Expleo-Umfrage: 36 Prozent der deutschen Führungskräfte vertrauen komplett KI-geschriebener Kommunikation weniger
Laut Expleo AI Pulse vom 22. September 2026 würden 36 Prozent der befragten Führungskräfte in Deutschland einem Unternehmen weniger vertrauen, wenn dessen Kommunikation vollständig von KI stammt. Nur 22 Prozent vertrauen mehr. Im Junior Management sagen 47 Prozent, das Vertrauen sinke.
Was ist passiert
Der Engineering- und Beratungsdienstleister Expleo hat am 22. September 2026 die 13. Welle seines monatlichen „AI Pulse“ veröffentlicht, am 26. September griff retail-news die Zahlen auf. Die Agentur Opinium hat dafür im August 2026 je 200 Führungskräfte in Deutschland, Irland, Großbritannien und Frankreich befragt, aus IT, Finanzdienstleistung, Versicherung, Handel, Maschinenbau sowie Transport und Logistik. In Deutschland würden 36 Prozent einem Unternehmen weniger vertrauen, wenn sie dessen Kommunikation für vollständig KI-generiert halten, 22 Prozent mehr, 39 Prozent sehen keinen Unterschied. Über die vier Länder hinweg zeigt sich ein Gefälle nach Hierarchie: Inhaber und Gründer vertrauen zu 45 Prozent mehr und zu 27 Prozent weniger, im Junior Management sinkt das Vertrauen bei 47 Prozent und steigt nur bei 19 Prozent.
Wen es trifft
Vertriebsteams im B2B, die Erstansprache, Follow-ups und Angebote mit KI-Werkzeugen schreiben lassen. Dazu Vertriebsleiter, die gerade entscheiden, wie weit sie Akquise automatisieren.
Einordnung
Die interessanteste Zahl ist nicht die 36, sondern die 47. Im Junior Management sitzen die Leute, die ein Angebot als Erste lesen, vergleichen und nach oben weitergeben. Wenn gerade diese Ebene einer erkennbar maschinengeschriebenen Mail misstraut, dann scheitert der automatisierte Erstkontakt nicht beim Chef, sondern schon am Filter davor. Der Inhaber, der offener ist, bekommt die Mail oft gar nicht zu sehen.
Ich halte KI im Vertrieb für ein gutes Werkzeug für Recherche, Vorbereitung und Nachbereitung. Die Stelle, an der ein Mensch einem anderen Menschen etwas zusagt, gehört nicht dazu. Wer einem Händler Konditionen erklärt oder einem Einkäufer einen Termin vorschlägt, muss erkennbar selbst dahinterstehen. Die Umfrage misst Wahrnehmung, nicht Abschlussquoten, aber Vertrauen ist im Vertrieb die Währung, in der am Ende bezahlt wird.
Was jetzt zu tun ist
- Alle automatisierten Vorlagen in der Akquise darauf prüfen, ob ein Empfänger sie als reine Maschinentexte erkennen würde.
- KI für Recherche und Entwurf nutzen, jede Erstansprache aber vor dem Versand persönlich überarbeiten und mit einem konkreten Bezug zum Kunden versehen.
- Im Team festlegen, welche Nachrichten nie ohne menschliche Freigabe rausgehen, etwa Angebote, Preise und Zusagen.