betriebsgröße und Branche schlagen das Zahlungsmittel

Hier wird es für kleine Betriebe unangenehm ehrlich:

Betriebsgröße Bargeld je Zahlung girocard je Zahlung Bargeld in % vom Umsatz girocard in % vom Umsatz
1 bis 9 Beschäftigte 0,60 € 1,33 € 3,0 % 3,8 %
10 bis 49 Beschäftigte 0,56 € 0,64 € 2,5 % 1,8 %
50 und mehr Beschäftigte 0,33 € 0,29 € 1,8 % 0,3 %

Beim kleinsten Betrieb ist die girocard teurer als Bargeld — in beiden Kennzahlen. Das ist die Zahl, die in Verkaufsgesprächen nie fällt, und sie ist kein Argument gegen das Terminal: Die Spanne zwischen 3,8 und 0,3 Prozent entsteht bei ein und demselben Zahlungsmittel, also aus Konditionen, Volumen und Prozessen. Der Hebel liegt im Vertrag, nicht in der Zahlungsart. Ähnlich deutlich ist der Brancheneffekt: In der Gastronomie kostet Bargeld 3,6 Prozent und die girocard 3,1 Prozent vom Umsatz, im Einzelhandel im engeren Sinn 1,9 beziehungsweise 0,5 Prozent. Ursache ist wieder der Bon — bar durchschnittlich rund 12 Euro in der Gastronomie gegenüber 21 Euro im Einzelhandel.

Was das für einzelne Bonhöhen bedeutet, zeigt diese Übertragung der Durchschnittswerte auf feste Beträge (Modellrechnung, keine eigene Messung):

Bonwert Bargeld (0,43 €) girocard (0,60 €) Debit international (0,69 €) Kreditkarte (1,00 €)
5 € 8,6 % 12,0 % 13,8 % 20,0 %
12 € 3,6 % 5,0 % 5,8 % 8,3 %
25 € 1,7 % 2,4 % 2,8 % 4,0 %
45 € 1,0 % 1,3 % 1,5 % 2,2 %
90 € 0,5 % 0,7 % 0,8 % 1,1 %

Falschgeld, Kassendifferenz und die Pflichten, die nur Bargeld hat

Das Falschgeldrisiko ist statistisch klein und im Einzelfall ärgerlich: Im ersten Halbjahr 2026 stellte die Bundesbank rund 30.000 falsche Banknoten mit 1,75 Millionen Euro Nennwert fest, 4,3 Prozent weniger als im Halbjahr davor. Die 50-Euro-Note führt mit 14.222 Stück oder 47 Prozent, die Zahl falscher 100-Euro-Scheine stieg um 61 Prozent auf 5.043. Dazu kamen rund 64.900 falsche Münzen, 91 Prozent davon 2-Euro-Stücke (Bundesbank, 07.08.2026). Rechnerisch sind das sieben falsche Scheine je 10.000 Einwohner und Jahr. Wichtig ist die Rechtsfolge, nicht die Wahrscheinlichkeit: Falschgeld wird nicht ersetzt. Wer es annimmt, trägt den Schaden selbst und gibt den Schein bei der Polizei ab.

Dazu kommt eine Pflicht, die ausschließlich am Bargeld hängt: Nach § 146 Absatz 1 Satz 2 der Abgabenordnung sind Kasseneinnahmen und Kassenausgaben täglich festzuhalten. Kartenumsätze liefern ihren Nachweis mit der Abrechnung des Zahlungsdienstleisters gleich mit; die Barkasse muss jemand jeden Tag selbst nachweisen. Das ist keine Rechtsberatung für Ihren Einzelfall, sondern der Grund, warum die Verwaltungszeit beim Bargeld so hoch ausfällt.

Was ich einem Händler raten würde

  1. Zählzeit messen, nicht schätzen. Zwei Wochen lang Stoppuhr auf Kassensturz, Abrechnung, Wechselgeldbestellung und Bankfahrt — und mit dem eigenen Stundensatz bewerten, nicht mit dem Mindestlohn.
  2. Kontoauszug nach Bargeldposten durchsuchen. Einzahlungen, Safebags, Münzrollen, Buchungsposten: Jahressumme bilden. Diese Zahl kennt fast niemand, der über Disagio verhandelt.
  3. Das Preis- und Leistungsverzeichnis der eigenen Bank lesen, Abschnitt Kassengeschäfte, inklusive der Freiposten. Bei drei Einzahlungen pro Woche statt fünf ändert sich die Summe sofort.
  4. Den Durchschnittsbon je Zahlungsmittel aus der Kasse ziehen. Erst danach ist eine Prozentdiskussion sinnvoll, vorher ist sie Folklore.
  5. Den Terminalvertrag nach Transaktionsentgelt und Disagio getrennt prüfen — bei kleinen Bons entscheidet der Centbetrag, bei großen der Prozentsatz.
  6. Bargeldprozesse straffen statt Bargeld abschaffen. Eine Einzahlung statt drei, kleinerer Wechselgeldbestand, feste Abrechnungszeit: Das senkt genau den Block, der 60 Prozent der Bargeldkosten ausmacht.
  7. Die eigene Zahl gegen die Durchschnittswerte halten. Die Bundesbank misst den Markt, nicht Ihren Laden. Wenn Ihre Rechnung deutlich abweicht, liegt darin die eigentliche Information.

Quellen

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