Rechnungskauf und BNPL: Was kosten Klarna, PayPal und Co. den Händler?
Kauf auf Rechnung, Ratenkauf und „Später bezahlen“ kosten Händler meist rund 3 Prozent plus Fixbetrag; dafür übernimmt der Anbieter das Ausfallrisiko.
Die kurze Antwort
Kauf auf Rechnung und Ratenkauf — im Markt unter „Buy now, pay later“ (BNPL) zusammengefasst — kosten den Händler mehr als jede Kartenzahlung: In den veröffentlichten Listenpreisen von Mollie liegen Klarna und Riverty für Deutschland bei je 2,99 Prozent plus 0,35 Euro, der B2B-Dienst Billie bei 3,49 Prozent plus 0,35 Euro (abgerufen am 16.10.2026). Dafür bekommt der Händler eine Gegenleistung, die eine Kartenzahlung nicht hat: Der Anbieter zahlt sofort und in voller Höhe aus und trägt das Ausfallrisiko.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob BNPL teurer ist — das ist es —, sondern ob die zusätzlichen Käufe und die abgewälzten Ausfälle den Aufschlag wert sind. Das lässt sich ausrechnen, nicht erahnen.
Was kostet Rechnungskauf je Bonwert?
Der feste Betrag pro Zahlung macht BNPL bei kleinen Warenkörben unverhältnismäßig teuer, der Prozentsatz bei großen. Modellrechnung mit den Mollie-Listenpreisen vom 16.10.2026, zum Vergleich daneben eine EWR-Verbraucherkarte (1,80 Prozent plus 0,25 Euro) und die SEPA-Lastschrift (0,35 Euro fix), beide ebenfalls aus der Mollie-Liste:
| Warenkorb | Klarna / Riverty (2,99 % + 0,35 €) | effektiv | EWR-Karte (1,80 % + 0,25 €) | SEPA-Lastschrift (0,35 € fix) |
|---|---|---|---|---|
| 30 € | 1,25 € | 4,16 % | 0,79 € | 0,35 € |
| 80 € | 2,74 € | 3,43 % | 1,69 € | 0,35 € |
| 300 € | 9,32 € | 3,11 % | 5,65 € | 0,35 € |
Bei 300 Euro kostet derselbe Kauf über Billie (3,49 Prozent plus 0,35 Euro) 10,82 Euro statt 9,32 Euro. Zwei Dinge stehen fest: Gegen die Lastschrift verliert BNPL bei jedem Betrag haushoch, gegen die Karte etwa um den Faktor 1,6 bis 1,8. Und je kleiner der Bon, desto schlechter die Rechnung — unter rund 20 Euro ist Rechnungskauf fast immer die teuerste Zahlart im Checkout.
Wofür die höhere Gebühr bezahlt wird
Eine Kartenzahlung kostet den Händler Interchange, Scheme Fee und die Marge des Anbieters — die Bausteine habe ich im Ratgeber zu den Gebühren der Kartenzahlung auseinandergenommen. Beim Rechnungskauf kommt ein viertes Element dazu, und es ist das teuerste: die Übernahme des Ausfallrisikos.
Das Modell ist bei allen gängigen Anbietern dasselbe. PayPal formuliert es auf seiner Händlerseite so: Die Auszahlung an den Händler erfolgt „sofort und in voller Höhe“, und PayPal übernimmt „die gesamte Abwicklung der Ratenzahlungen, inklusive Rückzahlungen und Auszahlungsrisiko“ (PayPal-Händlerseite, abgerufen am 16.10.2026). Bezahlt der Kunde nicht, ist das nicht mehr das Problem des Händlers. Genau diese Garantie treibt den Satz von rund einem Prozent (Karte) auf rund drei Prozent (BNPL).
Das ist ein fairer Tausch, aber nur dann, wenn das Risiko real ist. Ein Händler mit kaufkräftiger Stammkundschaft und niedrigen Ausfällen kauft sich eine Versicherung, die er kaum braucht. Ein Shop mit hohen Warenkörben, Neukunden und spürbaren Zahlungsausfällen bekommt für dasselbe Geld echte Entlastung.
Die Produkte, die sich hinter BNPL verbergen
„Buy now, pay later“ ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Bündel. Klarna führt auf seiner Verkäuferseite vier Bausteine (abgerufen am 16.10.2026):
- Sofortzahlung — der Kunde zahlt direkt, faktisch eine normale Zahlung.
- Kauf auf Rechnung — Zahlung nach einem Zahlungsziel, meist 30 Tage.
- Ratenzahlung — Aufteilung in drei oder vier Raten.
- Finanzierung — längerfristige Ratenkredite.
PayPal bietet dasselbe als „Später bezahlen“: Bezahlung nach 30 Tagen für Warenkörbe von 1 bis 2.000 Euro und Ratenzahlung von 99 bis 10.000 Euro, jeweils mit Bonitätsprüfung (PayPal-Händlerseite, abgerufen am 16.10.2026). Entscheidend für die Kalkulation: Für den Händler fällt bei PayPal kein eigener BNPL-Aufschlag an — es gilt die normale Checkout-Gebühr. Wer schon PayPal akzeptiert, hat „Später bezahlen“ damit praktisch kostenlos im Angebot. Billie wiederum ist der Spezialfall Rechnungskauf zwischen Unternehmen (B2B); der höhere Satz spiegelt das andere Risikoprofil.
