Was kostet eine Kilowattstunde Wärme wirklich: Gas, Öl, Fernwärme oder Wärmepumpe?
Gas kostet im Mehrfamilienhaus 2026 im Schnitt 11,17 Cent je Kilowattstunde, Heizöl liegt umgerechnet bei rund 17 Cent, Fernwärme bei 15,6 Cent. Der Tarifpreis ist aber nicht der Wärmepreis. Ein Rechenbeispiel für zwölf Wohnungen zeigt, was nach Wirkungsgrad, Kapital und Wartung übrig bleibt.
Die kurze Antwort
Eine Kilowattstunde Wärme aus dem Gaskessel kostet im Mehrfamilienhaus 2026 rund 12 Cent an Energie und 15 Cent, wenn Kessel und Wartung eingerechnet sind. Heizöl liegt nach dem Preissprung dieses Herbstes bei über 21 Cent Vollkosten, Fernwärme im Marktmittel bei 15,6 Cent, die Wärmepumpe je nach Strompreis und Zuschuss zwischen 15 und 19 Cent.
Diese Spannen stammen aus einem offengelegten Rechenbeispiel, nicht aus einer Messung. Sie zeigen aber, wo der Fehler in den meisten Vergleichen liegt: Der Tarifpreis auf der Rechnung ist nicht der Wärmepreis.
Warum ist der Tarifpreis nicht der Wärmepreis?
Gas und Öl werden als Brennstoff abgerechnet, Fernwärme als fertige Wärme, die Wärmepumpe über Strom, aus dem sie ein Mehrfaches an Wärme macht. Wer diese Preise nebeneinanderlegt, vergleicht drei verschiedene Dinge. Vergleichbar wird es erst über drei Umrechnungen:
- Wirkungsgrad: Ein Gas-Brennwertkessel macht aus 100 Kilowattstunden Gas nicht 100 Kilowattstunden Wärme im Heizkreis. Im Beispiel unten rechne ich mit 93 Prozent für Gas und 92 Prozent für Öl. Bei der Wärmepumpe ist es die Jahresarbeitszahl: Bei 3 entstehen aus einer Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Wärme.
- Kapital: Der Kessel, die Wärmepumpe, der Tank kosten Geld, das über die Nutzungsdauer verdient werden muss. Beim Fernwärmepreis steckt das Kapital des Versorgers schon im Preis.
- Betrieb: Wartung, Schornsteinfeger, Reparaturen. Auch die zahlt der Fernwärmekunde über den Preis mit.
Für Vermieter gilt dabei der Bruttopreis, denn bei der Vermietung von Wohnraum ist die Mehrwertsteuer in aller Regel nicht abziehbar. Ein Betrieb mit Vorsteuerabzug rechnet netto.
Was kosten die Energieträger im Herbst 2026?
| Energieträger | Preis | Quelle, Stand | je kWh Brennstoff/Strom |
|---|---|---|---|
| Erdgas, Mehrfamilienhaus | 11,17 ct/kWh | BDEW, Ø 2026 bisher, Datenstand 08/2026 | 11,17 ct |
| Heizöl | 172,64 €/100 l | EU Weekly Oil Bulletin, 05.10.2026 | 17,18 ct |
| Fernwärme, Mischpreis MFH | 15,6 ct/kWh | AGFW/Preistransparenzplattform, Stichtag 01.04.2026 | 15,6 ct (fertige Wärme) |
| Haushaltsstrom (zum Vergleich) | 37,0 ct/kWh | BDEW, Ø 2026 bisher, Datenstand 08/2026 | 37,0 ct |
Alle Werte sind Bruttopreise. Die Umrechnung von Heizöl stammt aus der Emissionsberichterstattungsverordnung: 0,845 Tonnen je 1.000 Liter und 42,8 Gigajoule je Tonne ergeben 10,05 Kilowattstunden je Liter.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Der BDEW-Gaspreis ist ein Durchschnitt abschließbarer Tarife seit Januar; laut BDEW sind die Beschaffungskosten seit dem Iran-Krieg gestiegen und der Preis zeigt einen Aufwärtstrend, das aktuelle Niveau liegt also eher darüber. Und für Wärmepumpenstrom gibt es keinen amtlichen Durchschnitt: Der BDEW nimmt Heizstrom- und Wärmepumpentarife ausdrücklich aus seiner Strompreisanalyse heraus. Ich rechne deshalb mit zwei Annahmen, 22 und 27 Cent, und empfehle, den eigenen Tarif einzusetzen.
