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Wochenbriefing

Wochenbriefing KW 38: Die Verbände streiten über das Ob, der Kunde hat längst entschieden

Fünf Meldungen der Woche vom 14. bis 18. September 2026, eine These und eine Zahl. Der Handel lehnt die Kartenzahlungspflicht ab, während eine frische Umfrage zeigt, dass die Kunden sie an der Kasse längst voraussetzen — und zwei europäische Fristen laufen an.

Die fünf Meldungen der Woche

1. Der HDE lehnt die Kartenzahlungspflicht ab — und fordert im selben Atemzug Surcharging. Der Handelsverband Deutschland hat am 16. September als erster großer Verband förmlich zu den Eckpunkten aus dem Bundesfinanzministerium Stellung genommen: kein Bedarf, weil an den Kassen des Einzelhandels nach Verbandsangabe in 99 Prozent der Fälle ohnehin längst beides gehe. Zugleich warnt der HDE, eine allgemein formulierte Annahmepflicht erzeuge die Erwartung, dass jede verbreitete Karte akzeptiert wird, und stärke damit die internationalen Kartensysteme. Kommt die Pflicht doch, will der Verband Kartengebühren an die Kunden weitergeben dürfen — ein Eingriff in § 270a BGB. Zur Einordnung

2. 72 Prozent erwarten Kartenzahlung im Restaurant. Die dpa hat am 17. September die Ergebnisse einer YouGov-Umfrage vom 14. September mit mehr als 3.600 Befragten verbreitet. Restaurants kommen auf 72 Prozent nach 67 Prozent im Vorjahr, Supermärkte auf 71 nach 66. Die größten Sprünge liegen dort, wo heute noch am häufigsten das Schild mit dem Mindestumsatz hängt: Eisdielen von 41 auf 50 Prozent, Imbiss von 40 auf 48, Kioske von 36 auf 45. In jeder abgefragten Situation liegt der Wert über dem des Vorjahres. Zur Einordnung

3. Die EZB sucht Online-Händler für den Pilotbetrieb des digitalen Euro. Das Eurosystem hat am 15. September den Aufruf zur Interessenbekundung für E-Commerce- und M-Commerce-Händler geöffnet. Der Pilot startet im zweiten Halbjahr 2027 und läuft zwölf Monate; die Teilnahme ist freiwillig und unvergütet, nötig sind eine Vereinbarung mit der EZB und ein Vertrag mit einem der 36 ausgewählten Zahlungsdienstleister. Die Informationsveranstaltung ist am 6. Oktober um 15:00 Uhr MEZ, Bewerbungsschluss am 27. Oktober um 17:00 Uhr MEZ. Für stationäre Händler ist dieser Aufruf ausdrücklich nicht gedacht. Zur Einordnung

4. Die EU-Zollreform ist beschlossen, die Bearbeitungsgebühr kommt spätestens zum 1. November. Das Europäische Parlament hat am 16. September den reformierten Unionszollkodex final angenommen, der Rat hatte bereits zugestimmt. Für jeden Artikel, der direkt aus einem Nicht-EU-Webshop an EU-Verbraucher geht, erheben die Mitgliedstaaten künftig eine Bearbeitungsgebühr; ihre Höhe legt die Kommission fest und überprüft sie alle zwei Jahre. Plattformen und Verkäufer aus Drittstaaten gelten selbst als Importeure und haften für Daten, Abgaben und Produktkonformität; bei wiederholten Verstößen drohen Bußgelder von mindestens 1 bis zu 6 Prozent des Einfuhrwerts der vergangenen zwölf Monate. Zur Einordnung

5. PayPal startet sein Bonusprogramm in Deutschland. Fachdienste berichteten am 17. September über den Start von PayPal+: ein Punkt je fünf Euro Einkaufswert, 1.000 Punkte sind zehn Euro wert, freigeschaltet wird schrittweise über mehrere Monate. Im Laden sammelt nur, wer mit PayPal Card oder Ratenzahlung To Go zahlt, dort gedeckelt auf 1.000 Punkte im Monat; die Stufe Gold ab 4.000 Punkten hebt den Punktwert im Online-Checkout um 20 Prozent an. Was das für die Händlerseite kostet, steht in keiner der Meldungen. Zur Einordnung

Die These der Woche

Diese Woche hat der Handel die falsche Schlacht geschlagen. Der HDE und, drei Tage früher, der Europaverband der Selbständigen haben gegen die Kartenzahlungspflicht argumentiert, beide mit derselben Logik: Es gehe doch schon überall, also brauche es kein Gesetz. Das Argument ist nicht falsch, es geht nur an der Sache vorbei. Wenn wirklich 99 Prozent der Kassen längst beides können, kostet die Pflicht diese 99 Prozent nichts — sie kostet die Betriebe, die bis heute nicht gerechnet haben. Und genau dort sitzt die Lücke, die die YouGov-Werte sichtbar machen: nicht im organisierten Einzelhandel, sondern am Kiosk, in der Eisdiele, am Imbiss, wo die Erwartung im Jahresabstand um acht bis neun Punkte gestiegen ist und der Durchschnittsbon bei wenigen Euro liegt. Für diese Betriebe ist das keine Haltungsfrage, sondern eine Rechenaufgabe: Wer bei einem 8-Euro-Bon ein Fixentgelt je Transaktion zahlt, verliert bei jeder Kartenzahlung einen spürbaren Teil des Deckungsbeitrags. Das ist der wahre Grund für das Mindestumsatz-Schild — und auch der Grund, warum der HDE am Ende beim Preis landet und Surcharging fordert.

