American Express akzeptieren oder nicht: was Amex den Händler wirklich kostet
Amex gilt als teuer — aber die Rechnung wird fast immer falsch aufgemacht. Entscheidend ist nicht der Prozentsatz, sondern über welchen Weg Sie akzeptieren, wie groß Ihr Amex-Anteil überhaupt ist und was ein abgewiesener Gast kostet. Mit Zahlen je Bonwert und den Schwellen, an denen der beworbene Einstiegspreis endet.
Die kurze Antwort
Amex ist teurer als girocard, Visa und Mastercard — aber der Aufpreis trifft nur den kleinen Teil Ihres Umsatzes, der tatsächlich mit Amex bezahlt wird, und er fällt sehr unterschiedlich aus, je nachdem ob Sie direkt bei American Express oder über Ihren Acquirer akzeptieren. Bei einem 90-Euro-Beleg kostet der Direktvertrag rund zehn Cent mehr als eine Pauschale von 1,39 Prozent, der Umweg über einen Acquirer dagegen rund 1,17 Euro mehr (Modellrechnung, Preislisten vom 16.09.2026). Die eigentliche Rechnung ist deshalb keine Gebührenrechnung, sondern eine Deckungsbeitragsrechnung.
Warum Amex anders funktioniert als Visa und Mastercard
American Express ist ein Drei-Parteien-System: Dasselbe Unternehmen gibt die Karte aus und rechnet mit Ihnen als Händler ab. Die Oesterreichische Nationalbank beschreibt das nüchtern — in einem solchen System existiert keine Interchange Fee, sie „würde einem internen Transfer gleichkommen“ (oenb.at, abgerufen am 16.09.2026). Genau daraus folgt der Rest: Wo es kein Interbankenentgelt gibt, gibt es auch nichts zu deckeln. Artikel 1 Absatz 3 Buchstabe c der Verordnung (EU) 2015/751 nimmt „Transaktionen mit Zahlungskarten, die von Drei-Parteien-Kartenzahlverfahren ausgegeben werden“ ausdrücklich von Kapitel II aus — dort stehen die 0,2 Prozent für Debit- und 0,3 Prozent für Kreditkarten (EUR-Lex, Volltext heute gegengelesen).
Eine Feinheit, die selten jemand erwähnt: Artikel 1 Absatz 5 stellt ein Drei-Parteien-Verfahren einem Vier-Parteien-Verfahren gleich, sobald es Lizenzen an andere Zahlungsdienstleister vergibt oder mit Co-Branding-Partnern ausgibt. Was das im Einzelfall für die Konditionen bedeutet, hängt an der konkreten Lizenzstruktur und ist meines Wissens nicht gerichtlich geklärt; in den veröffentlichten Preislisten schlägt es sich jedenfalls nicht als günstigerer Amex-Satz nieder.
Die Kehrseite der fehlenden Regulierung wird fast nie erzählt: Weil Amex nicht in die Kartenkategorien der Verordnung sortiert, unterscheidet der Direktvertrag auch nicht danach. American Express schreibt auf der eigenen Akzeptanzseite, das Serviceentgelt sei „einheitlich für alle Kartenarten, egal ob aus der EU, außerhalb der EU oder Business Cards“ (americanexpress.com, abgerufen am 16.09.2026). Für ein Hotel mit ausländischen Geschäftsreisenden ist das relevant: Die US-Firmenkarte eines Konzerns kostet über Visa oder Mastercard im Zweifel mehr als dieselbe Rechnung auf Amex — das ist der Punkt, an dem meine Seite zu Firmen- und Auslandskarten und diese hier zusammenlaufen.