Klarna selbst veröffentlicht auf der Verkäuferseite keine Gebühren; die oben genannten Sätze stammen aus der Preisliste von Mollie, über das Klarna als eine von mehreren Zahlarten gebucht werden kann. Wer Klarna direkt anbindet, bekommt eigene, verhandelte Konditionen — die können darüber oder darunter liegen.
Rechnung ist nicht gleich Lastschrift
Der häufigste Denkfehler: „Rechnung“ klinge nach günstig, weil keine Karte im Spiel ist. Tatsächlich ist der klassische Kauf auf Rechnung über einen BNPL-Dienst die teuerste Variante, und die SEPA-Lastschrift die mit Abstand billigste — 0,35 Euro fix, unabhängig vom Betrag. Der Unterschied liegt wieder im Risiko: Bei der Lastschrift trägt der Händler das Rückbuchungsrisiko selbst, und zwar ein hartes. Der Kunde kann eine Basislastschrift acht Wochen lang ohne Angabe von Gründen zurückholen (§ 675x BGB). Was das in der Praxis bedeutet, steht im Ratgeber zu Chargebacks bei Karte und Lastschrift.
Kurz: Die drei Zahlarten unterscheiden sich nicht im Komfort, sondern darin, wer am Ende auf dem Zahlungsausfall sitzen bleibt. Das ist der ehrliche Maßstab für den Preis.
Darf ich einen Aufschlag für Rechnungskauf verlangen?
Anders als bei Verbraucherkarten der Systeme girocard, Visa und Mastercard und bei der SEPA-Lastschrift, für die § 270a BGB einen Zuschlag im Verbrauchergeschäft verbietet, fällt der Kauf auf Rechnung nicht unter dieses Verbot. Ein gesondertes Entgelt ist hier grundsätzlich möglich. Ob es sich lohnt, ist eine andere Frage: Ein sichtbarer Aufschlag an der teuersten Stelle des Checkouts ist oft genau der Grund, warum ein Kunde abspringt — und dann war die ganze Überlegung umsonst.
Was ich Händlern rate
- Den eigenen Ausfall kennen. Wer kaum Zahlungsausfälle hat, zahlt bei BNPL für eine Versicherung ohne Schadensfall.
- Nach Bonwert entscheiden, nicht nach Gefühl. Unter rund 20 Euro ist Rechnungskauf fast immer die teuerste Zahlart; der Fixbetrag erledigt das.
- PayPal „Später bezahlen“ zuerst prüfen, wenn PayPal ohnehin im Checkout ist — es kostet keinen eigenen Aufschlag.
- Die SEPA-Lastschrift als günstige Alternative mitdenken, aber das Achtwochen-Rückgaberecht einpreisen.
- Bei Direktanbindung von Klarna oder Riverty die Konditionen verhandeln statt die Listenpreise aus einem Aggregator hinzunehmen.
- Die zusätzliche Conversion messen, nicht behaupten: nur ein Vorher-Nachher-Vergleich zeigt, ob BNPL die drei Prozent einspielt.
Häufige Fragen
Was kostet Kauf auf Rechnung den Händler?
In den veröffentlichten Listenpreisen von Mollie kosten Klarna und Riverty für Deutschland je 2,99 Prozent plus 0,35 Euro pro Zahlung, Billie 3,49 Prozent plus 0,35 Euro (abgerufen am 16.10.2026). Das ist deutlich mehr als eine Kartenzahlung, weil der Anbieter das Ausfallrisiko übernimmt.
Kostet PayPal „Später bezahlen“ den Händler extra?
Nein. Für PayPal-Ratenzahlung und Bezahlung nach 30 Tagen gilt laut PayPal die normale Checkout-Gebühr von 2,99 Prozent plus 0,35 Euro, ohne eigenen BNPL-Aufschlag (PayPal-Händlerseite, abgerufen am 16.10.2026).
Trägt der Händler beim Rechnungskauf das Ausfallrisiko?
Bei den gängigen BNPL-Diensten nicht. Klarna, PayPal und die übrigen Anbieter zahlen den Händler sofort und in voller Höhe aus und holen sich das Geld selbst beim Kunden; das Ausfallrisiko liegt beim Anbieter. Genau dafür ist die höhere Gebühr.
Lohnt sich Kauf auf Rechnung trotz der höheren Gebühr?
Das hängt vom Warenkorb und der Abbruchquote ab. In Deutschland ist der Rechnungskauf eine der meistgenutzten Online-Zahlarten; bei größeren Bestellungen kann die zusätzliche Conversion die Gebühr aufwiegen, bei kleinen Beträgen frisst der Fixbetrag sie auf.
Quellen
- Mollie: Preise Deutschland (Listenpreise je Zahlart, abgerufen am 16.10.2026)
- PayPal: Später bezahlen für Händler (abgerufen am 16.10.2026)
- Klarna: Zahlungsmethoden für Verkäufer (abgerufen am 16.10.2026)
- VR Payment: Zahlungsmethoden (Rechnungskauf als „die beliebteste Zahlart“)
- § 270a BGB — Entgelte für die Nutzung bargeldloser Zahlungsmittel
Redaktion: KI-gestützt recherchiert und vorformuliert; Auswahl, Einordnung und Zitat prüft und verantwortet Pedram Dadgar. Korrekturen werden mit Datum vermerkt. Mehr zur Arbeitsweise