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Ratgeber PaymentTerminal & POS

Kartenterminal in Österreich: mieten oder kaufen — und warum die Frage anders lautet

In Österreich verkaufen die großen Anbieter kein Gerät und keinen Netzbetrieb, sondern ein Paket aus Terminal und Transaktionen. Wer mieten oder kaufen vergleicht, vergleicht deshalb eine Flatrate mit einem Prozentsatz. Mit Rechenbeispielen aus den veröffentlichten Preislisten, Stand 23. September 2026.

Die kurze Antwort

In Österreich ist Kaufen nur bei kleinem Kartenumsatz günstiger: Mit den heute veröffentlichten Preisen liegt ein Kaufgerät mit 1,39 Prozent Gebühr bis knapp 3.000 Euro Kartenumsatz im Monat vorn, darüber gewinnt die Miet-Flatrate mit inkludiertem Volumen. Die eigentliche Frage ist aber nicht Miete gegen Kauf, sondern Flatrate gegen Prozentsatz — denn die großen Anbieter verkaufen das Gerät fast nie getrennt von den Transaktionen.

Wer aus Deutschland kommt oder deutsche Ratgeber liest, rechnet oft mit Terminalmiete plus Disagio plus Netzbetreiber. So ist der österreichische Markt nicht gebaut.

Warum es in Österreich keinen Netzbetreiber-Vertrag gibt

In Deutschland unterschreiben viele Händler zwei Dinge: einen Vertrag für das Gerät und den Netzbetrieb, einen für das Kreditkarten-Acquiring. Das ist eine Folge des girocard-Systems. In Österreich läuft der inländische Debitverkehr über das Bankomat-System, und die Oesterreichische Nationalbank kennt den Netzbetrieb nur als Aufgabe des Serviceproviders, der „die technische Infrastruktur (Netzbetrieb)“ sowie Processing, Settlement und Clearing bereitstellt (OeNB, abgerufen 23.09.2026). Eine eigene Händlerrolle „Netzbetreiber“ gibt es nicht.

Praktisch heißt das: PAYONE, Nexi, hobex, card complete oder Global Payments treten als ein Vertragspartner auf. Banken sind oft nur Vertriebskanal — die BAWAG etwa leitet Interessenten für POS-Terminals an PAYONE weiter (bawag.at, abgerufen 23.09.2026). Wer „bei seiner Bank“ ein Terminal hat, hat meist einen Vertrag mit einem dieser Anbieter.

Dazu kommt die Karte selbst. Die frühere Maestro-Bankomatkarte wird seit 2019 durch Debit Mastercard und Visa Debit ersetzt; rund 11 Millionen Debitkarten waren 2024 im Umlauf, mit knapp 1,8 Milliarden Transaktionen, neun von zehn davon kontaktlos (OeNB, Kartenzahlungen, abgerufen 23.09.2026). Ein Terminal, das 2026 angeschafft wird, muss diese Debitkarten sauber kontaktlos abwickeln — ein altes Gerät aus der Maestro-Zeit ist kein Schnäppchen, sondern ein Risiko.

Was die Anbieter öffentlich verlangen

Die meisten österreichischen Anbieter nennen keine vollständigen Preise. Hier alles, was am 23. September 2026 auf den Anbieterseiten stand:

Anbieter Modell Veröffentlichter Preis
PAYONE All Card Flat Miete, Terminal und Transaktionen im Fixpreis 29,90 € (1.000 € Volumen) bis 79,90 € (12.000 €) im Monat bei 36 Monaten; 34,90 € bis 84,90 € bei 24 Monaten; darüber 1,99 %
PAYONE Tap on Mobile Smartphone als Terminal, kein Gerät ab 0,00 € im Monat, 0,89 % Debit, 1,95 % Kredit
SumUp Kauf Terminal 109 € netto (130,80 € inkl. USt.), 1,39 % je Zahlung vor Ort, keine Monatsgebühr; alternativ 19 € im Monat und 0,79 %
Nexi Austria Miete „ab 14,95 Euro pro Monat“, Transaktionspreise nicht veröffentlicht
BAWAG (über PAYONE) Miete „12 Monate kostenlos mieten“ bei 36 Monaten Mietvertragsdauer, Mietpreis nicht veröffentlicht
hobex, card complete auf Anfrage keine Preise auf der Website

Die Beträge stehen so, wie die Anbieter sie ausweisen. Ob der PAYONE-Preis netto oder brutto gemeint ist, steht auf der Seite nicht — bei einem Angebot schriftlich klären.

Rechenbeispiel: Flatrate gegen Kaufgerät

Die folgende Tabelle ist eine Modellrechnung auf Basis der Preislisten oben. Annahmen: alle Zahlungen mit Debit- oder Standard-Kreditkarte (bei SumUps 19-Euro-Modell kosten American Express und Premiumkarten 1,39 %), der Umsatz liegt genau auf der Flatrate-Stufe, 36 Monate Laufzeit bei PAYONE.

