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72 Prozent erwarten Kartenzahlung im Restaurant — die Debatte läuft an der Kasse vorbei

Eine YouGov-Umfrage vom 14. September 2026 mit mehr als 3.600 Befragten zeigt: 72 Prozent finden, im Restaurant müsse bargeldlos bezahlt werden können, nach 67 Prozent im Vorjahr. In allen abgefragten Situationen sind die Werte gestiegen, am stärksten bei Kiosk, Eisdiele und Imbiss.

Was ist passiert

Am 17. September 2026 hat die dpa die Ergebnisse einer YouGov-Umfrage verbreitet, die am 14. September 2026 unter mehr als 3.600 Erwachsenen in Deutschland erhoben wurde; die Vergleichsbefragung vom 16. März 2025 umfasste 1.259 Personen. Ein Auftraggeber wird in der Meldung nicht genannt. Gefragt war, wo bargeldloses Bezahlen möglich sein sollte. Restaurants kommen auf 72 Prozent nach 67 Prozent im Vorjahr, Supermärkte auf 71 nach 66 Prozent. Deutlicher fallen die Sprünge dort aus, wo bisher am häufigsten nur Bargeld gilt: Bars, Bistros, Cafés und Kneipen von 50 auf 59 Prozent, Bäckereien von 46 auf 53, Eisdielen von 41 auf 50, Imbissbuden von 40 auf 48, Kioske von 36 auf 45 Prozent. In der dpa-Fassung werden zusätzlich Einzelhandelsgeschäfte mit 66 Prozent genannt sowie Parkhäuser, Flughäfen und Bahnhöfe mit über 60 Prozent; Märkte und Volksfeste bleiben unter 35 Prozent. In jeder abgefragten Situation liegt der Wert über dem des Vorjahres.

Wen es trifft

Gastronomie, Bäckereien, Kioske, Imbisse und Marktbeschicker — also genau die Betriebe mit kleinen Durchschnittsbons, für die jede Transaktionsgebühr relativ am schwersten wiegt.

Einordnung

Diese Zahlen kommen mitten in die Debatte über die geplante Kartenzahlungspflicht, und sie verschieben den Streitpunkt. Der Handelsverband hat am 16. September argumentiert, eine Pflicht sei überflüssig, weil an den Kassen des Einzelhandels ohnehin längst beides gehe. Für den organisierten Einzelhandel stimmt das weitgehend — die EHI-Studie vom Mai 2026 weist 65,1 Prozent Kartenanteil am Umsatz aus, knapp 90 Prozent der Kartenzahlungen laufen kontaktlos. Die YouGov-Werte zeigen aber, wo die Erwartungslücke tatsächlich sitzt: beim Kiosk, in der Eisdiele, am Imbiss. Dort steigt die Erwartung im Jahresabstand um acht bis neun Punkte, und dort hängt noch das Schild mit dem Mindestumsatz.

Für einen Betrieb mit 8-Euro-Bons ist das keine Haltungsfrage, sondern eine Rechenaufgabe. Wer bei solchen Beträgen eine Fixgebühr je Transaktion zahlt, verliert bei jeder Kartenzahlung einen spürbaren Teil des Deckungsbeitrags — das ist der wahre Grund für das Mindestumsatz-Schild, nicht Bequemlichkeit. Die Antwort darauf ist keine Pflicht und auch kein Trotz, sondern ein Tarif, der zu kleinen Bons passt: Entgelte in Prozent statt in Cent, keine Mindestumsatz-Klausel im Vertrag, und ein Terminal, das die Mittagsspitze aushält. Wer diese Rechnung nicht macht, entscheidet die Sache nicht — er überlässt sie dem Kunden, der ein Haus weiter geht.

Was jetzt zu tun ist

  1. Den eigenen Durchschnittsbon der letzten drei Monate ausrechnen und die Terminalabrechnung danach prüfen: Wie viel bleibt bei einem typischen Kleinbetrag nach allen Entgelten übrig?
  2. Mindestumsatz-Schilder abschaffen, wenn die Rechnung es zulässt — und wenn nicht, den Netzbetreibervertrag auf Fixbeträge je Transaktion durchsehen, bevor man den Kunden abweist.
  3. Im Vertrag schriftlich klären, welche Verfahren ohne Preisänderung zuschaltbar sind. Kommt die Akzeptanzpflicht 2027, verhandelt es sich als Pflichtkunde schlechter als heute.

Quellen

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