Was kostet es, Kreditkarten anzunehmen – gerade bei kleinen Bons?
Was eine Kreditkartenzahlung bei 5, 20 und 100 Euro Bonwert in fünf veröffentlichten Preislisten kostet, warum bei kleinen Bons nicht die Kreditkarte teuer ist, sondern die Buchung – und wann sich die Ablehnung von Kreditkarten überhaupt rechnet.
Die kurze Antwort
Eine Kreditkartenzahlung mit einer Verbraucherkarte aus dem EWR kostet Sie nach den heute veröffentlichten Preislisten zwischen 1,19 und 1,9 Prozent vom Betrag, bei manchen Anbietern zuzüglich 8 bis 10 Cent je Zahlung. Bei kleinen Bons entscheidet dieser feste Betrag über die Kosten, bei großen Bons der Prozentsatz – deshalb gibt es keine einzige richtige Antwort, sondern nur eine für Ihren Bonwert.
Dieser Beitrag behandelt nur die Kreditkarte. Wie sich die gesamte Rechnung aus Disagio, Miete und Nebenposten zusammensetzt, steht im Beitrag über die acht Kostenbausteine; warum Firmen- und Auslandskarten noch einmal teurer sind, im Beitrag über Firmenkarten und Nicht-EWR-Karten.
Was eine Kreditkartenzahlung je Bonwert kostet
Ich habe die öffentlichen Preisseiten am 25.09.2026 abgerufen und nur das gerechnet, was je Zahlung anfällt – ohne Miete, Einrichtung oder Gerätekauf. Gerundet auf volle Cent:
| Bon | PAYONE Classic 1,49 % + 0,08 € | PAYONE All Time Flex 1,90 % | Stripe Terminal 1,4 % + 0,10 € | SumUp 1,39 % | Nexi Aktion 1,19 % |
|---|---|---|---|---|---|
| 5 € | 0,15 € (3,1 %) | 0,10 € | 0,17 € (3,4 %) | 0,07 € | 0,06 € |
| 10 € | 0,23 € (2,3 %) | 0,19 € | 0,24 € (2,4 %) | 0,14 € | 0,12 € |
| 20 € | 0,38 € (1,9 %) | 0,38 € | 0,38 € (1,9 %) | 0,28 € | 0,24 € |
| 50 € | 0,83 € (1,65 %) | 0,95 € | 0,80 € (1,6 %) | 0,70 € | 0,60 € |
| 100 € | 1,57 € | 1,90 € | 1,50 € | 1,39 € | 1,19 € |
Was daneben steht, verändert das Bild: PAYONE Classic kostet ab 12,90 Euro Miete im Monat und 50 Euro Einrichtung, All Time Flex hat keine Monatsgebühr, aber 24 Monate Laufzeit und ab 19 Euro einmalig. Das Nexi-Angebot mit 1,19 Prozent ist eine Aktion bis 30.09.2026, dazu kommen 15 Euro Terminalgebühr im Monat bei 48 Monaten Laufzeit. Bei SumUp und Stripe kaufen Sie das Gerät. Wer einen Anbieter nach der letzten Spalte der Tabelle auswählt, hat also noch nichts entschieden.
Bei kleinen Bons ist die Buchung teuer, nicht die Karte
Der Reflex vieler Bäcker und Kioskbetreiber lautet: Kreditkarte erst ab zehn Euro. Die Rechnung am selben Vertrag spricht dagegen. Im PAYONE-Classic-Tarif kostet die girocard 0,26 Prozent plus dieselben 8 Cent:
| Bon | girocard 0,26 % + 0,08 € | Kreditkarte 1,49 % + 0,08 € | Mehrkosten Kreditkarte |
|---|---|---|---|
| 5 € | 0,09 € (1,9 %) | 0,15 € (3,1 %) | 0,06 € |
| 20 € | 0,13 € (0,7 %) | 0,38 € (1,9 %) | 0,25 € |
| 100 € | 0,34 € | 1,57 € | 1,23 € |
| 250 € | 0,73 € | 3,81 € | 3,08 € |
Beim Fünf-Euro-Bon kostet schon die girocard fast zwei Prozent, weil das Transaktionsentgelt jede Buchung gleich belastet. Die Kreditkarte legt nur 6 Cent drauf. Der Aufpreis der Kreditkarte wächst mit dem Bonwert – er ist ein Problem der Werkstatt, des Möbelhauses und des Hotels, nicht des Bäckers.