Kartenumsatz im Monat PAYONE All Card Flat SumUp 1,39 % SumUp 19 € + 0,79 %
1.000 € 29,90 € (2,99 %) 13,90 € 26,90 €
3.000 € 39,90 € (1,33 %) 41,70 € 42,70 €
6.000 € 54,90 € (0,92 %) 83,40 € 66,40 €
9.000 € 69,90 € (0,78 %) 125,10 € 90,10 €
12.000 € 79,90 € (0,67 %) 166,80 € 113,80 €

Beim Kaufgerät kommen einmalig 109 Euro netto hinzu. Über 36 Monate zahlt ein Betrieb mit 3.000 Euro Kartenumsatz bei der Flatrate 1.436,40 Euro, mit dem Kaufgerät 1.610,20 Euro. Bei 9.000 Euro Kartenumsatz sind es 2.516,40 Euro gegen 3.352,60 Euro im günstigeren SumUp-Modell.

Der Kipppunkt der 3.000-Euro-Stufe liegt bei 2.870 Euro Monatsumsatz (39,90 Euro geteilt durch 1,39 Prozent). Darunter ist das Kaufgerät billiger, darüber die Flatrate.

Die Falle der Flatrate: Ihr Umsatz schwankt, die Stufe nicht

Die Tabelle rechnet mit Umsätzen, die exakt auf der Stufe liegen. Die Realität tut das nicht. Ein Eissalon mit 2.000 Euro im März und 6.000 Euro im Juli zahlt in der 3.000-Euro-Stufe im März 39,90 Euro — effektiv 2,0 Prozent — und im Juli 39,90 Euro plus 3.000 Euro mal 1,99 Prozent, also 99,60 Euro. Die Überschreitung kostet mehr als jeder Prozentsatz in der Tabelle.

Zwei weitere Punkte gehören in jede Rechnung. Erstens die Laufzeit: In der 3.000-Euro-Stufe spart die 36-Monats-Variante 5 Euro im Monat gegenüber 24 Monaten, bindet aber ein Jahr länger. Zweitens die Freimonate: Zwölf kostenlose Monate bei 36 Monaten Vertragsdauer senken die Durchschnittsmiete um ein Drittel, ändern aber nichts daran, dass Sie drei Jahre gebunden sind. Wie Laufzeit und Umschlagpunkt in Deutschland zusammenhängen, steht im Beitrag Kartenterminal mieten oder kaufen.

Zwei österreichische Regeln, die jede Rechnung verschieben

Keine Gebühr an den Kunden. § 56 Abs. 3 ZaDiG 2018 erklärt die Erhebung von Entgelten durch den Zahlungsempfänger für die Nutzung eines bestimmten Zahlungsinstruments für unzulässig. Einen Kartenaufschlag gibt es in Österreich also nicht; jeder Cent Terminalkosten geht von Ihrer Marge ab. Eine Ermäßigung für ein bestimmtes Zahlungsmittel darf Ihnen Ihr Zahlungsdienstleister dagegen nicht verwehren.

Karte ist Barumsatz. § 131b Abs. 1 Z 3 BAO: „Als Barzahlung gilt auch die Zahlung mit Bankomat- oder Kreditkarte oder durch andere vergleichbare elektronische Zahlungsformen.“ Die Registrierkassenpflicht greift nach Z 2 ab 15.000 Euro Jahresumsatz je Betrieb, sofern die Barumsätze 7.500 Euro übersteigen. Wer glaubt, mit reiner Kartenzahlung der Kassa zu entkommen, irrt: Das Terminal ersetzt die Registrierkasse nicht, und der Kartenumsatz zählt für die Grenze mit. Wer ohnehin eine Kassa braucht, sollte beim Terminal zuerst fragen, ob es an diese Kassa angebunden werden kann.

Was jetzt zu tun ist

  1. Den Kartenumsatz der letzten zwölf Monate je Monat aufschreiben, nicht den Durchschnitt. Die Schwankung entscheidet über die Flatrate-Stufe.
  2. Unter rund 2.900 Euro Kartenumsatz im Monat ein Kaufgerät mit Prozentgebühr ohne Laufzeit rechnen, darüber eine Flatrate — immer mit dem schwächsten und dem stärksten Monat.
  3. Bei jeder Flatrate den Überschreitungssatz erfragen und in den Saisonmonat einrechnen.
  4. Freimonate in die Gesamtsumme über die volle Laufzeit umrechnen, nicht in die Monatsrate.
  5. Schriftlich bestätigen lassen, ob die Preise netto oder brutto sind und welche Karten (Debit Mastercard, Visa Debit, American Express) zu welchem Satz laufen.
  6. Vor dem Kauf klären, ob das Terminal an Ihre Registrierkasse angebunden werden kann — nach § 131b BAO gehört der Kartenumsatz in die Kassa.

Quellen

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