Zwei Wege zur Akzeptanz — und ein deutlicher Preisunterschied
| Weg | Was veröffentlicht ist (Stand 16.09.2026) | Abrechnung |
|---|---|---|
| Direktvertrag American Express | „Ab 1,5 % Serviceentgelt“ für kleine Händler, keine Setup- und Transaktionskosten, keine Mindestvertragsdauer, keine Mindestumsätze | eigener Zahlungsplan, eigener Geldeingang |
| Adyen | 0,11 € + 0,80 % + 3,95 % für Amex (Visa/Mastercard: 0,11 € + 0,80 % + Interchange++) | eine Abrechnung |
| myPOS, Terminal | 2,69 % (Tarif ohne Grundgebühr) bzw. 2,49 % (19 € oder 39 €/Monat) für „alle anderen Karten, einschließlich American Express“ | eine Abrechnung |
| myPOS, ohne Karte vor Ort | 3,19 % + 0,20 € bzw. 2,99 % + 0,15 € / + 0,10 € | eine Abrechnung |
| SumUp | 1,39 % pauschal bzw. 0,79 % ab 19 €/Monat, kein eigener Amex-Satz ausgewiesen | eine Abrechnung |
Zwei Anmerkungen dazu. Erstens: Adyen hat die eigene Bearbeitungsmarge gegenüber meinem Stand vom 01.08.2026 von 0,60 auf 0,80 Prozent angehoben — wer mit älteren Vergleichen arbeitet, rechnet falsch. Zweitens: Ein Pauschaltarif, der Amex nicht gesondert ausweist, ist kein Beweis dafür, dass Amex denselben Satz kostet. Das gehört vor Vertragsschluss schriftlich geklärt.
Was der Aufpreis je Bon tatsächlich ausmacht
Modellrechnung mit frei gewählten Referenzwerten: Vergleichsmaßstab ist eine Pauschale von 1,39 Prozent, wie sie am Markt für Karten vor Ort beworben wird.
| Bonwert | Amex direkt (1,5 %) | Amex über Acquirer (2,69 %) | Referenz 1,39 % | Aufpreis direkt | Aufpreis über Acquirer |
|---|---|---|---|---|---|
| 25 € | 0,38 € | 0,67 € | 0,35 € | +0,03 € | +0,33 € |
| 45 € | 0,68 € | 1,21 € | 0,63 € | +0,05 € | +0,59 € |
| 90 € | 1,35 € | 2,42 € | 1,25 € | +0,10 € | +1,17 € |
| 250 € | 3,75 € | 6,73 € | 3,48 € | +0,28 € | +3,25 € |
| 800 € | 12,00 € | 21,52 € | 11,12 € | +0,88 € | +10,40 € |
Und jetzt die Gegenrechnung, die in der Diskussion meistens fehlt. Ein Restaurant mit 60.000 Euro Monatsumsatz und einem Amex-Anteil von vier Prozent setzt 2.400 Euro auf Amex um. Über den Direktvertrag sind das 36 Euro Serviceentgelt im Monat, gegenüber 33,36 Euro, die dieselben Umsätze zu 1,39 Prozent gekostet hätten: 2,64 Euro Mehrkosten im Monat. Bei einem Deckungsbeitrag von 30 Prozent auf eine 90-Euro-Rechnung bringt ein einziger zusätzlicher Tisch 27 Euro. Ein abgewiesener Gast pro Quartal kippt die Rechnung also bereits. Über den Acquirer sieht es anders aus: 2.400 Euro zu 2,69 Prozent sind 64,56 Euro, rund 31 Euro Mehrkosten im Monat — hier braucht es schon mehr als einen Gast, und genau deshalb lohnt der Blick auf den Direktvertrag.
Wo der beworbene Einstiegspreis endet
Die 1,5 Prozent stehen unter einer Fußnote, und die ist der eigentliche Vertragsinhalt. Sie gelten „für fast alle Branchen in der Kategorie kleiner Händler für einen American Express Kartenumsatz von bis zu 100.000 Euro (bzw. für Hotels bis 50.000 Euro) innerhalb von 12 aufeinanderfolgenden Monaten. Danach gilt das im Serviceantrag für diesen Fall gesondert vereinbarte Serviceentgelt.“ Ausgenommen sind laut derselben Fußnote Fluglinien, Autovermietung, Nachtclubs, Tankstellen, Franchise-Partner, Transport, Business-to-Business, Reisebüros sowie die Akzeptanz von Fremdwährungen; das Angebot gilt nur für neue Akzeptanzpartner und unabhängige Händler (americanexpress.com, abgerufen am 16.09.2026).
