bevh: Onlinehandel wächst im dritten Quartal nur um 2,9 Prozent, Temu und Shein brechen ein
Der deutsche Onlinehandel mit Waren ist im dritten Quartal 2026 laut bevh nur um 2,9 Prozent auf rund 18,5 Milliarden Euro gewachsen, weniger als die Inflation von 3,3 Prozent. Shein, Temu und AliExpress verloren nach dem Wegfall der Zollfreigrenze 35,5 Prozent, reine Onlineshops schrumpften um 0,8 Prozent, Marktplätze legten um 5 Prozent zu.
Was der bevh für das dritte Quartal 2026 meldet
Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) hat am 8. Oktober 2026 seine Quartalszahlen veröffentlicht. Der Onlinehandel mit Waren wuchs von Juli bis September um 2,9 Prozent auf rund 18,5 Milliarden Euro, inklusive Umsatzsteuer und nicht inflationsbereinigt. Das liegt unter der Inflationsrate von 3,3 Prozent im September, real also ein Minus. Shein, Temu und AliExpress kamen zusammen auf 566 Millionen Euro, 35,5 Prozent weniger als im Vorjahresquartal; ihr Marktanteil fiel von 5,3 Prozent im zweiten auf 3,1 Prozent im dritten Quartal. Seit Juli gilt für Sendungen aus Drittstaaten keine Zollfreigrenze von 150 Euro mehr, ab November kommt eine Bearbeitungsgebühr von 2 Euro hinzu. Wie ein Shop Zahlungen technisch anbindet, erklärt der Ratgeber zu den Integrationswegen im Online-Payment.
Welche Onlinehändler die Zahlen treffen
Am stärksten wuchsen Online-Marktplätze mit plus 5 Prozent, Multichannel-Händler legten online um 2,5 Prozent zu. Reine Onlineshops verloren 0,8 Prozent und bleiben wie in den Vorquartalen hinter dem Markt zurück. Nach Warengruppen wachsen Medikamente (plus 15,4 Prozent), Drogerie (plus 14,3 Prozent) und Lebensmittel (plus 9,1 Prozent), während Elektronik (minus 4,6 Prozent) und Möbel, Lampen und Dekoration (minus 5,2 Prozent) verlieren. Laut bevh profitieren hiesige Anbieter bisher nicht von der Schwäche der asiatischen Plattformen.
Warum der Temu-Einbruch deutschen Shops nicht automatisch hilft
Viele haben gehofft, dass der Wegfall der Zollfreigrenze den Umsatz zu deutschen Shops umlenkt. Die Zahlen zeigen etwas anderes: Das Geld fließt zum Marktplatz oder es bleibt im Portemonnaie. Wer nur mit dem eigenen Shop verkauft, verliert real, und das bei steigenden Kosten für Energie, Versand und Personal.
Aus Netzbetreibersicht ist die Konsequenz unbequem, aber klar. In einem Markt, der real schrumpft, wird der Checkout zur teuersten Stelle im Shop. Jeder Kunde, der an fehlender Wallet, einer zweiten Anmeldung oder einer abgelehnten Zahlung scheitert, ist ein Kunde, der nicht wiederkommt. Marktplätze lösen genau das für den Händler, kassieren dafür aber ihre Provision. Wer unabhängig bleiben will, muss im eigenen Shop mindestens so reibungslos kassieren.
Was Onlinehändler jetzt tun sollten
- Die Abbruchquote im Checkout nach Zahlart auswerten und die Zahlarten nachrüsten, an denen Kunden scheitern.
- Die Gesamtkosten je Bestellung im eigenen Shop mit der Marktplatzprovision vergleichen, inklusive Zahlungsgebühren und Rückbuchungen.
- Vor dem Weihnachtsgeschäft prüfen, ob Zahlungsablehnungen und 3-D-Secure-Abbrüche im Rahmen liegen.