Rechenbeispiel: Café gegen Werkstatt
Modellrechnung mit frei gewählten Annahmen und den PAYONE-Classic-Sätzen von oben: Beide Betriebe haben 150 Kreditkartenzahlungen im Monat.
| Café, Bon 7 € | Werkstatt, Bon 250 € | |
|---|---|---|
| Kreditkartenumsatz im Monat | 1.050 € | 37.500 € |
| Mehrkosten gegenüber girocard (1,23 Prozentpunkte) | 12,92 € | 461,25 € |
| im Jahr | 154,98 € | 5.535,00 € |
Das Café spart mit einer Ablehnung der Kreditkarte rund 13 Euro im Monat und riskiert dafür Gäste, die nur eine Kreditkarte dabeihaben – Touristen etwa, deren Heimatbank keine girocard kennt. Die Werkstatt hat dagegen ein echtes Kostenthema. Aber auch sie verhandelt besser den Prozentsatz, als Kunden wegzuschicken.
Warum „Premium“ oft teurer abgerechnet wird
Der gesetzliche Deckel von 0,3 Prozent für das Interbankenentgelt gilt nach Artikel 4 der Verordnung (EU) 2015/751 für Verbraucher-Kreditkarten insgesamt, also auch für Gold- und Platinkarten. Trotzdem rechnen Anbieter sie teurer ab: SumUp nimmt im Tarif „Zahlungen Plus“ (19 Euro im Monat) 0,79 Prozent für inländische Karten, aber 1,39 Prozent für Premium-, internationale und Amex-Karten; Stripe online 1,5 Prozent plus 25 Cent für Standard- und 2,8 Prozent plus 25 Cent für Premium-Karten aus dem EWR. Die Differenz entsteht nicht beim gedeckelten Anteil, sondern bei Scheme Fee und Marge. Fragen Sie nach, wie Ihr Anbieter „Premium“ definiert und wie viel Ihres Umsatzes darunter fällt.
Aufschlag, Rabatt, Ablehnung: was erlaubt ist
Aufschlag. § 270a BGB erklärt eine Vereinbarung für unwirksam, durch die der Kunde ein Entgelt für die Nutzung einer Zahlungskarte zahlen soll – bei Verbrauchern und Karten, auf die Kapitel II der Verordnung (EU) 2015/751 anwendbar ist, also bei Visa und Mastercard. Ein „Kreditkartenzuschlag“ an der Ladenkasse ist damit erledigt.
Rabatt. Umgekehrt ist der Nachlass für eine günstigere Zahlungsart erlaubt, und § 675f Abs. 6 BGB schützt ihn ausdrücklich: Ihr Zahlungsdienstleister darf Ihnen nicht vertraglich verbieten, „für die Nutzung eines bestimmten Zahlungsinstruments eine Ermäßigung“ anzubieten.
Ablehnung. Artikel 10 der Verordnung verbietet Regeln, die Sie zur Annahme aller Kartenarten eines Systems zwingen. Sie dürfen also girocard annehmen und Kreditkarten ablehnen, müssen das aber am Geschäftseingang und an der Kasse deutlich sichtbar anzeigen. Ob Ihr Akzeptanzvertrag zusätzlich Mindestbeträge oder Ähnliches regelt, steht in Ihrem Vertrag, nicht im Gesetz – dort nachsehen, bevor ein Schild an die Kasse kommt.
Was ich Händlern rate
- Durchschnittsbon der Kreditkartenzahlungen ausrechnen, getrennt vom Gesamtbon. Aus drei Monatsabrechnungen genügt.
- Unter 15 Euro Bon auf das Transaktionsentgelt schauen, über 100 Euro auf den Prozentsatz der Kreditkarte.
- Fixkosten auf Ihre Kartenzahlungen umlegen, bevor Sie Tarife vergleichen – eine Miete von 15 Euro bei 300 Zahlungen sind 5 Cent pro Zahlung.
- Aktionssätze mit Enddatum und Laufzeit lesen: Was nach der Aktion gilt, zählt über 48 Monate mehr als der Einstieg.
- Nach der Premium-Definition fragen und nach dem Anteil Ihres Umsatzes, der darunter fällt.
- Keinen Aufschlag verlangen. Wenn Sie steuern wollen, dann mit einem Rabatt für die girocard.
- Kreditkarten nur ablehnen, wenn die Rechnung es trägt – und dann mit dem vorgeschriebenen Aushang.