Dass das der falsche Hebel ist, zeigt derselbe Paragraf, den der Verband aufmachen will: § 270a BGB sperrt Aufschläge genau dort, wo die Interchange gedeckelt ist, also bei EWR-Verbraucherkarten. Wie wenig ein Deckel allein bringt, stand in dieser Woche in 978 Unterschriften aus den USA: Dort soll die Interchange im Vergleichsvorschlag um ein Zehntel Prozentpunkt sinken, hier ist sie seit 2015 per Verordnung gedeckelt — und die Kartenkosten steigen trotzdem. Wer beim Preis etwas bewegen will, muss an die Bausteine der eigenen Abrechnung und an die Karten außerhalb des Deckels, nicht an die Kasse und schon gar nicht an den Kunden.

Der zweite Strang der Woche ist derselbe Gedanke von der anderen Seite: Zahlartensteuerung betreibt längst jemand — nur nicht der Händler. PayPal+ hängt Punkte an die Zahlart, die den Händler im Schnitt am meisten kostet; die EHI-Erhebung zum Online-Payment 2026 weist für PayPal durchschnittliche Händlerkosten von 1,94 Prozent aus, für die Lastschrift 0,65 Prozent. Ein Bonusprogramm ist kein Kundengeschenk, es ist eine Verschiebung in die Marge des Händlers. Und während der eine Teil des Handels über das Ob streitet, laufen zwei europäische Uhren: der digitale Euro, bei dem im Pilot festgelegt wird, wie die Bezahlstrecke später aussieht, und die Zollreform, die den Regelvorteil aus Fernost einkassiert. Beide Fristen sind Angebote, mitzuschreiben statt später zu bezahlen. Die Summe der Woche: Wer seine Zahlarten und deren Kosten nicht selbst steuert, dem steuert sie jemand anders — per Gesetz, per Bonusprogramm oder per Kunde, der ein Haus weiter geht.

Die Zahl der Woche

72 Prozent, nach 67 Prozent im Vorjahr. So viele Befragte finden, im Restaurant müsse bargeldlos bezahlt werden können — YouGov-Umfrage vom 14. September 2026 unter mehr als 3.600 Erwachsenen in Deutschland, von der dpa am 17. September verbreitet; die Vergleichsbefragung vom 16. März 2025 umfasste 1.259 Personen, ein Auftraggeber wird in der Meldung nicht genannt. In jeder abgefragten Situation liegt der Wert über dem des Vorjahres.

Nächste Woche im Blick

In der kommenden Woche steht kein fester Termin an, dafür laufen vier Stränge weiter. Bei der Kartenzahlungspflicht fehlen DEHOGA und ZDH weiterhin im Wortlaut — die kursierenden Zitate stammen aus dpa-Berichten, nicht aus eigenen Stellungnahmen —, ebenso die Veröffentlichung der Eckpunkte oder eines Referentenentwurfs, ein Kabinettstermin, die Definition des Härtefalls und vor allem die Antwort auf die Frage, welche Verfahren die Pflicht überhaupt erfüllen. Bei der Zollreform ist der nächste echte Aufhänger der Durchführungsrechtsakt der Kommission mit der Höhe der Bearbeitungsgebühr. Bei PayPal+ wären es Konditionen oder benannte Händleraktionen — oder ein Konkurrenzprogramm von Klarna, Wero oder girocard mit derselben Mechanik. Und beim digitalen Euro bleibt offen, ob die Bundesbank einen eigenen Aufruf für stationäre Händler startet.

Weiter voraus: Sibos vom 28. September bis 1. Oktober in Miami Beach unter dem Motto „Digital finance for AI-driven economies", die nicht-geldpolitische Sitzung des EZB-Rats am 30. September, die Informationsveranstaltung der EZB zum Händler-Pilot am 6. Oktober um 15:00 Uhr MEZ, Next Generation Payment am 7. und 8. Oktober in Köln, ein Jahr Sendepflicht für Echtzeitüberweisungen samt Empfängerprüfung am 9. Oktober, der Bewerbungsschluss für den Pilotbetrieb am 27. Oktober und das ibi-Zahlungsverkehrsforum am 28. und 29. Oktober in Frankfurt.

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