Digitaler Euro: HDE will Gebühren nur übergangsweise an Karten koppeln, EZB informiert Händler am 6. Oktober
Der Handelsverband HDE fordert für den digitalen Euro ein faires, transparentes und möglichst günstiges Gebührenmodell; eine Orientierung an etablierten Zahlverfahren soll höchstens für eine Übergangsfrist gelten und nationale Eigenheiten berücksichtigen. Am 6. Oktober um 15 Uhr erklärt die EZB online, wie sie Händler für den zwölfmonatigen Pilot ab 2027 auswählt.
Was fordert der Handelsverband für den digitalen Euro?
Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat Ende September seine Linie für die anstehenden Entscheidungen im europäischen Zahlungsverkehr veröffentlicht, also für PSD3/PSR, den digitalen Euro und eine Bargeld-Akzeptanzpflicht. Kern ist das Gebührenmodell des digitalen Euro: fair, transparent und möglichst niedrig. HDE-Zahlungsverkehrsexperte Ulrich Binnebößel sagt, eine Orientierung der Entgelte an etablierten Zahlverfahren könne allenfalls für eine Übergangsfrist gelten und solle nationale Eigenheiten einbeziehen. Was im Gesetzentwurf zu Annahmepflicht und Gebührendeckel steht, erklärt der Ratgeber Digitaler Euro für Händler.
Was passiert am 6. Oktober?
Die EZB lädt am Dienstag, 6. Oktober 2026, um 15 Uhr MEZ zu einer Online-Information über den Pilotbetrieb ein: Ziele, Zeitplan und das Verfahren, nach dem Händler ausgewählt werden. Teilnehmen kann jeder, auch Zahlungsdienstleister und Verbraucher. Der Pilot startet im zweiten Halbjahr 2027, läuft zwölf Monate und arbeitet mit 36 Zahlungsdienstleistern. Online-Händler können sich bis zum 27. Oktober bewerben.
Warum die nationale Eigenheit der eigentliche Preisanker ist
Der unscheinbarste Halbsatz in der HDE-Mitteilung ist der wichtigste. Ein Entgelt, das sich am Durchschnitt etablierter Verfahren in Europa orientiert, meint in den meisten Ländern Visa und Mastercard. In Deutschland läuft ein großer Teil der Kartenumsätze aber über girocard, und die ist für den Händler in aller Regel günstiger. Ein europäischer Mittelwert wäre für einen deutschen Supermarkt also kein Einstiegspreis, sondern ein Aufschlag auf das, was er heute zahlt.
Deshalb ist es richtig, dass der Verband die Übergangsregel nur als Übergang akzeptieren will. Der digitale Euro setzt sich an der Kasse nur durch, wenn der Händler ihn gern annimmt, und gern nimmt er nur, was nicht teurer ist als das Vorhandene. Das Muster kennen wir: Mehr Volumen hat Kartenzahlungen bisher nicht billiger gemacht, wie ich im Kommentar zum Kartenwachstum beschrieben habe. Wer die Preisfrage jetzt nicht klärt, bekommt sie später in der Abrechnung beantwortet.
Was jetzt zu tun ist
- Die EZB-Information am 6. Oktober anhören und gezielt auf die Frage achten, ob im Pilot schon Händlerentgelte getestet werden.
- In der eigenen Abrechnung den Kostenunterschied zwischen girocard und Kreditkarte pro Zahlung ermitteln. Diese Zahl ist der Maßstab für jedes spätere Angebot zum digitalen Euro.
- Online-Händler, die mitgestalten wollen, prüfen die Bewerbung für den Pilot bis 27. Oktober, 17 Uhr.