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KommentarEnergiekosten & Finanzierung

Berlin deckelt den CO₂-Preis und verteuert das Heizen 2027 trotzdem

CO₂-Preis-Deckel, Grüngasquote und steigende Gasnetzentgelte treffen 2027 zusammen, doch die Finanzierung regelt keiner dieser Beschlüsse.

In dieser Woche hat die Politik beim Heizen scheinbar entlastet und tatsächlich verteuert. Der Bundestag hat den CO₂-Preis für 2027 gedeckelt, was als Schutz für Mieter verkauft wird. In denselben Tagen legte das Wirtschaftsministerium die Eckpunkte einer Grüngasquote vor, und die ersten Netzentgelte für 2027 zeigen beim Gas nach oben. Meine These: Der gedeckelte CO₂-Preis ist keine Entlastung, sondern das ruhigste Jahr vor dem Anstieg — und während Berlin an drei Kostenschrauben zugleich dreht, beantwortet kein einziger dieser Beschlüsse, wer die Alternative finanziert. Jetzt ist der Moment, das zu sagen, weil Eigentümer und Vermieter für 2027 gerade ihre Heizkosten kalkulieren und die drei Entscheidungen einzeln harmlos aussehen, zusammen aber in eine Richtung zeigen.

Drei Beschlüsse, eine Richtung

Beschluss eins: Der Bundestag hat am 16. Oktober die Novelle des Brennstoffemissionshandelsgesetzes verabschiedet. Der CO₂-Preis auf Heizöl und Erdgas bleibt 2027 im Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne, wie schon 2026. Nötig wurde das, weil der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr auf 2028 verschoben wurde. Ohne die Novelle hätte sich der Preis am schwankenden EU-ETS-1-Durchschnitt orientiert; der Immobilienverband GdW rechnete dabei mit 75 bis 85 Euro je Tonne. Die Einzelheiten stehen in unserer Meldung zur BEHG-Novelle.

Beschluss zwei: Am 14. Oktober stellte das Bundeswirtschaftsministerium Eckpunkte für eine Grüngas- und Grünheizölquote vor. Verkäufer von Erdgas und Heizöl müssen ab 2028 einen wachsenden grünen Anteil beimischen, ein Prozent 2028, fünf Prozent 2030, bis zu 100 Prozent 2045, und zwar nur für Brennstoff an private Haushalte. Der Aufpreis wandert über den Brennstoffpreis in die Heizkostenabrechnung, wie unsere Meldung zur Grüngasquote beschreibt.

Beschluss drei: Der Datendienstleister ene't hat am 8. Oktober die ersten vorläufigen Netzentgelte für 2027 ausgewertet. Beim Gas zahlt ein Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden im Schnitt 603,47 Euro fürs Netz, 1,2 Prozent mehr als 2026, Gewerbe liegt bei plus 1,3 bis 1,4 Prozent. Strom sinkt in der Niederspannung leicht, steigt in der Mittelspannung aber um 3,5 Prozent. Die Zahlen stehen in unserer Meldung zu den Netzentgelten.

Darüber liegt eine vierte Zahl. Die KfW hat am 12. Oktober vorgerechnet, dass Deutschland bis 2045 jährlich 290 Milliarden Euro investieren muss, um klimaneutral zu werden, davon rund 64 Milliarden allein für Gebäude. Getragen wird das Paket überwiegend privat: 257 Milliarden Euro im Jahr entfallen auf private Akteure, nur 33 Milliarden auf die öffentliche Hand, wie unsere Meldung zur KfW-Studie zeigt. Jede der drei Kostenschrauben erhöht den Druck, fossile Wärme zu ersetzen. Die vierte Zahl sagt, wer den Ersatz bezahlt: der Eigentümer.

Der Einwand: Der Deckel ist doch eine Entlastung

Der naheliegende Einwand lautet, ich redete eine gute Nachricht schlecht. 65 Euro statt bis zu 85 Euro je Tonne ist für Mieter und Vermieter mit fossiler Heizung eine echte Ersparnis, und der feste Korridor nimmt die Spitze aus dem Risiko. Das ist richtig, und ich nehme es ernst.

Nur ist die Entlastung geborgt. 2028 kommt der europäische Emissionshandel für Gebäude, und dann bestimmt der Markt den Preis, nicht mehr ein nationaler Deckel. Der gedeckelte CO₂-Preis ist also nicht das Ende der Verteuerung, sondern das letzte ruhige Jahr davor. Und in genau diesem Jahr wurden zwei weitere Kostenschrauben angesetzt, die den Spareffekt wieder auffressen: Die Grüngasquote verteuert das Gas schleichend über den Brennstoffpreis, ohne dass ein Kessel getauscht wird, und die Gasnetzentgelte steigen weiter. Wer nur auf die eine beruhigende Zahl schaut, übersieht die beiden anderen.

