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Ratgeber VertriebVertrieb

CRM, das Verkäufer wirklich nutzen: Weniger Felder, mehr Nutzen für den, der tippt

Warum CRM-Systeme im Vertrieb leer bleiben und wie man das ändert: fünf Pflichtfelder statt fünfzig, ein nächster Schritt mit Datum, Eintrag in unter einer Minute, Führung aus dem CRM statt über Excel — und was Betriebsrat und Aufbewahrungspflicht dazu sagen.

Die kurze Antwort

Ein CRM bleibt leer, wenn es nur nimmt und nichts gibt. Verkäufer pflegen, was ihnen am nächsten Tag hilft: eine Liste, wen sie heute anrufen, woran sie beim letzten Gespräch stehen geblieben sind, welches Angebot seit zehn Tagen offen liegt. Deshalb gilt: wenige Pflichtfelder, ein nächster Schritt mit Datum bei jeder Verkaufschance, ein Eintrag in unter einer Minute. Und die Führung muss konsequent sein: Was nicht im CRM steht, wird im Pipeline-Review nicht besprochen. Ich habe teure Systeme scheitern sehen und einfache funktionieren. Den Unterschied hat fast nie die Software gemacht.

Warum CRMs leer bleiben

Die Ursachen sind fast immer dieselben, und keine davon ist Faulheit.

Das System ist für den Bericht gebaut, nicht für den Verkäufer. Branche, Mitarbeiterzahl, Wettbewerber, Budget, Entscheidungsweg, Quelle — jedes Feld hatte einmal einen Befürworter. In Summe sitzt der Verkäufer nach einem Termin zehn Minuten vor einer Maske. Das macht er zweimal, dann schreibt er in sein Notizbuch.

Es gibt eine Schattenliste. Solange der Vertriebsleiter die Zahlen am Freitag per Excel oder Anruf abfragt, ist das CRM doppelte Arbeit. Und doppelte Arbeit wird eingespart.

Die Daten kommen als Kontrolle zurück, nie als Hilfe. Wenn der einzige Moment, in dem jemand ins CRM schaut, die Frage „Warum hast du diese Woche nur zwölf Anrufe?“ ist, lernt das Team schnell, was es eintragen sollte und was nicht.

Fünf Pflichtfelder, der Rest ist freiwillig

Eine Verkaufschance braucht fünf Angaben, um steuerbar zu sein. Die folgende Aufstellung ist ein Beispiel, keine Norm:

Feld Warum es Pflicht ist
Kunde und Ansprechpartner ohne das kein Anruf
Wert (geschätzt) ohne das keine Priorität
Phase ohne das keine Pipeline
Nächster Schritt ohne das kein Plan
Datum des nächsten Schritts ohne das keine Wiedervorlage

Das wichtigste Feld ist das letzte. Eine Verkaufschance ohne Datum für den nächsten Schritt ist keine Chance, sondern eine Erinnerung. Die Regel dazu lautet: Kein Datum, keine Chance. Wer keinen nächsten Schritt benennen kann, schließt den Eintrag als verloren oder setzt ihn auf „ruht“.

Jedes weitere Pflichtfeld muss eine Frage beantworten: Welche Entscheidung trifft jemand mit diesem Feld? Wenn niemand eine nennt, wird es optional oder gelöscht.

Phasen definiert man über beobachtbare Ereignisse, nicht über Gefühle. „Angebot versendet“ ist eine Phase, „Kunde ist interessiert“ ist keine. Wer die Phasen so schneidet, braucht im Review keine Diskussion über Wahrscheinlichkeiten.

Der Eintrag muss in unter einer Minute gehen

Die Zeit zwischen Gesprächsende und Eintrag entscheidet über die Datenqualität. Am besten wird im Auto auf dem Parkplatz eingetragen oder direkt nach dem Auflegen, nicht abends aus dem Gedächtnis. Das gelingt nur, wenn es schnell geht:

  • Mobil nutzbar, mit maximal zwei Bildschirmen bis zum gespeicherten Eintrag.
  • Sprachnotiz oder Diktat für den Freitext, die Felder nur zum Antippen.
  • Anrufe und Mails automatisch protokolliert, wo das System es kann und der Betriebsrat es mitträgt.
  • Eine Vorlage für den Gesprächsvermerk in drei Zeilen: „Stand: … / Offene Frage des Kunden: … / Nächster Schritt am …“

Ein guter Vermerk ist knapp und sachlich. Private Bemerkungen über Ansprechpartner gehören nicht hinein. Das ist eine Frage des Anstands, und die DSGVO verlangt es auch: Nach Art. 5 Abs. 1 lit. c dürfen personenbezogene Daten nur gespeichert werden, soweit sie für den Zweck notwendig sind.