Übersetzt: Der Einstiegspreis endet genau dann, wenn Amex bei Ihnen funktioniert. Fragen Sie deshalb vor der Unterschrift nach dem Satz oberhalb der Schwelle, nicht danach. Zweiter Punkt aus der Praxis: Die Terminalfreischaltung läuft nach Vertragsschluss über American Express (nachträglich über den POS-Service unter 069 9797 2222), und wann Ihr Geld kommt, legt ein „individueller Zahlungsplan“ fest. Sie haben damit einen zweiten Geldeingang und eine zweite Abstimmung in der Buchhaltung — bei kleinen Amex-Umsätzen ist das der ehrlichste Nachteil des Direktvertrags.
Ablehnen ist erlaubt — lenken auch
Eine markenübergreifende Akzeptanzpflicht gibt es nicht. Artikel 10 Absatz 1 der Verordnung verbietet Regeln, die Händler zur Akzeptanz weiterer Instrumente desselben Kartenzahlverfahrens zwingen; Amex ist ein eigenes Verfahren mit eigenem Vertrag. Wer innerhalb eines Verfahrens nur einen Teil der Karten annimmt, muss das nach Absatz 4 am Geschäftseingang und an der Kasse deutlich sichtbar anzeigen — und auch wer Amex komplett nicht führt, fährt mit einem ehrlichen Hinweis am Eingang besser als mit der Diskussion an der Kasse.
Der unterschätzte Hebel steht in Artikel 11: Vereinbarungen dürfen Sie nicht daran hindern, Kunden Anreize für ein von Ihnen bevorzugtes Zahlungsinstrument zu geben, und auch nicht daran, über Händlerentgelte zu informieren. Ein freundliches „girocard ist uns am liebsten“ ist also zulässig — es ist meist der bessere Weg als eine Ablehnung, die den Gast kostet.
Was ich Händlern rate
- Messen Sie Ihren Amex-Anteil, bevor Sie diskutieren: drei Monatsabrechnungen, Umsatz nach Kartenart. Öffentliche Marktzahlen zum Amex-Anteil in Deutschland gibt es nicht — jede genannte Quote ist geschätzt, Ihre eigene Abrechnung ist die einzige belastbare Quelle.
- Rechnen Sie beide Wege durch, Direktvertrag gegen Acquirer-Satz, mit Ihrem echten Amex-Umsatz und nicht mit dem Gesamtumsatz.
- Fragen Sie nach dem Satz oberhalb der Umsatzschwelle (100.000 Euro, Hotels 50.000 Euro) und lassen Sie ihn sich schriftlich geben.
- Prüfen Sie die Branchenausschlüsse — Tankstelle, Franchise, Reisebüro, B2B und Fremdwährung fallen aus dem Einstiegsangebot heraus.
- Klären Sie den zweiten Geldeingang mit Ihrer Buchhaltung, bevor der erste Zahlungsplan greift.
- Lassen Sie das Terminal freischalten und bestellen Sie das Akzeptanzmaterial, sonst zahlen Sie für eine Akzeptanz, die der Gast nicht sieht.
- Wenn Sie ablehnen, sagen Sie es am Eingang — nicht erst, wenn die Rechnung auf dem Tisch liegt.
- Lenken statt ablehnen, wo es geht: Der Hinweis auf das von Ihnen bevorzugte Zahlungsmittel ist erlaubt und kostet keinen Gast.
Quellen
- American Express Deutschland: Kartenzahlungen akzeptieren — Serviceentgelt, Fußnote zu Umsatzgrenze und Branchenausschlüssen
- American Express Deutschland: Erste Schritte als Akzeptanzpartner — Terminalfreischaltung, Zahlungsplan
- Verordnung (EU) 2015/751 über Interbankenentgelte, deutscher Volltext (EUR-Lex)
- Oesterreichische Nationalbank: Grundlegende Beziehungen im Kartengeschäft (Vier- vs. Drei-Parteien-System)
- Adyen: Preise Deutschland (Interchange++ und American Express)
- myPOS: Preise und Gebühren Deutschland (Tarife One, Plus, Pro)