Tap to Pay auf dem Smartphone: Wo SoftPOS reicht und wo nicht
Ein iPhone oder Android-Handy als Kartenterminal funktioniert in Deutschland seit 2024, auch mit girocard und PIN. Wo die Grenzen liegen – nur kontaktlos, kein Drucker, Kassenanbindung, Sicherheitsstandard – und ab wie vielen Zahlungen im Monat ein eigenes Terminal billiger ist.
Die kurze Antwort
Ein Smartphone ersetzt das Kartenterminal gut, solange Sie wenige Zahlungen im Monat haben, fast nur kontaktlos kassiert wird und keine Kasse angebunden werden muss. Sobald girocard mit PIN, gedruckte Belege, eine Kassenschnittstelle oder mehr als rund hundert Zahlungen im Monat dazukommen, ist ein eigenes Terminal meist die bessere und oft auch die billigere Wahl.
SoftPOS heißt: Eine App macht das Handy mit seinem NFC-Chip zum Kartenleser. Apple nennt das „Tap to Pay on iPhone“, in Deutschland verfügbar seit dem 25.06.2024 für iPhone Xs und neuer (Apple Newsroom). Für Android gibt es dasselbe Prinzip unter Anbieternamen.
Grenze 1: nur kontaktlos
Das Handy liest ausschließlich, was man dranhält: kontaktlose Karten, Smartphones, Uhren. Stripe führt für Tap to Pay „kontaktlose Karten“ von American Express, Mastercard und Visa sowie Apple Pay, Google Pay und Samsung Pay auf (Stripe, abgerufen 26.09.2026). Es gibt keinen Schlitz für die gesteckte Chipkarte und keinen Magnetstreifen.
Im Alltag betrifft das wenige Kunden, aber genau die, die Sie an der Theke nicht wegschicken wollen: ältere Karten ohne Kontaktlos-Funktion, Karten mit gesperrter NFC-Funktion, beschädigte Antennen. Wer nur ein Handy hat, braucht für diese Fälle eine zweite Zahlungsart.
Grenze 2: girocard und PIN
Das ist der deutsche Sonderfall. Die girocard ist die meistgenutzte Karte am deutschen Terminal, aber nicht jeder Tap-to-Pay-Anbieter nimmt sie an. Die Stripe-Seite nennt sie nicht. Die Sparkassen-Finanzgruppe hat girocard auf Tap to Pay on iPhone am 03.09.2024 mit der App S-POS gestartet, inklusive PIN-Eingabe auf dem Händler-iPhone (girocard, 03.09.2024). S-POS läuft inzwischen auf iPhone und NFC-fähigen Android-Geräten (Sparkasse Essen, abgerufen 26.09.2026).
Die PIN ist kein Randthema. Ab 50 Euro oder nach mehreren kontaktlosen Zahlungen in Folge verlangt die Karte sie, wie im Beitrag über das Kontaktlos-Limit beschrieben. Kann Ihre App keine PIN abfragen, bricht genau die größere Zahlung ab. Apple selbst nennt keine Betragsgrenze, sondern schreibt nur, dass Transaktionslimits gelten können.
Was das Handy im Vergleich zum Terminal kostet
SoftPOS-Angebote verzichten meist auf die Grundgebühr und nehmen dafür mehr je Zahlung. Zum Vergleich zwei veröffentlichte Preisaufbauten für die girocard, Stand 26.09.2026: S-POS nach der Aktionsphase 0,79 Prozent plus 10 Cent je Zahlung laut Konditionenseite von S-POS, PAYONE Classic mit Mietterminal 0,26 Prozent plus 8 Cent und ab 12,90 Euro Miete im Monat (PAYONE, abgerufen 25.09.2026). Die 50 Euro Einrichtung bei PAYONE lasse ich weg.
