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Fachpresse fordert Wahlfreiheit an der Kasse — die Kostenrechnung liefert sie nicht mit

Das IT-Finanzmagazin hat am 16. September 2026 einen Kommentar für die geplante Kartenzahlungspflicht veröffentlicht und Händlern vorgehalten, beim Kostenargument nicht die ganze Rechnung aufzumachen. Belege liefert der Text keine. Die harten Zahlen stehen woanders: 55 Prozent bargeldlose Einkäufe laut Bundesbank, 1,397 Millionen aktive girocard-Terminals.

Was ist passiert

Das IT-Finanzmagazin hat am 16. September 2026 einen Kommentar seines stellvertretenden Chefredakteurs Tobias Weidemann veröffentlicht, der sich für die von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil geplante Pflicht zu einer digitalen Bezahlmöglichkeit ausspricht. Der Text argumentiert konsequent aus Kundensicht: Wer im Lokal die Speise frei wählen darf, solle auch die Zahlungsart frei wählen dürfen — „Wahlfreiheit, die erst nach dem dritten Cappuccino beginnt, ist keine." Gegen eine reine Kartenannahme ohne Bargeld positioniert sich der Kommentar ausdrücklich ebenfalls. An die Adresse des Handels heißt es, wer Kosten als Argument anführe, solle wenigstens die ganze Rechnung aufmachen. Eigene Zahlen, Studien oder Rechtsquellen nennt der Beitrag nicht. Der Stand des Vorhabens selbst ist unverändert: Die Eckpunkte aus dem Bundesfinanzministerium sind seit dem 11. September 2026 über dpa bekannt, sie befinden sich in der Ressortabstimmung, eine eigene Pressemitteilung des Ministeriums gibt es bis heute nicht.

Wen es trifft

Stationäre Händler, Gastronomie und Dienstleister mit kleinen Durchschnittsbons, die bisher bar abrechnen. Und alle, die in den nächsten Monaten in der Debatte Argumente brauchen, die über Bauchgefühl hinausgehen.

Einordnung

Der Kommentar hat in der Sache recht und im Beleg eine Lücke. Richtig ist: Ein Kunde, der vor dem Terminal-kaputt-Schild steht, erlebt keine Wahlfreiheit, sondern eine Zumutung. Die Bundesbank hat für 2025 gemessen, dass erstmals mehr Einkäufe bargeldlos als bar bezahlt wurden — 55 Prozent zu 45 Prozent, sechs Prozentpunkte weniger bar als 2023, erhoben von Forsa bei 6.070 Befragten. Und der Markt bewegt sich längst freiwillig: Zum Halbjahr 2026 zählte EURO Kartensysteme 1,397 Millionen aktive girocard-Terminals, ein Plus von 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei 4,21 Milliarden Transaktionen. Das ist kein Bild von Verweigerung, das ist ein Bild von Nachrüstung.

Nur: Wer dem Handel vorhält, er mache die Rechnung nicht ganz auf, sollte sie selbst aufmachen. Dann sieht man, wo es wirklich klemmt. Nicht am Prozentsatz vom Umsatz, sondern an den festen Bestandteilen — Terminalmiete, Transaktionspauschale, Netzbetriebsentgelt — die bei einem Durchschnittsbon von 36,12 Euro anders wirken als bei 120 Euro. Beim Bäcker mit dem Drei-Euro-Brötchen entscheidet nicht die Ideologie, sondern der Cent-Betrag je Zahlung. Genau da muss ein Gesetz ansetzen, das ernst genommen werden will: bei Konditionen, die Kleinbeträge tragen, und nicht bei der Belehrung derer, die täglich an der Kasse stehen.

Was jetzt zu tun ist

  1. Die eigene Abrechnung der letzten drei Monate nach festen und umsatzabhängigen Bestandteilen trennen und die Kosten je Transaktion ausrechnen — nicht je Umsatz.
  2. Diese Zahl dem eigenen Durchschnittsbon gegenüberstellen. Erst damit lässt sich sachlich sagen, ob Kartenannahme im eigenen Betrieb teuer ist oder nur teuer wirkt.
  3. Vor einer gesetzlichen Pflicht neu verhandeln statt danach: Wer im Wettbewerb um einen freiwilligen Anschluss steht, bekommt bessere Konditionen als jemand, der gesetzlich muss.

Quellen

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