Der zweite Einwand ist ehrlicher: Die Grüngasquote sei bloß ein Eckpunktepapier, kein Gesetz, und der BDEW sehe erheblichen Diskussionsbedarf beim Hochlauf. Stimmt. Die Prozentschritte und die Ersatzzahlung können sich bis zum vorgesehenen Gesetzentwurf am 1. Dezember noch verschieben. Aber der CO₂-Deckel ist beschlossenes Recht, die Netzentgelte stehen in den vorläufigen Preisblättern, und die KfW-Zahl ist veröffentlicht. Die Richtung ist keine Spekulation, nur die dritte Schraube ist noch nicht festgezogen.

Warum Abwarten die teuerste Option ist

Für Eigentümer, Vermieter und Betriebe ist die eigentliche Gefahr nicht eine einzelne Zahl, sondern die Lähmung. Wenn der CO₂-Preis, eine neue Quote und die Netzentgelte jeweils eigenen Zeitplänen folgen, wird die fossile Wärme zum beweglichen Ziel, und ein bewegliches Ziel lädt zum Abwarten ein. Genau das ist die teuerste Entscheidung, weil jede Schraube für sich weiterdreht und 2027 das letzte gedeckelte Jahr ist.

Seit 2021 sehe ich in Wärmeprojekten, dass selten der Wille fehlt, sondern das Kapital zum richtigen Zeitpunkt. Die KfW-Rechnung bestätigt das: Wenn knapp neun von zehn Euro privat aufgebracht werden müssen, entscheidet sich der Fortschritt im Gebäudebestand nicht an der Höhe des CO₂-Preises, sondern an der Frage, ob der Eigentümer die Alternative finanzieren kann. Drei Beschlüsse derselben Woche erhöhen den Druck zu wechseln, aber keiner reicht eine Antwort darauf nach, wie der Wechsel bezahlt wird. Ich berate selbst einen Wärmecontractor und habe ein Interesse daran, dass Eigentümer rechnen statt abzuwarten — aber die Lücke zwischen Kostendruck und Finanzierungsweg ist keine Erfindung, sie steht in der KfW-Studie.

Was ich fordere

Vom Gesetzgeber: die drei Schrauben zusammen denken. Wer den CO₂-Preis deckelt, eine Grüngasquote plant und die Netzentgelte steigen lässt, muss die kombinierte Mehrbelastung je Heizungsart offenlegen, nicht drei isolierte Meldungen produzieren. Und die Grüngasquote braucht bis zum 1. Dezember nicht nur Prozentschritte, sondern einen Satz dazu, wie der Umstieg finanziert wird, den sie erzwingt.

Von den Versorgern und Fernwärmebetreibern: Preisänderungsklauseln und Preisblätter so transparent machen, dass ein Eigentümer die Jahre vergleichen kann. Eine gesenkte Netzentgeltkomponente nützt nichts, wenn der Vertrieb sie nicht weitergibt; ene't selbst weist darauf hin.

Von Eigentümern und Vermietern: 2027 als Planungsjahr behandeln, nicht als Verschnaufpause. Den CO₂-Anteil der letzten Rechnung mit 55 bis 65 Euro fortschreiben, die absehbare Quotenbelastung grob addieren und die Netzentgelte im eigenen Netzgebiet nachsehen. Die drei Schrauben gemeinsam in eine Rechnung über 15 bis 20 Jahre stellen, statt jede einzeln abzuwarten. Wie sich die Kosten je Kilowattstunde zwischen Gas, Öl, Fernwärme und Wärmepumpe unterscheiden, steht im Ratgeber zu den Wärmekosten pro Kilowattstunde, und was der CO₂-Preis für die Umlage bedeutet, im Ratgeber zum CO₂-Preis 2027.

Der gedeckelte CO₂-Preis liest sich wie eine Entlastung, ist aber die Ruhe vor dem Anstieg. Teuer wird das Heizen 2027 nicht durch eine Zahl, sondern durch die Summe dreier Beschlüsse, die in dieselbe Richtung ziehen — und solange keiner von ihnen die Finanzierung des Umstiegs regelt, bleibt der Eigentümer mit dem Kostendruck allein.

Quellen

Redaktion: KI-gestützt recherchiert und vorformuliert; Auswahl, Einordnung und Zitat prüft und verantwortet Pedram Dadgar. Korrekturen werden mit Datum vermerkt. Mehr zur Arbeitsweise

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