Das CRM muss dem Verkäufer zuerst etwas geben

Die Frage, die Einführungsprojekte fast nie stellen: Was sieht der Verkäufer, wenn er morgens das System öffnet? Die Antwort sollte eine Tagesliste sein:

  1. Wiedervorlagen, die heute fällig sind.
  2. Angebote, die seit mehr als sieben Tagen ohne Reaktion offen sind. Wie man dort anruft, steht im Beitrag zum Nachfassen ohne zu nerven.
  3. Bestandskunden, deren letzter Kontakt länger zurückliegt als ihr Rhythmus vorsieht.

Wenn diese Liste stimmt, pflegt der Verkäufer das CRM aus Eigeninteresse. Sie stimmt nur, wenn er einträgt. Das ist der ganze Mechanismus.

Dazu kommt ein zweiter Nutzen, der oft unterschätzt wird: Bei Urlaub, Krankheit oder Gebietswechsel übernimmt ein Kollege die Kunden, ohne dass jemand von vorn anfängt. Für neue Verkäufer ist ein sauber gepflegtes CRM die halbe Einarbeitung (siehe Onboarding in 30 Tagen).

Führung aus dem CRM, nicht neben dem CRM

Die Verantwortung für die Nutzung liegt beim Vertriebsleiter, nicht beim Team. Drei Regeln haben sich bewährt:

Es gibt nur eine Quelle. Keine Excel-Abfrage, keine Zahlen auf Zuruf. Das Pipeline-Review läuft am Bildschirm im CRM.

Was nicht drinsteht, existiert nicht. Ein Satz wie „Ich habe da noch was Großes in Aussicht“ wird mit einer Gegenfrage beantwortet:

„Gut. Trag es heute ein, mit nächstem Schritt und Datum, dann schauen wir es uns nächste Woche gemeinsam an.“

Die Daten werden zur Hilfe benutzt, bevor sie zur Kontrolle benutzt werden. Die erste Frage im Einzelgespräch lautet nicht „Warum so wenige Termine?“, sondern:

„Bei welcher dieser drei Chancen hängst du fest, und was brauchst du von mir?“

Aktivitätszahlen aus dem CRM sind ein Frühindikator, kein Urteil. Wie man Aktivitäts- und Ergebnisziele trennt, steht im Beitrag zu Vertriebszielen.

Was rechtlich dazugehört

Zwei Punkte werden bei der Einführung regelmäßig vergessen.

Mitbestimmung. Wo ein Betriebsrat besteht, ist die Einführung und Anwendung technischer Einrichtungen, die dazu bestimmt sind, Verhalten oder Leistung der Arbeitnehmer zu überwachen, nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG mitbestimmungspflichtig. Das Bundesarbeitsgericht lässt dafür genügen, dass die Einrichtung objektiv geeignet ist, solche Informationen zu erheben und aufzuzeichnen. Auf die Absicht des Arbeitgebers kommt es nicht an. Es reicht auch, wenn die Daten manuell eingegeben und vom System weiterverwertet werden (BAG, 13. Dezember 2016, 1 ABR 7/15). Ein CRM, das Anrufe, Termine und Abschlüsse pro Verkäufer auswertet, fällt typischerweise darunter. Eine Betriebsvereinbarung, die Auswertungen und Zugriffsrechte regelt, ist deshalb kein Hindernis. Sie ist die Voraussetzung, dass das Team dem System traut.

Aufbewahrung. Nach § 257 HGB sind empfangene und versandte Handelsbriefe sechs Jahre aufzubewahren. Handelsbriefe sind Schriftstücke, die ein Handelsgeschäft betreffen, also etwa Angebote und Auftragsbestätigungen. Wer diese nur im CRM ablegt, muss klären, dass sie dort für diese Dauer lesbar bleiben. Das gilt auch bei einem Anbieterwechsel.

Handlungsliste

  1. Alle Pflichtfelder auflisten und für jedes die Entscheidung benennen, die es ermöglicht. Was keine Entscheidung trägt, wird optional.
  2. Fünf Pflichtfelder festlegen: Kunde, Wert, Phase, nächster Schritt, Datum des nächsten Schritts.
  3. Phasen über beobachtbare Ereignisse definieren, nicht über Einschätzungen.
  4. Die Regel „Kein Datum, keine Chance“ einführen und alte Einträge ohne nächsten Schritt schließen.
  5. Die Startseite für den Verkäufer bauen: fällige Wiedervorlagen, offene Angebote, überfällige Bestandskunden.
  6. Den Eintrag auf unter eine Minute bringen, mobil und mit Vorlage. Einmal selbst mit der Stoppuhr testen.
  7. Schattenlisten abschaffen: Das Pipeline-Review läuft ab sofort nur noch im CRM.
  8. Vor der Einführung den Betriebsrat einbinden und Auswertungen per Betriebsvereinbarung regeln. Die Aufbewahrung von Angeboten und Auftragsbestätigungen klären.

Quellen

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