Fernwärme ist zudem ein lokales Produkt. Laut AGFW liegt fast der gesamte erfasste Absatz zwischen 12,5 und 17,5 Cent; der Mischpreis von 15,6 Cent gilt für einen Abnahmefall von 160 Kilowatt. Kleinere Häuser zahlen je Kilowattstunde oft mehr, weil der Grundpreis auf weniger Menge verteilt wird.
Was kostet die Wärme in einem Haus mit zwölf Wohnungen?
Das Rechenbeispiel ist bewusst einfach gehalten und vollständig offengelegt. Objekt: 12 Wohnungen, rund 900 Quadratmeter, 120.000 Kilowattstunden Wärmebedarf im Jahr. Kapital: 4 Prozent Zins über 20 Jahre, das ergibt einen Annuitätenfaktor von 0,0736. Investitionen (Annahmen, durch eigene Angebote ersetzen): Gas-Brennwertkessel 35.000 Euro, Öl-Brennwertkessel 30.000 Euro, Luft-Wasser-Wärmepumpe 150.000 Euro. Wartung: 1.200 Euro im Jahr für Gas und Öl, 1.500 Euro für die Wärmepumpe.
| Weg | Energie €/Jahr | Kapital €/Jahr | Wartung €/Jahr | Summe €/Jahr | ct je kWh Wärme |
|---|---|---|---|---|---|
| Gaskessel (129.032 kWh Gas) | 14.413 | 2.575 | 1.200 | 18.188 | 15,2 |
| Ölkessel (12.984 l Heizöl) | 22.415 | 2.207 | 1.200 | 25.822 | 21,5 |
| Fernwärme (Mischpreis, ohne Anschlusskosten) | 18.720 | – | – | 18.720 | 15,6 |
| Wärmepumpe, JAZ 3, Strom 27 ct | 10.800 | 11.037 | 1.500 | 23.337 | 19,4 |
| Wärmepumpe, JAZ 3, Strom 22 ct | 8.800 | 11.037 | 1.500 | 21.337 | 17,8 |
| Wärmepumpe, JAZ 3, Strom 22 ct, Kapital −30 % | 8.800 | 7.726 | 1.500 | 18.026 | 15,0 |
Die Wärmepumpe hat die mit Abstand niedrigsten Energiekosten: 7,3 bis 9 Cent je Kilowattstunde Wärme gegenüber 12 Cent beim Gas und 18,7 Cent beim Öl. Sie verliert diesen Vorsprung im Beispiel über den Kapitaldienst. Erst wenn ihr Kapitalanteil um rund 30 Prozent sinkt, etwa durch einen Zuschuss, liegt sie mit dem Gaskessel gleichauf. Welche Fördersätze seit der Neufassung der Förderrichtlinien gelten, behandelt ein eigener Ratgeber; im Beispiel ist der Abschlag bewusst als Zahl ohne Programmbezug gerechnet.
Wie viel CO₂-Preis steckt in diesen Zahlen?
Bei der ersten Versteigerung nationaler Emissionszertifikate am 01.07.2026 lag der Zuschlag am oberen Ende des Korridors bei 65 Euro je Tonne (DEHSt). Mit den Emissionsfaktoren der EBeV sind das brutto rund 1,40 Cent je Kilowattstunde Erdgas und 20,7 Cent je Liter Heizöl. Im Beispielhaus macht das beim Gas rund 23 Tonnen und 1.810 Euro im Jahr aus, beim Öl knapp 35 Tonnen und 2.690 Euro. Der CO₂-Preis ist in den Tarifpreisen oben bereits enthalten, er wird nicht zusätzlich addiert.
Für den Vergleich über zwanzig Jahre ist er trotzdem der wichtigste offene Posten, weil er beim Gas- und Ölkessel jedes Jahr neu anfällt und bei der Wärmepumpe nur indirekt über den Strompreis.
