Mastercards Offline-Pflicht ist richtig, aber ohne Strom bleibt die Kasse trotzdem stumm
Mastercard schreibt ab 2027 Offline-Zahlungen vor. Ausfallsicher wird die Kasse damit erst, wenn Strom, Netz und Händlerverträge mitziehen.
Mastercard hat am 7. Oktober angekündigt, was nach dem Blackout in Spanien und Portugal überfällig war: Ab 2027 sollen Kartenzahlungen in Europa auch dann funktionieren, wenn das Netz weg ist. Meine These: Die Offline-Pflicht ist richtig, aber sie macht die Kasse nicht ausfallsicher, solange Strom, Internetzugang und Händlerverträge nicht mitziehen. Jetzt ist der Moment, das zu sagen, weil ab sofort jedes Terminalgespräch mit dem Wort „offlinefähig“ geführt werden wird, und weil bis Mai 2027 viele Händler ein Gerät kaufen oder mieten, ohne zu wissen, was dieses Wort im Ernstfall bedeutet.
Was Mastercard tatsächlich vorschreibt
Die Regel hat zwei Stichtage. Ab Februar 2027 sind alle neu ausgegebenen Mastercard-Karten in Europa offlinefähig. Ab Mai 2027 müssen alle neu aufgestellten und alle ausgetauschten Terminals die Funktion unterstützen. Verliert das Terminal die Verbindung, gibt der Chip die Zahlung lokal frei, mit PIN-Prüfung direkt auf der Karte und bis höchstens 200 Euro je Zahlung. Das genaue Limit legt die kartenausgebende Bank fest, weitere Zähler auf dem Chip begrenzen nach Bericht von Trending Topics, wie oft und wie viel seit der letzten Verbindung bezahlt werden darf. Das Terminal speichert die Zahlungen und reicht sie ein, sobald die Leitung wieder steht. In Dänemark, Schweden, Estland und Lettland läuft das Verfahren bereits. Auslöser war der Stromausfall im April 2025, bei dem laut Mastercard rund 55 Millionen Menschen nicht mehr digital zahlen konnten. Die Details stehen in unserer Meldung zur Offline-Pflicht.
Zwei Punkte, die in der Debatte untergehen werden: Das Risiko einer offline freigegebenen Zahlung liegt nach dem Bericht von The Paypers bei den kartenausgebenden Banken, die deshalb auch das Limit bestimmen. Und Trending Topics hält nüchtern fest, was jeder Techniker weiß: Ohne Strom arbeitet auch ein offlinefähiges Terminal nicht.
Der Einwand: Das ist doch nur ein Terminaltausch-Programm
Der naheliegende Einwand aus dem Handel lautet, hier werde wieder eine Pflicht erfunden, die vor allem Geräteherstellern und Terminalanbietern nützt. Das nehme ich ernst, denn genau so ist es bei der angeblichen Kartenzahlungspflicht gelaufen, mit der seit Jahren Verträge verkauft werden, wie ich im September beschrieben habe.
Hier trägt der Einwand aber nicht. Die Regel greift nur bei neuen und ausgetauschten Geräten. Kein Händler muss sein funktionierendes Terminal im Mai 2027 vom Tresen nehmen. Die Pflicht wächst mit dem normalen Austauschzyklus in den Markt hinein, und der ist groß: Laut EURO Kartensysteme waren Mitte 2026 rund 1,397 Millionen girocard-Terminals in Deutschland aktiv. Wer seinem Kunden erzählt, sein Gerät müsse wegen Mastercard bis Mai 2027 raus, sagt die Unwahrheit. Ich verkaufe selbst Kartenterminals, und ich halte genau diesen Satz für das größte Risiko der nächsten Monate, für Händler wie für den Ruf meiner Branche.
Der zweite Einwand kommt von der anderen Seite: 200 Euro seien zu wenig, um im Blackout einen Supermarkt am Laufen zu halten. Für den Wocheneinkauf einer Familie mag das knapp sein. Für Brot, Medikamente und eine Tankfüllung reicht es, und genau darum geht es. Ein höheres Limit würde das Risiko der Banken erhöhen und die Bereitschaft senken, die Funktion überhaupt großzügig freizuschalten.
