580 Millionen Euro Schaden: Bundesbank startet Kampagne gegen Zahlungsbetrug
Rund 1,8 Millionen betrügerische Zahlungsvorgänge haben 2025 in Deutschland nach Erhebungen der Bundesbank mehr als 580 Millionen Euro Schaden verursacht. Ab dem 10. Oktober klären Bundesbank, Finanzministerium und Unternehmen aus Finanzwirtschaft, Telekommunikation und Handel einen Monat lang unter dem Motto „Machen wir Phishen Impossible!“ über Phishing auf.
Was die Bundesbank am 8. Oktober angekündigt hat
Die Deutsche Bundesbank und das Bundesministerium der Finanzen haben am 8. Oktober 2026 die Schirmherrschaft über die Aufklärungskampagne „Machen wir Phishen Impossible!“ übernommen. Anlass sind Zahlen der Bundesbank: Rund 1,8 Millionen betrügerische Zahlungsvorgänge verursachten 2025 einen Schaden von mehr als 580 Millionen Euro, rechnerisch gut 320 Euro je Fall. Beschlossen hat die Kampagne der „Roundtable Betrugsbekämpfung“, den die Bundesbank im November 2025 gegründet hat. Ab dem 10. Oktober informieren Unternehmen aus Finanzwirtschaft, Telekommunikation und Handel sowie öffentliche Stellen rund einen Monat lang über soziale Medien und phishen-impossible.de, unter anderem mit Videos zu falschen Bankmitarbeitern am Telefon. Vorbild ist eine gleichnamige Kampagne aus Österreich. Wie Händler sich im Onlinegeschäft technisch absichern, steht in unserem Ratgeber zu 3-D Secure und starker Kundenauthentifizierung.
Welche Händler und Mitarbeiter die Betrugsmaschen treffen
Die Kampagne richtet sich an Menschen aller Altersgruppen, also an Kunden. Betroffen sind aber auch Betriebe: Inhaber und Buchhaltung, die Rechnungen und Überweisungen freigeben, Kassenpersonal, das Erstattungen am Terminal auslösen kann, und Onlinehändler, bei denen mit gephishten Karten- oder Kontodaten bestellt wird. Im Onlinehandel landet der Schaden aus solchen Bestellungen oft beim Händler, wie die Umfrage von bevh und CRIF im September gezeigt hat.
Warum Technik allein den Betrug nicht stoppt
580 Millionen Euro sind kein Randproblem, und die Zahl zeigt die Grenze der Technik. Seit dem 9. Oktober 2025 gilt im Euroraum die Empfängerprüfung bei Überweisungen, Online-Kartenzahlungen laufen mit starker Kundenauthentifizierung. Beides hilft wenig, wenn der Kunde selbst freigibt, weil ihm am Telefon jemand Druck macht. Phishing greift nicht die Systeme an, sondern das Vertrauen der Menschen, die sie bedienen.
Für Händler heißt das: Die wichtigste Schutzmaßnahme kostet nichts außer Zeit. Wer sein Team regelmäßig auf falsche Anrufe von angeblichen Banken, Zahlungsdienstleistern oder Technikern einstellt, schließt die Lücke, die kein Terminal schließen kann. Dass der Handel selbst Partner der Kampagne ist, ist richtig. Er steht jeden Tag zwischen Kunde und Zahlung.
Was Händler jetzt tun sollten
- Eine feste Regel einführen: Keine Kontoänderung, Erstattung oder Freigabe auf Zuruf per Telefon, Mail oder Messenger, sondern nur nach Rückruf über eine bekannte Nummer.
- Die Kampagnenvideos ab dem 10. Oktober in der Teambesprechung zeigen, vor allem Kassen- und Buchhaltungspersonal.
- Mit dem Zahlungsdienstleister klären, wie Erstattungen am Terminal abgesichert sind, etwa per Händler-PIN, und wer im Verdachtsfall erreichbar ist.