Was folgt daraus für Eigentümer und Betriebe?
Der Gaskessel ist im Herbst 2026 auf dem Papier noch der günstigste Einzelweg, aber nur knapp, und er trägt das größte Preisrisiko: Brennstoff und CO₂-Preis machen fast 80 Prozent seiner Kosten aus. Bei der Wärmepumpe ist es umgekehrt, dort entscheidet die Investition. Öl ist nach dem Preissprung seit Februar der teuerste Weg mit Abstand.
- Wärmebedarf feststellen: Aus den Brennstoffrechnungen der letzten drei Jahre den Verbrauch in Kilowattstunden ermitteln und mit dem Wirkungsgrad auf Wärme umrechnen.
- Eigene Preise einsetzen: Gaspreis aus dem aktuellen Angebot, nicht aus dem Altvertrag; für die Wärmepumpe einen Tarif mit separatem Zähler anfragen.
- Investition einholen: Mindestens zwei Angebote je Weg, inklusive Nebenarbeiten wie Elektroanschluss oder Schornstein.
- Vollkosten rechnen: Energie, Kapital und Wartung je Kilowattstunde Wärme, mit Zins und Laufzeit, die zum eigenen Haus passen.
- Sensitivität prüfen: Was passiert bei 20 Prozent mehr Gaspreis, bei 20 Prozent weniger Zuschuss, bei einer Jahresarbeitszahl von 2,7 statt 3? Der Weg, der in allen drei Fällen vorn bleibt, ist die robuste Entscheidung.
Häufige Fragen
Was kostet eine Kilowattstunde Gas im Mehrfamilienhaus 2026?
Der BDEW nennt für ein Mehrfamilienhaus mit sechs Parteien im Durchschnitt 2026 bisher 11,17 Cent je Kilowattstunde brutto, davon 1,15 Cent CO₂-Preis (Datenstand August 2026). Nach einem Kesselwirkungsgrad von 93 Prozent kostet die Kilowattstunde Wärme rund 12 Cent, ohne Kapital und Wartung.
Ist Fernwärme teurer als Gas?
Im Tarif ja, im Vollkostenvergleich nicht unbedingt. Der mengengewichtete Fernwärme-Mischpreis für ein Mehrfamilienhaus lag zum 01.04.2026 bei 15,6 Cent je Kilowattstunde brutto (AGFW, Preistransparenzplattform). Darin stecken Erzeugung, Wartung und Kapital des Versorgers, die beim eigenen Gaskessel erst dazugerechnet werden müssen.
Was kostet Heizöl umgerechnet pro Kilowattstunde?
Bei 172,64 Euro je 100 Liter (EU Weekly Oil Bulletin, Deutschland, Stand 05.10.2026) und 10,05 Kilowattstunden je Liter laut Emissionsberichterstattungsverordnung sind das rund 17,2 Cent je Kilowattstunde Brennstoff.
Ab wann ist eine Wärmepumpe günstiger als ein Gaskessel?
Das hängt vor allem an Strompreis, Jahresarbeitszahl und Investition. Im Rechenbeispiel mit 22 Cent Wärmepumpenstrom und Jahresarbeitszahl 3 liegt die Wärmepumpe gleichauf mit dem Gaskessel, wenn ihr Kapitalanteil um rund 30 Prozent sinkt, etwa durch einen Zuschuss.
Quellen
- BDEW-Gaspreisanalyse August 2026 (Datenstand 08/2026)
- BDEW-Strompreisanalyse August 2026 (Datenstand 08/2026)
- AGFW: Fernwärme im aktuellen Halbjahresbericht erneut preisstabil (Stichtag 01.04.2026)
- Europäische Kommission: Weekly Oil Bulletin, Heizöl Deutschland (Stand 05.10.2026)
- DEHSt: Erste Versteigerung nationaler Emissionszertifikate (01.07.2026)
- EBeV 2030, Anlage 2: Heizwerte und Emissionsfaktoren
Redaktion: KI-gestützt recherchiert und vorformuliert; Auswahl, Einordnung und Zitat prüft und verantwortet Pedram Dadgar. Korrekturen werden mit Datum vermerkt. Mehr zur Arbeitsweise