BCG Global Payments Report 2026: Deutschland zahlt 196-mal pro Kopf mit Karte, die EU 327-mal
Laut Global Payments Report 2026 der Boston Consulting Group kamen Verbraucher in Deutschland 2025 auf 196 Kartenzahlungen pro Kopf, der EU-Schnitt lag bei 327. Die Zahl wächst in Deutschland mit 11,3 Prozent schneller als in der EU. Gleichzeitig melden 79 Prozent der befragten Großhändler, dass ihre Zahlungskosten in fünf Jahren gestiegen sind.
Was ist passiert
Die Boston Consulting Group hat am 23. September 2026 ihren Global Payments Report 2026 mit dem Titel „The Burden of Proof“ veröffentlicht, laut dpa bereits die 24. Ausgabe. Für Deutschland zählt BCG 2025 rund 300 elektronische Zahlungen pro Kopf, im EU-Schnitt rund 400, in den nordischen Ländern rund 700. Bei Kartenzahlungen liegt Deutschland bei 196 pro Kopf, der deutschsprachige Raum bei 216, die EU bei 327, die nordischen Länder bei 539 und die USA bei 647. Die Kartenzahlungen pro Kopf stiegen in Deutschland um 11,3 Prozent, in der EU um 7,9 Prozent. Zusätzlich hat BCG knapp 500 große Händler mit 50 Millionen bis 10 Milliarden Dollar Jahresumsatz befragt: 79 Prozent sagen, ihre Zahlungskosten seien in den vergangenen fünf Jahren gestiegen, weniger als jeder Zehnte konnte sie senken.
Wen es trifft
Stationären Handel, Gastronomie und Dienstleister, die gerade von Bargeld auf Karte umsteigen oder ihr Kartenvolumen wachsen sehen. Dazu Online-Händler, die über Acquirer und Zahlungsdienstleister ihre Checkout-Strategie planen.
Einordnung
Deutschland ist beim Bezahlen kein Nachzügler mehr, sondern ein Aufholer, und Aufholen hat einen Preis. Wenn die Zahl der Kartenzahlungen pro Kopf jedes Jahr zweistellig wächst, wächst jede feste Gebühr pro Transaktion mit. Bei einem Kunden, der heute noch bar zahlt und morgen mit Karte, kommt beim Händler nicht mehr Umsatz an, sondern dieselbe Summe minus Entgelt. Das ist kein Argument gegen die Karte, sondern eines für saubere Konditionen.
Bemerkenswert ist, dass selbst Konzerne mit eigener Payment-Abteilung ihre Kosten kaum senken. BCG nennt nur 12 Prozent der Befragten, die Zahlungen als Ergebnisbeitrag steuern, ein eigenes Team haben und dynamisch zwischen Anbietern routen. Der kleine Händler hat nichts davon, er hat einen Vertrag. Umso mehr zählt, was drinsteht. Die zweite Zahl aus dem Bericht passt zu unserem Wochenbriefing KW 39: 73 Prozent der Großhändler würden den Acquirer wechseln, wenn ein anderer Käufe durch KI-Agenten besser unterstützt. Wer die Bezahlschiene hat, hat künftig auch das Argument.
Was jetzt zu tun ist
- Die Kartenabrechnungen der letzten zwölf Monate nach Kosten pro Transaktion auswerten, nicht nur nach Prozentsatz.
- Prüfen, welcher Anteil der Gebühren fix pro Zahlung anfällt, weil dieser Teil mit steigender Kartenquote am stärksten wächst.
- Beim nächsten Vertragsgespräch nach Konditionen für wachsendes Volumen fragen und eine Staffel verlangen.