Modellrechnung mit 20 Euro Bonwert, nur girocard:
| Zahlungen im Monat | Smartphone (0,79 % + 0,10 €) | Mietterminal (0,26 % + 0,08 € + 12,90 €) |
|---|---|---|
| 40 | 10,32 € | 18,18 € |
| 100 | 25,80 € | 26,10 € |
| 300 | 77,40 € | 52,50 € |
Die Schwelle liegt bei rund 100 Zahlungen im Monat. Bei 5 Euro Bonwert kostet eine Zahlung am Handy 14 Cent (2,8 Prozent), am Mietterminal 9 Cent zuzüglich Miete. Das ist eine Modellrechnung mit zwei Preislisten, keine Marktübersicht; Ihr eigener Vertrag kann anders aussehen.
Die Sparkassen bieten S-POS im Rahmen der Initiative „Deutschland zahlt digital“ zwölf Monate kostenfrei an, inklusive Transaktionsentgelten, bis 50.000 Euro Kartenumsatz im Jahr (Sparkasse Essen). Rechnen Sie trotzdem mit dem Preis ab Monat 13, denn dann läuft der Betrieb weiter.
Grenze 3: Beleg, Kasse, Belastung
Das Handy druckt nicht. Der Beleg geht per E-Mail, QR-Code oder gar nicht; wer Bewirtungsbelege oder Papierquittungen braucht, braucht einen Drucker daneben. Eine vorhandene Kasse per ZVT oder O.P.I. anzubinden, ist bei reinen Smartphone-Apps nicht der Normalfall. Fragen Sie das vor dem Vertrag, sonst tippen Sie jeden Betrag zweimal.
Wenn die App selbst Artikel und Umsätze erfasst, ist sie ein elektronisches Aufzeichnungssystem und braucht eine TSE; Einzelheiten stehen im Beitrag zur Kassensicherungsverordnung. Dazu kommen Alltagsfragen: Läuft die Kasse auf dem Privathandy des Inhabers? Was passiert, wenn der Akku um 18 Uhr leer ist oder ein iOS-Update die App eine Woche lang ausbremst?
Grenze 4: der Sicherheitsstandard wechselt
SoftPOS-Apps brauchen eine Zulassung nach Standards des PCI Security Standards Council. Der aktuelle Standard heißt MPoC (Mobile Payments on COTS) und fasst die älteren Standards SPoC und CPoC zusammen (PCI SSC). Nach Angaben des Anbieters MyPinPad (03.08.2026) nimmt der PCI SSC ab dem 31.10.2026 keine neuen Einreichungen nach SPoC und CPoC mehr an; eine eigene Bekanntmachung des PCI SSC dazu habe ich nicht abrufen können. Für Sie heißt das nur eine Frage an den Anbieter: Ist die App nach MPoC gelistet?
Was ich Händlern rate
- Zählen Sie Ihre Kartenzahlungen im Monat. Unter rund 100 ist das Handy ein ernsthafter Kandidat, darüber rechnen Sie ein Terminal gegen.
- Fragen Sie schriftlich: girocard ja oder nein, PIN-Eingabe auf dem Gerät ja oder nein.
- Klären Sie, wie Kunden ohne kontaktlose Karte bezahlen.
- Beleg und Kasse: Brauchen Sie Papier, brauchen Sie eine Schnittstelle, braucht die App eine TSE?
- Rechnen Sie mit dem Preis nach der Aktionsphase, nicht mit dem Einstiegsangebot.
- Nutzen Sie SoftPOS gern als Zweitgerät: am Marktstand, beim Kundentermin, als Reserve, wenn das Terminal ausfällt. Dafür ist es gemacht.
Welche Bauform sonst passt, steht im Beitrag über die fünf Terminal-Bauformen.
Quellen
- Apple Newsroom: Tap to Pay on iPhone in Deutschland (25.06.2024)
- girocard: Zahlungen noch einfacher akzeptieren mit der girocard und Tap to Pay auf dem iPhone (03.09.2024)
- Sparkasse Essen: App Sparkasse POS (S-POS)
- PCI Security Standards Council: Mobile Payments on COTS (MPoC)
- Stripe: Tap to Pay
- PAYONE Classic: Konditionen