Wo die Lücke wirklich liegt
Die Lücke liegt nicht im Chip, sondern im Laden. Ein Tischterminal am Netzteil ist beim Stromausfall dunkel, egal was die Karte kann. Ein Terminal, das über den Router der Kasse ins Netz geht, verliert bei einem Netzausfall die Verbindung, und dann hilft die Offline-Freigabe, aber nur, wenn das Gerät selbst Strom hat. Kassensysteme, die den Betrag an das Terminal übergeben, hängen ebenfalls an Strom und Netz. Wer an der Kasse ausfallsicher sein will, braucht also drei Dinge zusammen: ein Terminal mit Akku oder Notstrom, einen zweiten Verbindungsweg und eine Kasse, die im Notbetrieb nicht blockiert. Welche Bauform was leistet, steht im Ratgeber Terminal-Bauformen.
Wie viel Umsatz daran hängt, zeigt die YouGov-Umfrage für den Genoverband aus dieser Woche: 56 Prozent der Erwachsenen konnten 2026 mindestens einmal nicht wie gewünscht bargeldlos bezahlen, wie unsere Meldung beschreibt. Ein Kunde, der wegen eines toten Terminals umdreht, taucht in keiner Kassenstatistik auf. Er fehlt einfach.
Dazu kommt der Vertrag. Dass die Banken das Risiko einer offline freigegebenen Zahlung tragen, steht in Fachberichten über die Mastercard-Regel. In den Händlerbedingungen der Zahlungsdienstleister steht es heute meist nicht. Und die Offline-Pflicht gilt für Mastercard. Ob und wie die girocard mit 4,21 Milliarden Zahlungen im ersten Halbjahr im Ausfall weiterläuft, erfährt der Händler aus der Mastercard-Ankündigung nicht.
Was ich fordere
Von Terminalanbietern und Netzbetreibern, also auch von meiner eigenen Zunft: Offlinefähigkeit per Software-Update nachrüsten, wo die Hardware es zulässt, und zwar ohne Aufpreis. Im Angebot offen ausweisen, ob das Gerät einen Akku hat und wie lange er im Betrieb hält. Und nie mit dem Stichtag Mai 2027 einen Tausch verkaufen, den die Regel nicht verlangt.
Von Mastercard: die Regeln für Händler verständlich veröffentlichen, nicht nur für Banken und Acquirer, und klarstellen, dass eine regelkonform offline freigegebene Zahlung dem Händler nicht nachträglich belastet wird.
Von der Deutschen Kreditwirtschaft und Visa: offenlegen, wie girocard und Visa-Karten in Deutschland im Ausfall funktionieren, damit Händler nicht für jedes Kartensystem einzeln raten müssen. Visa bietet laut heise bereits Offline-Funktionen an.
Vom Gesetzgeber, der gerade über eine Pflicht zur Kartenakzeptanz berät: Ausfallsicherheit an der Kasse gehört in denselben Plan. Wer Händler zur Kartenannahme drängt, muss auch sagen, was im Blackout gilt.
Und von Händlern: Beim nächsten Terminalvertrag drei Fragen schriftlich beantworten lassen. Offlinefähig nach den neuen Regeln? Wie lange läuft das Gerät ohne Strom? Wer haftet für offline freigegebene Zahlungen? Wie ein fairer Vertrag aussieht, steht im Ratgeber Kartenterminal mieten oder kaufen.
Mastercard hat den Chip ausfallsicher gemacht. Ob der Laden es auch ist, entscheidet sich an Akku, Leitung und Vertragsklausel, und das liegt nicht bei Mastercard, sondern bei Anbietern und Händlern.
Quellen
- Mastercard: Mastercard to keep payments moving during power and network outages across Europe (07.10.2026)
- heise online: Mastercard to introduce offline payments in Europe from 2027
- The Paypers: Mastercard mandates offline payments in Europe
- Trending Topics: Paying Without a Network: How Mastercard’s Offline Payments Work
- EURO Kartensysteme: Kartenzahlung im Handel fest verankert, girocard verzeichnet Höchstwerte bei Terminals (25.08.2026)
Redaktion: KI-gestützt recherchiert und vorformuliert; Auswahl, Einordnung und Zitat prüft und verantwortet Pedram Dadgar. Korrekturen werden mit Datum vermerkt. Mehr zur Arbeitsweise